Auf zu den Färöer Inseln

Am Abend zuvor erzählte mir ein Fischer etwas über die Fischotter hier im Hafen von Colla Firth auf den Shetlands. Und das sie immer über die Boote laufen. Jaja, Seemannsgarn. Bis ich dann beim Muschelbraten und offenen Fenster plötzlich in 4 Augen schaue. 2 Fischotter schauen durchs Fenster übern Herd. Nur 30cm vor meiner Nase. „Fallt mir nicht in die Pfanne, Jungs.“ In der Nacht habe ich alle Fester geschlossen aus Angst vor nächtlichen Besuchern. Früh geht es los, Kurs Nordwest zu den Färöer Inseln. Mit 160 Seemeilen keine allzu weite Strecke. Aus den 160 werden 190 gesegelte Meilen, da der Golfstrom hier schon mit 0,8 – 1,2 kn gegen mich ist. 30 Seemeilen umsonst. Die hole ich mir wieder, wenn ich zurückkomme. Der Atlantik fühlt sich viel ruhiger an, als die Nordsee.

Es segelt sich gut, bis sich bei 20kn Wind im 2. Reff das Großsegel zerteilt. Ein Riss von über einen Meter im oberen Bereich. So ein Mist. Die Genua reicht zum Glück bei 20kn Wind gut aus, um mich durch die Nacht zu bringen. Lange Weile kommt dennoch nicht auf, ich schaue sogar den Film: ´Deepwater Horizon´ ein Horrorszenario auf einer Ölplattform. Genau das richtige, wenn man an Ölplattformen vorbei segelt. Danke an meinen Freund Marco.

Distanzen verlieren beim Langstrecken-Segeln ihre Bedeutung. So schaue ich schon 30 Seemeilen vor dem Ziel, ob ich schon etwas von dem Inselarchipel entdecken kann. Fehlanzeige, mich beschleicht das Gefühl, vorbei gefahren zu sein, da die gesegelte Strecke schon längst im Kasten ist. Es dauert noch 4 Stunden, bis ich schwach am Horizont die Umrisse der ersten Insel Nolsoe sehe. Tolles Gefühl, es bald geschafft zu haben. Die Anfahrt zieht sich noch, da der Strom vor Torshavn recht stark ist. Hätte ich das gewusst, wäre ich um Nolsoe herum, um Torshavn von Norden anzusteuern. Sogar einen weiteren Segler hinter mir kann ich ausmachen. Ein Färöer bei der Umrundung seiner Heimat. Kräftiger Seitenwind macht das Anlegen schwierig. Ich rutsche rückwärts in eine freie Box. Es regnet mal wieder pünktlich zum Anlegen. Egal, ich habe es geschafft. Ich bin noch gar nicht aus- und umgezogen,da klopft es schon: „Hello, I´m the customs and come on board” Der kräftige Mann vom Zoll zerrt an der Reling und klettert mit Rucksack an Bord. Lustiger Typ, ich bekomme in den nächsten 90 Minuten bei Tee und Keksen neben ein paar Papieren auch eine Menge Infos, was hier so los ist und wo ich alles finden kann. Die Färöer betrachten sich nicht als Dänen, obwohl sie zur dänische Krone gehören, sondern als eigenständiges Volk, das von den Wikingern abstammt. Sie sprechen Färöisch. Eine Sprache, die aus dem Altnordischen entstanden ist und mit dem Isländischen und Norwegischen verwandt ist. Ich spreche nichts davon. Mein größtes Interesse gilt im Moment einem Segelmacher, der mein zerissenes Großsegel wieder reparieren kann.

Regen und Kälte bei der ersten Schnupperrunde durch den Ort, Regen und Kälte auch an den nächsten 3 Tagen. Die Statistik sagt: An 260 Tagen im Jahr regnet es auf den Färöer Inseln. Für den Rest ist es vielleicht neblig, so meine Vermutung. Die Stadt gefällt mir. Cafes, Restaurants, Pubs, Supermarkt, alles gleich in unmittelbarer Nähe. Liegekosten mit ungefähr 11,- € für mein Schiff sind auch angemessen. In der Werft gleich am Hafen organisiert der Boss vom Holzbootbau einen Kontakt zum Segelmacher in Skàla. 60km weiter im Norden setzt sich gleich Adalstein Magnusson von Nordsegl in seinen Transporter und holt mein Segel noch am selben Tag ab. Er versucht es in 2 Tagen repariert zu haben ,obwohl morgen ein Feiertag ist. Toll, denke ich, wieviel hat der Mann übers Jahr mit Seglern zu tun? Auch Patrick, der Franzose trudelt einen Tag nach mir ein. Wir setzten wie gewohnt aus Lerwick unsere abendlichen Pub-Besuche und die Recherchen über Strömungen und tolle Ankerplätzen fort. Ich verhole noch am selben Tag mein Boot an den Steg der Minimarina für Besucher. Gute Internetverbindung und ruhiges Wasser sind der Lohn. Es bleibt Zeit für Spaziergänge und das Schneiden der ganzen Filmsequenzen von unterwegs.

Auch die Sonne verwöhnt mich am 4. Tag, Wo passt denn die Sonne in die aufgestellte Wetterstatistik rein? Einen Tag später wieder dicker Nebel, also keine neue Statistik. Genug Zeit, einen Plan zu machen, welche Punkte ich auf den „Schafinseln“ aufsuchen möchte. Morgen geht´s los, lest nächste Woche wie es mir ergeht. Ahoi!

5 Gedanken zu „Auf zu den Färöer Inseln“

  1. Lieber Micha,

    wir freuen uns immer sehr über deine Berichte. Sehr unterhaltsam geschrieben! 🙂 Wir verfolgen mit Spannung deine weitere Reise!

    Liebe Grüße, André, Ute & Johanna

  2. Hallo Micha,
    bin ja auch unterwegs, verfolge mit großem Interesse all deine Berichte.
    Bewundernswert finde ich vor allem das miese, nasse Wetter, das du so hast. Brrr.
    Wann kommt dein nächster Bericht?

    Liebe Grüße Andrea

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