Haparanda, habe fertig (Teil 1)

Ich glaube nur weil der Ort so gut klingt, wenn er ausgesprochen wird, prägt er sich so gut ein.

Haparanda, der Norden der Ostsee. Stimmt ja eigentlich gar nicht. Es ist einfach nur ein Ort. Vielleicht der Letzte, wenn man Schweden nach Finnland verlässt? Oder der größte Ort im Norden? Keine Ahnung warum. Auf jeden Fall ist Haparanda ein Begriff und das Pilgerziel vieler Segler, die auf der Ostsee unterwegs sind. Ähnlich den Pilgern auf dem Jacobsweg nach Santiago de Compostela, für Bergsteiger der Mount Everest oder für Wanderer der Similaun mit 3600m und der Özifundstelle in den Alpen. So ist auch Haparanda für mich ein Höhepunkt in meinem Seglerleben. Auch mein Loupi sollte eigentlich in diesem Jahr mit dabei sein. Von Isokari, im wohl schönsten Schärenarchipel Finnlands nordwestlich von Turku, bin ich erst am nächsten Nachmittag los gekommen. Kein Wind, genau wie die Vorhersage es angekündigt hat. So viel Rhabarberkuchen kann Ella gar nicht backen, wenn ich noch länger bleiben würde. Also los, irgendwie wird es schon gehen. Zum Abend war ich schon eine ganze Seemeile von der Hafeneinfahrt weg. Im Fernglas noch immer der 1833 erbaute Leuchtturm und Ella´s Rhabarberkuchen. Umdrehen? Nein, ein leises Lüftchen trägt mich bis Mitternacht ganze 8 sm in Richtung Norden. Nichts geht mehr. Ich sitze draußen im Cockpit und studiere Seekarten vom Bottnischen Meerbusen, toller Name. Mein Boot treibt mit 0,7 kn in die richtige Richtung. Hm, noch 350 sm bis Haparanda, das kann ja dauern. Am Morgen dann wieder eine Brise aus Süd. Ich setze nur die Genua und versuche einen Kurs einzustellen, ohne das mein Segel flattert oder schlägt. Etmal des Tages ganze 25 Seemeilen.

Am Abend wieder absolute Flaute. Ich beschäftige mich mit allerlei nützlichen und unnützlichen Dingen. Welche Beleuchtung schalte ich ein? Ankerlicht? Positionslichter? Zum Glück wird es nicht mehr richtig dunkel und ohne den 30 minütigen Rundblick lasse ich das Boot treiben und verschwinde einfach unter Deck in der Koje. Was soll passieren? Gegen 6 Uhr habe ich mich eine Seemeile vom Fleck bewegt, man, das zieht sich aber. Ich rechne: Noch 324sm bis Haparanda. Heute kräuselt sich die Wasseroberfläche, ich nenne das Sturm gegenüber den letzten 2 Tagen. Segel hoch, Segel runter und das bestimmt 10mal.

Ich verbringe den Tag mit Baden, Fotos machen, Lesen, Essen und am Boot basteln. Etmal des 3. Seetages: 41 Seemeilen!!! Am 4.Tag dann endlich: ab 4 Uhr am Morgen Südwest 8kn zunehmend 15-18kn. Es geht mit Rauschefahrt in den Norden. Der Kurs führt mich durch die Schären vor Vaasa.

Anhalten? Kommt nicht in Frage. Etmal um Mitternacht 142. Na geht doch, noch 141sm bis Hapa…..

Nach der 4. Nacht dann schon wieder Flaute. Verdammt! Ich kippe mein geplantes Ziel und nehme Kurs auf Hailuoto, einer Insel vor der finnischen Küste. Um 18 Uhr erreiche ich Marjaniemi auf Hailuoto, 79sm. Eine Menge Wohnmobile und ein netter Imbiss am Hafen. Ein finnisches Pärchen drückt mir ihren schwedischen Hafenführer in die Hände, gibt noch Tipps für schöne Ankerplätze in der Nähe und meint: „Hier hälst du das nicht aus, die Möwen haben hier das Sagen“ und sie legen mit Kurs Gotland um 22 Uhr ab. Tatsächlich, Möwengeschrei, Möwenkot und allerlei Müll aus den Papierkörben fliegt umher. Noch vor Mitternacht werfe ich die Leinen los und verschwinde. Ich habe mich ja gerade daran gewöhnt. Die 5. Nacht folgt, Flaute, Nieselregen und Schwell vom steinigen Untergrund. Meine Pilgerfahrt wird zur Gedulds- und Mutprobe.

Auf der Anfahrt nach Haparanda überquert man bereits die schwedische Grenze.

Gegen 12 Uhr am  6. Seetages erreiche ich den Industriehafen Röytta bei Tornio/Haparanda. 380sm in 5 Tagen, da ist man schneller über die Biskaya. Aber ich bin glücklich, es geschafft zu haben. In dem kleinen privaten Hafen lasse ich mein Boot für ein paar Tage allein. Ich plane, mit dem Fahrrad nach Rovaniemi zu fahren, um den Polarkreis einmal zu berühren.

Wie es mir ergeht und was alles weh tut, lest ihr nächste Woche.

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