Frongraisch, Frongraisch

Eine harte Nuss, die ich da schon wieder knacken muss … Frankreich begrüßt mich mit harten Bedingungen, 6 Beaufort aus Nord, konfuse Kreuzsee und Kabbelwasser, sowie Gewitter und Regen. Es geht gegenan. Meine Sympathie hält sich in Grenzen.Biskaya 2 (4) Ich bin von Santona bei Santander aus Kurs Nordost nach Arcachon an der französischen Küste unterwegs. 130 Seemeilen mit einer Nachtfahrt, feinstes Segeln. Kurz von Arcachon nehme ich Kontakt mit Semaphore, dem Channel Control in Arcachon auf. Ergebnis: Passage heute nicht möglich. Bei 3 Meter Wassertiefe mit 3 Meter Schwell und Shorebreak an der Einfahrt könne ich maximal mit dem Bodyboard über den Schlick rutschen. Was tun? Nächster Ausweichhafen im Rio Gironde, 65 Seemeilen nördlich. Also weiter geht´s. Die nächste Nachtfahrt steht an. Bei miserabler Bedingung kämpfe ich Meile um Meile. Auf dem Track sieht´s aus, als wenn ich den Weg nicht finde.

track
track

Stellenweise bei Gegenstrom nur noch 1 Knoten Geschwindigkeit. So kommt es, dass ich um Mitternacht nach 12 Stunden Fahrt erst 17 Seemeilen geschafft habe. Und mein Ziel im Rio Gironde, der wohl größten Flussmündung Europas, unerreichbar scheint. Essen machen, Segel setzten, Segel bergen, die ganze Nacht auf allen Vieren herum kriechen kosten Kraft und Nerven. Die aufgewühlte Biskaya macht mal wieder ihrem Ruf alle Ehre. Als dann gegen 2 Uhr Nachts noch ein heftiges Gewitter über mich hinweg zieht,  bin ich am Tiefpunkt dieser Überfahrt. Gegen 7 Uhr am Morgen geht die Sonne auf und schiebt alle Bedenken und die Wolken beiseite, die Welt scheint wieder in Ordnung. Der Wind beruhigt sich und ich segle noch 5 Stunden in einen herrlichen Morgen hinein. Sympathie zu Frankreich wieder auf dem besten Weg. Gegen Mittag mache ich die Leinen in Port Medoc im Rio Gironde fest, 220 Seemeilen in 48 Stunden und 30 Minuten. Ich bin platt, laufe mit Loupi eine Runde und schlafe im Cockpit ein, beruhigt und glücklich, es geschafft zu haben.

Nachtrag:   Danke Spanien!

Im Hafen von Lastres Biskaya 2 (1)vor 2 Wochen kam ich kurz in Panik, als bei guten 5 Windstärken und Megaschwell im Hafen ein Festmacher abbrach und mein Boot schon ohne mich los wollte.Biskaya 2 (2)

Dann war da noch der stabile Plastiksack „Made in Spain“ Biskaya 2 (7)in meinem  Faltpropeller. Zum Glück beim Motoren auf freier Strecke. Bewaffnet mit Taucherbrille und Messer ist das Problem schnell erledigt.

Das wünsche ich niemandem bei 5 Windstärken in einer Hafeneinfahrt.

 

Ein Gedanke zu „Frongraisch, Frongraisch“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .