Ahvenenmaa

So heißt die Gegend wo ich mich seit Tagen rumtreibe. Der schwedische und offizielle Name ist aber Ålands. Ahvenanmaa ist die finnische Bezeichnung. Beides steht für Wasser-Land und das gibt es hier reichlich. Natur im Überfluss. Von Rödlöga im Stockholmer Schärengarten aus bin ich einen 45 sm Schlag nach Mariehamn auf den Ålands gesegelt. 10 Stunden bei 5-6kn und jede Menge Sonne, ein Traumtag.

Unterwegs wieder ein paar Robben mit Gesang , die sich auf den Felsen die Bäuche wärmen. Sogar ein Schweinswal begleitet mich für einen Augenblick. Bis ich allerdings meine Kamera bereit habe , ist der seltene Besucher leider wieder abgetaucht. Also wieder keine Aufnahmen.

Die Ålands sind eine autonome finnische Provinz mit schwedisch sprachiger Bevölkerung. Ein Inselarchipel aus 6700 Inseln und Schären mitten in der Ostsee zwischen den Nachbarn Schweden und Finnland. Die waren schon im  Mittelalter ein wichtiger und willkommener Zwischenstopp auf dem Postweg von Stockholm nach Turku in Finnland und dann weiter nach St.Petersburg. Die Ållandinseln sind ein Resultat der Landhebung, nach Rückgang der Eiszeit um 10000 v.Chr.  Ein Vorgang, der besonders auf den Ålands messbar und von großer Bedeutung ist. So wachsen die Inseln noch immer 10mm pro Jahr in die Höhe. Der frühere unscheinbare Ort Övernäs wurde 1861 vom russischen Zar Alexander II nach seiner Gemahlin Maria in Mariehamn umbenannt. Schnell wuchs der kleine Ort mit 25 Einwohnern zum Hauptort und heute einzige Stadt auf den Ålands heran. In der Gemeinde Mariehamn leben heute knapp 12000 Einwohner.

Ich entscheide mich für den Osthafen der Stadt, der liegt dichter am Zentrum und ist mit nur 3 min Fussweg zum neueröffneten Supermarkt die bessere Wahl, auch wenn man ins Innere der Åland-Inseln vordringen möchte. Zufall Nr.1:  Am Liegeplatz gegenüber treffe ich ein Boot aus meinem Heimathafen und es stellt sich heraus Zufall Nr.2 : Sein Vater ist mit meinem Vater früher zusammen zur See gefahren… wie klein ist doch die Welt.

Nach einem Bummel durch die Innenstadt , der Besichtigung der berühmten 4 Mastbark „Pommern“ im Westhafen (die gerade nur 3 Masten hat und restauriert wird) , einer XL-Pizza bei Köti und 1-2 Bier in der Eckkneipe zieht es mich am nächsten Tag weiter. Denn ich möchte die Wikingerkulturstätte in Saltvik aufsuchen.

Irgendwie bin ich doch einer von diesen Entdeckern, nur ohne Raubzüge.

Der Weg führt bei herrlichem Sonnenschein durch den Lemströms Kanal, der die Insel Lemland mit der Hauptinsel mittels einer Drehbrücke verbindet. Die Brücke wird bei Bedarf zu jeder vollen Stunde geöffnet. So auch für mich allein , damit der Autoverkehr eine kurze Pause einlegen kann.

Bei den nächsten 5 Seemeilen kommt bei mir das Gefühl Binnenseesegeln auf. Bei Überfahrt über den inneren Lumparn von Åland sehe ich nur Wald am Horizont. Dabei brauche ich doch immer die Weitsicht und die gerade Linie wo sich Wasser und Himmel treffen. Es geht mit 2-3kn voran. Unterwegs vertreibe ich mir die Zeit, meiner neuen Ukulele ein paar Töne zu entlocken. Na, zum Glück hört mir hier niemand zu.

Mein Weg führt mich nordwärts an dem schönen Naturhafen Starrholmen vorbei zur Färjsundbrücke. Die Durchfahrt ist im Hafenführer mit 19m beschrieben. Mein Boot hat eine Mastlänge von 17m und im Top ist noch die UKW-Antenne befestigt. Ich brauche also 18m Durchfahrtshöhe, das müsste reichen. Schnell montiere ich eine kleine Kamera im Masttop und nehme den spannenden Augenblick auf.

Da der Hafen in Kvarnbo mit 2m nicht tief genug ist,  fällt mein Anker schon vor dem kleinen Anleger. Kvarnbo ist die älteste Kulturstätte der Wikinger  auf den Ålands. Ich schaue mir die alte Saltvik-Kirche aus rotem Granit an und besuche das Wikinger-Dorf, wo alljährlich mit viel Spektakel das Leben der Wikinger nachgestellt wird.

Doch irgendwie vermisse ich das Schärensegeln. Blättere Abends mal wieder planlos im neuerworbenen Cruising-Guide von Estland und suche mir eine Strecke durch die Schären nach Tallinn, der Hauptstadt von Estland.

Also Anker auf und Ahoi.

 

 

4 Gedanken zu „Ahvenenmaa“

  1. Hi Micha! Lese deine Berichte immer mit Freude. Wenn wir uns mal wieder treffen, bist du bestimmt schon ein Virtuose auf der Ukulele und kannst mit Fredi aufspielen.
    Have Fun
    Jürgen

  2. Super Micha, mal wieder ein toller Bericht von Dir ! Irgendwann möchte ich mal so eine ganz kleine Touri-Tour mit fahren, natürlich nur bei schönem Wetter 😂. Weiterhin alles GUTE und liebe Grüße

  3. Du warst immer schon ein Haudegen, als Surfer, Motorradfahrer Ladeninhaber usw.

    Softschäkel herstellen werde ich auch mal üben.
    Haste von Deinem Papa gell?
    Beeindruckend was man so Alles als Einhandsegler können muss, auch Umgang mit Funk sowie moderner Kamera und Internettechnik.
    Spannend und ehrlich Deine Geschichten über heikle Situationen.
    Im Heimathafen ist die Brücke 42 Meter hoch,
    kein Stress, aber auch keine Spannung 🙂

    Stralsunder Mittwochsregatta leidet dieses Jahr unter Stürmchen. Da sieht es bei Dir doch etwas entspannter aus.
    Alles Gute weiterhin, Micha.

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