Färör – Günstiger als günstig

Allgemein liest man zu wenig bis überhaupt nichts übers Segeln auf den Färören. Das will ich ändern und nehme mir nach der holprigen Anreise zu den Shetlands und den Färör Inseln ein paar Tage Zeit. Es ist neblig am Morgen in Torshavn. Heute wollte ich doch weiter, um nicht länger in der Stadtmarina zu liegen. Am Abend zuvor hatte ich noch ein kurioses Erlebnis. Ich bin mit meinem französischen Bootsnachbar im Taxi zur Tankstelle gefahren, jeder mit zwei leeren 20 Liter Kanistern ausgestattet. Der Diesel soll hier günstig sein. Der nette Taxifahrer macht mit uns gleich eine Stadtrundfahrt, kassiert allerdings nur die eigentlichen 500 Meter, die wir auch zu Fuss hätten zurücklegen können. Jetzt das Kuriosum: Patrick und ich tanken gleichzeitig an einer Säule unseren Diesel. Patrick auf der einen, ich auf der anderen Seite. Bis hier hin alles normal. Ich bin als erster fertig und begebe mich in den Shop, um meinen Diesel zu bezahlen. Als Partrick das Selbe tun will, sagt der Tankwart wörtlich: „Es reicht wenn immer nur einer bezahlt. Die andere Seite ist dann umsonst.“ Wie bitte? Ich schaue auf meinen Zettel, habe ich doppelt bezahlt? Nein, 41,23 Liter zu 7,8 Dkk (ungefähr 1 €/Liter) Patrick und ich gucken uns an und wollen unbedingt die 2. Säule bezahlen. Keine Chance, der Tankwart hat keine Rechnung mehr offen. Wir bitten den Tankwart, dies zu erklären, aber er bleibt dabei und wünscht uns einen schönen Tag. Das nenne ich mal günstig. Am Abend spendiert Patrick dann das gesparte Geld für uns in einem Pub. Skål. Gegen Mittag lichtet sich der Nebel ein wenig. Ich nehme Abschied von Patrick, der hier noch lange auf seinen neuen Autopilot warten muss, und wünsche ihm eine schöne Heimreise. Für mich geht es nordwärts. Ziel ist der Skaalefjord, der von dem großen Tangafjord abzweigt. Nebel und Regen begleiten mich bis zum Ende des 9 Seemeilen langen Fjordes. Ich kann bei 4-5 kn Wind sogar segeln und die Landschaft nach und nach mehr sehen.

Der Nebel löst sich auf und lässt sogar die Sonne scheinen. Ein Traumanblick  bietet sich dann am ausgesuchten Ankerplatz.

Völlig glattes Wasser, kein Stadtlärm und eine atemberaubende Landschaft. Ich habe auf dieser Reise endlich ein breites Grinsen im Gesicht. Bis hier hin habe ich es geschafft. All diese Mühe, diese Strapazen und der Aufwand haben sich gelohnt. Hier ist das Ergebnis, nur für mich allein. Ich bin glücklich. Am Morgen schon will ich trotzdem weiter. Es regnet und der Wind, der mich gestern so schön hierher getragen hat, weht noch immer. Ich muss die 9sm zurück motoren. Draußen vor der Küste um Kap Eystnes herum setzte ich die Segel. Es geht mit Strom und halbem Wind bis zur Landspitze Mjovanes flott voran. Jetzt setzt der Strom so stark in den Norden, das die 12 kn Wind nicht mal mehr die Segel füllen. Ich starte die Maschine und packe die Segel ein. Im Standgas und mit 12 kn über Grund fühle ich mich wie in einem Abwasserkanal oder wie in einem Flusslauf kurz vor einem Wasserfall. Unglaublich. Nicht auszumalen, wenn ich falsch gerechnet und den Strom gegen mich gehabt hätte.

Es geht nach Klaksvik, die zweitgrößte Stadt auf den Färör Inseln. Der Hafen ist riesig. Klaksvik lebt vom Fischfang. Noch am Abend erkunde ich die Stadt und lande gegen 23 Uhr im Maverick, dem einzigen offenen Pup. Ich teste das lokale Bier und komme mit einheimischen Fischern ins Gespräch.

Gegen Mitternacht singen wir schon gemeinsam mit Nicole: „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne für diese Erde auf der wir wohnen……“ Der Eurovision Sieger-Song von 1982. Alles mir zu Ehren, einem deutschen Einhandsegler. Im Normalfall höre ich andere Musik, es hat aber geholfen. Am nächsten Morgen scheint die Sonne am blauen Himmel. Ich mache mich auf den Weg zur Stadtinfo, um nach guten Wanderwegen zu fragen. Ziel ist der mit 414m hohe Hausberg. Ein gefühlter 4000er, als ich auf halber Strecke eine Rast einlege. Als Segler bin ich diese Höhen ja gar nicht gewöhnt. Maximal 17m Masthöhe + Tidenhub reichen mir in der Regel für tolle Ausblicke.

Ich schaffe es trotzdem bis ganz nach oben und werde mit einem grandiosen Rundumblick belohnt. Der Hafen wird gerade um einen größeren Schwimmsteg erweitert. Der Hafenmeister entschuldigt sich für die Umbauarbeiten, ich brauche dafür nichts bezahlen. Ein Elektriker sorgt sogar für Strom aus einer provisorischen Verteilung. Am nächsten Tag ist wieder das Wetter, was in die Statistik passt, es regnet. Vielleicht hätte ich gestern wieder etwas von Nicole singen sollen. Ich bleibe unter Deck, räume auf und mache einen weiteren Routenplan für die kommenden Tage. Auf dem weiteren Weg nach Fuglafjödur bin ich durch verschiedene Strömungsangaben irritiert. Auf einer Entfernung von nur 1 Seemeile in 2 Häfen, Fuglafjödur und Lervik, sind 3 Stunden Gezeitenunterschied festzustellen. Ich entscheide mich für die Angaben des Hafen Lervik, unweit von Klaksvik und lege am Vormittag ab. Nach meinem Motto: ´Lieber zu früh als zu spät` erwische ich ein wenig den Gegenstrom an der Südspitze von Kalsoe kurz vor Hochwasser mit immerhin noch 4 kn. Die Maschine läuft normal weiter und ich komme mit nur 1 kn über Grund weiter. Leider fehlt der Wind heute, um mich zu unterstützen. Es bleibt Zeit, mir die wunderbare Gegend anzuschauen.  Bei der Anfahrt von Fuglafjödur ist der Spuk vorbei. Ich lege an der Tankstelle an, da kein weiterer Platz in Sicht ist. Später verhole ich mein Boot noch an das Kopfende des kleinen Sportboothafen. Bei dem geringen  Tidenhub von ca. 1,50 m muss man nur auf die Steine am Wellenbrecher achten. Im Supermarkt erkundige ich mich nach diesen Prepaid-Karten für die Stromsäulen. Ein Kunde an der Kasse bekommt meine Frage mit und bietet an, mich zum Hafenbüro zu fahren. Die Liegegebühren sind frei und eine 100 Kronen Stromkarten kann ich gleich mitnehmen. Kassieren kann er nicht, da es dafür keine Preisliste gibt. Na, vielen Dank. Da überlege ich doch gleich einen Jahresliegeplatz in Fuglafjödur zu beantragen. Aber ich will ja weiter.

Schönes Wetter lockt mich am nächsten Tag schon früh aus der Koje. Wandertag denke ich mir und packe schon meine Sachen dafür. Mein Frühstück wird durch ein Gespräch mit dem Besitzer vom Veranstaltungshaus unterbrochen. Er bietet mir an, im Konzerthaus zu duschen und das Internet zu nutzen. Es wird ja immer schöner in Fuglafjödur. Nach einer Wanderung auf dem hiesigen Berg hinter der Stadt, zieht mich am Abend der Lärm von jubelnden Menschen noch einmal in die Stadt. Der heimische Fussballclub spielt gegen den Club aus Klaksvik von der Insel Bordoe. Also die Bundesliga der Schafsinseln mit gut 27 Zuschauern. Ich jubel für Fuglafjödur, es geht 7:6 aus. Am nächsten Morgen klettere ich noch einmal hinter der Stadt auf einen Berg, um ein paar Aufnahmen zu machen. Noch einmal wird meine Kondition auf die Probe gestellt, ich gewöhne mich anscheinend an die Kletterei.

Gegen 15 Uhr löse ich die Leinen, um das nächste Ziel zu erreichen. Es geht nordwärts in den Lervigfjord. Mit unglaublichen 7 kn Strom schiebt es mich auf den Atlantik raus. Doch was mich draußen erwartet, lest ihr nächste Woche.

8 Gedanken zu „Färör – Günstiger als günstig“

  1. Hi Micha, schön geschrieben. Es macht Spaß dir zu folgen, wenn es auch nur auf dem Bildschirm ist. Ich weiß das es nicht einfach ist, nach den Strapazen des Segelns abends auch noch den Blog zu schreiben. Ich wünsche dir weiterhin viele schöne Erlebnisse und Eindrücke.
    Fair winds

    Peter

  2. Hallo Micha,
    beim Stöbern im Internet bin ich erst vor ein paar Tagen auf deinen Blog und deine Videos gestoßen. Faszinierend und grossen Respekt vor deiner „Lebensentscheidung“. Und vielen Dank, das du uns daran teilnehmen lässt. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und bin gespannt auf die weiteren Beiträge.
    Viele Grüsse
    Franz

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