Anschnallpflicht auf dem Boot?

Mein Saisonauftakt war ja schon am 1. Januar, als ich mein Boot im Hafen Gedser an eine bessere Position verholt habe, damit es nicht so auskühlt. 10 Motorminuten. Dann im Februar einige Überfahrten zwischen Gedser und Warnemünde, immer bei moderaten ausgesuchten Wetterbedingungen.

Gestern aber war eine harte Nuss zu knacken. Von Warnemünde ging es Richtung Ost, mein Heimathafen Stralsund stand auf dem Plan. Die Wettervorhersage lautete Ost-Ost-Ost drehend auf Ost für die ganze Woche 16-18 Kn, in der Spitze auch mal 25. Ich mag es nicht, wenn man Termine hat. Also los, das kleine Wetterfenster gestern, in dem es mal nicht oder etwas weniger regnete, nutze ich zum Ablegen. Da ich während meiner Hafentage an der Mittelmole auf Kanal 73  Warnemünde Traffic gelauscht habe, kam mir die Idee, mich auch abzumelden und die Querung des Seekanals vor den Molenköpfen anzukündigen. Das Schulenglisch der Wachhabenden ist einfach zu schön. Schnell noch eine Fähre passieren lassen und Kurs Nordost die Segel dicht geholt. 6 Kn aus Ost, wo ist denn nun die Eins vor der Sechs? Mit 2,5 Kn über Grund geht es die Küste entlang. Als dann noch Schwell hinzu kommt, drehe ich mein Boot nordwärts. Der Wind hat etwas zugelegt und bei 1,5 Knoten Gegenstrom ist der Versatz schon bei 30°. Das kann ja heiter werden und mein Ziel Stralsund rückt in immer weitere Ferne.

DarßerOrt (23)Als der Wind dann noch auf Nordost dreht, schalte ich die Maschine an, um gegen Strom und Welle eine Chance zu haben. Mittlerweile ist meine Geschwindigkeit unter 2 Kn gerutscht. Das Tageslicht geht zur Neige, als ich an der Kardinalstonne West von Darßer Ort vorbei „rausche“. Mit dem letzten Büchsenlicht steuere ich den Nothafen Darßer Ort an. Durch meinen Aufenthalt in Gedser ist mir bekannt, das die Baggerarbeiten durch die dänische Firma Madsen beendet sind und ich fast sorglos in den Hafen fahren kann. DarßerOrt (30)Vorsichtig bin ich trotzdem. Muringbojen und Heckleinen, ein gewohntes Anlegen wie in der Adria. Etwas später kommt sogar noch ein Charterpärchen mit einer 37er Bavaria. Ankern im Hafen geht aber nicht ………. Nach erfolglosen Ankerversuchen, um römisch-katholisch anzulegen, helfe ich mit den Leinen beim Anlegen: „Heck voraus.“ Nicht immer ist das Loch für den Festmacher schnell zur Hand.

Es ist 21 Uhr, der Wind hat nachgelassen und beim letzten Tageslicht kommt Loupi auf seine Kosten. War er doch tapfer heute in den 10 Stunden für 30 Seemeilen!

Für mich gibt´s ein verdientes leckeres Abendessen…..

Am nächsten Morgen, ich räume gerade den Kram vom Vortag weg, kommt ein Nationalparkhüter.

„Hier ist aber Leinenpflicht für den Hund!“

Ich: „Guten Morgen, auch bei mir auf dem Boot?“

„Dies ist ein Nothafen und wir sind hier im Nationalpark, da hinten im Container wird kassiert“

Ich erwidere: „Dankeschön und schönen Tag.“ Denke noch kurz über die norddeutsch-barsche Begrüßung nach und vermute, dass einige meiner Artgenossen vielleicht einen schlechten Eindruck hinterlassen haben.

Mit Leine und Loupi geht´s vor dem Frühstück erst zum Container und dann zum naheliegenden Sandstrand. Zwei nette Damen erledigen die Formalitäten.  Der Grund, weshalb ich den Hafen erst nach einem weiteren Tag verlassen möchte, war bestimmt auch schon mal einfallsreicher. Ich entrichte meine Gebühr von 17,- Euro und hoffe, einen Beitrag für den Erhalt des Nationalparks geleistet zu haben. Der Anlegesteg ist Bestandteil des Rundwanderwegs durch die Vorpommersche Boddenlandschaft. Zahlreiche Touristen frequentieren diesen Weg und so kommt auch dies ein oder andere Gespräch zustande. Selbst die Bundespolizei verrichtet hier ihren Dienst und ist für einen Plausch bereit.

Morgen  soll der Wind auf Nordost drehen, was für meinen weiteren Weg nach Stralsund nicht unwichtig ist. Ich werde berichten. Ahoi!

 

Überwintern an Bord (1)

Jetzt wird´s ernst!

Immer wieder wurde ich gefragt: „Wann willst du X-Trip aus dem Wasser nehmen?“ „Wo überwinters du?“

„X-Trip bleibt im Wasser und ich bleibe auf dem Boot“ war meine kurze Antwort. Was habe ich da nur gesagt? Ein Gedanke, der mich schon lange vorher beschäftigt hat, ist jetzt Realität. Ich bin bekannt für extreme Reisen und Abenteuer. Doch dies ist jetzt ein ganz neues Kapitel. Mit einem „Joghurtbecher“ im Wasser überwintern. In unseren Breiten allerdings schon eine Seltenheit. „Du wirst frieren, alles wird feucht sein, das Eis zerdrückt dein Boot“ usw. Das sind alles keine guten Aussichten. Ich habe mich entschieden.

Eine Wohnung zu nehmen, um in 3-4 Monaten vor dem nächsten Segeltörn alles wieder abzugeben, kommt gar nicht in Frage, da ich tagsüber sowieso auf und am Boot sein werde. Also nur um ein Nachtlager zu haben solch einen Aufwand betreiben? Nein. Statt Miete zahle ich lieber Liegegebühren. Im Winter sind die Preise verhandelbar. Auch in einem festen Wohnsitz minimieren die Heizkosten den Kontostand.

Fernsehen, Telefon und Internet? Das sind alles Zeitfresser, die ich auf ein Minimum reduzieren kann. Ich lebe langsamer, dafür intensiver, das gefällt mir. Ich genieße die Ruhe, die Natur, habe mehr Zeit zum Beobachten und Träumen.

Fortsetzung und Einzelheiten in Kürze…

solo sailing documentary