Abenteuer: Der Englische Kanal

Seit 3 Wochen segle ich durch den Englischen Kanal. Rund 400 bis 500 Schiffe durchqueren täglich den Ärmelkanal. Ich bin eins davon. Wie immer habe ich mich nicht speziell vorbereitet mit der Strömungsberechnung und den Gezeiten.

AIS-Signale im engl. Kanal
AIS-Signale im engl. Kanal

Wie sonst auch lasse ich alles auf mich zukommen. Von Ile d´Ouessant, wo sich der Atlantik, die Biskaya und der Englische Kanal treffen, ging es durch die Stromschnellen und gegen den Strom Richtung Osten.
Die Fahrt nach L`aber Wrach, mitten in der rauen Küste der Bretagne, hat es in sich. Nebel, Regen und wechselnde Strömungen verlangen wieder mein ganzes seglerisches Können. 30 Seemeilen, eigentlich eine Kleinigkeit.

Foto: B. Clark in Boulogne sur Mer
Foto: B. Clark in Boulogne sur Mer

Ich brauche für diese Strecke ganze 10 Stunden. Davon vergingen schon 4 Stunden, um den Ankerplatz zu verlassen und nördlich von Ile d`Ouessant gegen Wellen, Winddreher und Strömungen anzukämpfen. Ich bin 4 Stunden zu spät oder 2 Stunden zu früh losgefahren. Wie es läuft, merkt man erst unterwegs. Nicht schlaftrunken im Dunkeln los zu fahren oder gar im Dunkeln im unbekannten Küstenrevier zu navigieren, liegt immer in eigener Hand. Im dicken Nebel und bei strömendem Regen fahre ich in die Marina von L`aber Wrach (Laber Wrack). Ich lege nicht an einer Muringtonne an, sondern nutze den Stromanschluss in der kleinen Marina, um mein Boot und meine Klamotten halbwegs von innen trocken zu bekommen. Um 6 Uhr am nächsten Morgen zieht es mich gleich weiter. Wieder Nebel, wieder Regen. Es ist kalt. Ich schalte unter Deck meine Heizung an, installiere wieder meine Außenkamera und mache es mir mit warmen Tee unter Deck bequem. Segeln kann doch so schön sein. Mein Zwischenziel für heute sollte Ploumanach sein. Leider stimmen die Angaben im Reeds und in den Karten nicht mit der Wirklichkeit überein. Es ist zu flach, ich schaffe es nicht bis in den schützenden Hafen. engl. Kanal (3)Ich befestige mein Boot an einem Transportboot und setze zum Land über. Hier sind schon 6-7 Meter Tidenhub. Alles was ich jetzt vorfinde, ist wenige Stunden später unter Wasser. Skurrile Gegend. Die Weiterfahrt scheitert am fehlenden Wind. Ich nehme Kurs auf die nur 5 Seemeilen entfernte Bucht vor Port Blanc. Freie Muringtonnen und ausreichend Tiefgang lassen mich totmüde ins Bett fallen. Wieder geht es am frühen Morgen um 6 Uhr los, nur unter Großsegel löse ich mich von der Tonne und schleiche zwischen den anderen Booten hindurch. Ein schöner Morgen, es geht nach Guernsey, einer der Kanalinseln im Englischen Kanal und unter britischer Verwaltung. Die Strömung hilft und ich male mir aus, dass ich schon am frühen Nachmittag in Saint Peter Port auf Guernsey einlaufe. Doch auch dieses Mal machen der Wind und die Strömung die Termine. Ich brauche für die 50 Seemeilen wieder unglaublich 12 lange Stunden.

Victoria-Marina bei Hochwasser
Victoria-Marina bei Hochwasser
Victoria-Marina bei Niedrigwasser
Victoria-Marina bei Niedrigwasser

Auf Guernsey finde ich eine schöne Bucht vor Castle Cornet, lasse den Anker fallen und drehe mit Loupi eine Runde durch den Hafen und an der Promenade. Am Morgen verhole ich mein Boot an den Besucherponton vor der Marina in Saint Peter Port, denn die Victoria-Marina ist mit angegebenen 2 Metern zu flach. Zwei Mal am Tag fällt der Eingang zur Marina flach. Interessanter Anblick. Die Stadt St. Peter Port ist sehr schön, strahlt maritimes Flair aus und kommt auf meine Liste: „Hier fahre ich noch einmal hin.“ Leider bahnt sich schlechtes Wetter an, so dass ich nur 3 Tage bleibe und zusammen mit 7 weiteren Segelbooten morgens im strömenden Regen die Insel Richtung französische Küste verlasse. Ziel ist heute Cherbourg. Knackpunkt im ganzen Englischen Kanal ist das strömungsreiche Cap de la Hague. Wer hier zur falschen Zeit kommt, dem steht eine Strömung von 5-6 Knoten entgegen. Aussichtslos für normale Segelboote. Zumal die Stromschnellen und Wellen das Wasser zum Kochen bringen. Ich fahre eine Stunde mit Motorhilfe und komme gut um die „Ecke“. Hinterm Kap dann Sonnenschein und Traumsegeln bis Cherbourg.

Birte & Nico auf ihrer Albin Ballad "TamTam"
Birte & Nico auf ihrer Albin Ballad „TamTam“

In Cherbourg bin ich wieder 4 Tage eingeweht, bevor es weiter geht. Zeit zum Relaxen, Bootspflege und für Freunde. Zusammen mit Birte und Nico von der SY TamTam warten wir auf bessere Bedingungen, um weiter zu kommen. Ich habe schon berichtet.

Fahrt nach Boulogne sur Mer
Fahrt nach Boulogne sur Mer

Nach 4 Tagen Warten weiter nach Dieppe. Eine Rauschefahrt mit  über 13 Knoten Speed über Grund. Dieppe ist mit beachtlichen 8-9 Metern Tidenhub schon sehenswert. Die Marina liegt genau an der Promenade und bietet sich als perfekter Zwischenstopp bei jedem Wetter an. Ich bleibe wieder 3 Tage, dieses Mal aber wegen der schönen Stadt und den guten Pubs.

Port Boulogne sur Mer
Port Boulogne sur Mer

Dann nur 53 Seemeilenweiter nördlich lande ich in Boulogne sur Mer. Der Tidenhub ist gerade zur Springtide hier ganze 10 Meter!!! Es geht an den rostigen Pollern hoch und runter.

Zusammen mit den Sailing Conductors Ben und Hannes von der SY Marianneengl. Kanal (7) und meinen Freunden aus Mersea-Island in Südengland feiern, kochen und lachen wir zusammen 4 Tage.

Konzert

Am letzten Abend gibt es noch Housemusik in meinem Boot. Es wird wieder spät. Uns verstreut es in alle Richtungen. Während Brigitte und Malcon nach Süden segeln, die Sailing Conductors weiter Richtung Deutschland fahren, zieht es mich nach England, genauer nach Dover. Hier finde ich einen Platz in der Dover-Docks-Marina. Hier nur noch 7 Meter Tidenhub und die Marina wird vor Niedrigwasser einfach geschlossen, um genügend Wassertiefe zu behalten. An meinem Schwimmsteg sind es nur noch 2,00 m, ich brauche aber 2,10m und versinke mal wieder im weichen Matsch. Dover´s Innenstadt ist klein aber sehenswert.

20 Pounds Sterling, leider nicht gültig in England.
20 Pounds Sterling, leider nicht gültig in England.

Zu meinem Erstaunen habe ich noch ein paar Pounds von Guernsey übrig, aber ohne Umtausch bekomme ich dafür hier kein Bier ergattert.

...fast so schön wie zu Hause auf Rügen.
…fast so schön wie zu Hause auf Rügen.

Wie St. Peter Port auf Guernsey oder Gibraltar gefällt mir das britische Flair auch in Dover und kommt damit auf die Liste: „Hier fahre ich noch einmal hin.“ Ich gönne mir nur 3 Tage, denn mit 45,- € am Tag möchte ich meine Reisekasse nicht allzu sehr plündern.

Einen ganzen Walking Day lege ich ein, laufe mit Loupi 18 Kilometer zu den White Cliffs, den Kreidefelsen, die entlang der Küste schon von Frankreich aus zu sehen sind. engl. Kanal (20)Auch auf dieser Seite des Kanals stehen verfallene Bunker und Abwehranlagen. Reliquien und ein Stück Geschichte aus dem 2. Weltkrieg.

Weiter geht es dann nach Ostende in Belgien wieder über den Englischen Kanal und das stark befahrene Verkehrs-Trennungs-Gebiet. Ich schaffe es von Dover bis Dunkerck in Frankreich mit meinem bunten Parasailor.

mit Volldampf durchs VTG
mit Volldampf durchs VTG

Mit Ostende endet für mich nach 4 Wochen das Abendteuer: Englischer Kanal. Ich hatte vorher so viel Respekt und kann nun auch diese Stück als erledigt abhaken.

2 Gedanken zu „Abenteuer: Der Englische Kanal“

  1. moin. hattest keine probleme mit luipi ,da in england einklarieren, ohne den vorher von fähre mit chiplesegerät einlesen zu lassen?
    wie genau hast du denn das da gehandhabt? lg claudia

    1. Moin, Großbritannien ist noch in der EU, also für mich war Einklarieren nicht notwendig. Für Loupi habe ich in Dover nach meiner Ankunft bei der Hafenpolizei gefragt ob es mit meinem Hund ein Problem gäbe. „Oh, it’s old english Sheepdog, no Problem“ war die Antwort. Also, einfach machen.
      LG zurück

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