Heizen an Bord

Set di connessione & Codolo di tenuta für die Gemütlichkeit,  nun wird das hier kein Sprachkurs und eingefroren im Oberstübchen ist auch noch nichts. Doch dazu später. Ich beschäftige mich schon lange damit, mein Boot in der kalten Jahreszeit warm zu bekommen. Ich lebe an Bord und will es gemütlich haben. Nicht immer ist der Strom in den Häfen kostenlos. Es wird ordentlich kassiert, bis zu 50 Cent für eine Kilowattstunde. Der normale Preis in Dänemark oder Deutschland liegt zwischen 20 und 25 Cent je KW/h. Dabei sagt der Gesetzgeber, dass man keinen Strom weiter verkaufen darf ohne sich als Lieferant oder Durchleitungsprovider zu outen. Ist also Stromgeld kassieren illegal? Wahrscheinlich nicht, es wird dann eben als Serviceleistung deklariert.

In der Vergangenheit habe ich mit Strom geheizt. Das Boot war verkabelt wie eine Baustelle, um es gleichmäßig wohl temperiert zu halten. Gerhard, der Hafenmeister in Gedser, fragte mich mal, ob ich den ganzen Hafen eisfrei haben will. Er kassierte bei mir im Winter 2016/17 gleich mal das Doppelte vom Vorjahr. Da kommt auch Einiges an Leistung bei mir an Bord zusammen. Ein kleiner Keramiklüfter mit 1800 W, ein Radiator mit 2000 W und meine Bett-Matratzenheizung mit 400 W. Das sind zusammen 4200 Watt oder 4,2 KW. Anders ausgedrückt, sind das knapp 20 Ampere im Dauerbetrieb, die durch das Landanschlusskabel fließen.

Daher auch die Begründung, warum mein Landanschluss immer eisfrei war.

Kurzzeitig kommen noch der Wasserkocher und der elektrische Herd für das schmackhafte Essen an den gemütlichen Winterabenden hinzu. Noch einmal 2 KW für die Zeit der Nutzung. Schön hyggelig soll es sein, wie die Dänen sagen. Der nervige Lüfter hatte über Nacht Pause und die elektrische Heizmatte unterm Bett wird auf 100 Watt gedrosselt. Trotzdem kam ich auf einen Heizbedarf von 35 – 40KW am Tag !!! In Euro ausgedrückt, auf ca. 20,- €/Tag Heizkosten. Zuviel für jede Marina, wo der Strom kostenlos aus der Säule kommt und zu viel für den Geldbeutel wenn man sich 4 Monate nicht von der Stelle bewegt.

Der Umbau und Wechsel zu Infrarotstrahlern bringt da etwas Entspannung auf beiden Seiten, Säule und Portmonee. Die Infrarotstrahler sind günstig in der Anschaffung, leicht und geräuschlos. Und mit ihrem geringen Verbrauch und dem rötlichen Lichtschein verbreiten sie Gemütlichkeit, wieder ist es hyggelig.

Doch noch immer ist man abhängig von der Landstromsäule.

Genau das wollte ich ändern, um autark irgendwo vor Anker zu liegen und nicht den Marinabetreibern das Geld unnütz in den Automaten zu stecken. Lange, eigentlich zu lange, habe ich nach einer passenden Möglichkeit gesucht.

Im Oktober habe ich in Klintholm die Seglerin Andrea mit ihrem Königskreuzer auf Langfahrt kennen gelernt. Sie hat versucht, ihr Boot mit Kerosin halbwegs warm zu bekommen. Draußen war noch kein Frost und das Heizen mit Kerosin ist kostspielig. Mein Infrarotstrahler wechselte noch in Klintholm seinen Besitzer. Kerosin gibt es ja auch nicht an jeder Ecke.  Kommt also für mich nicht in Frage. Später im November traf ich Marika, die schwedische Aussteigerin mit ihrem 9 Meter Boot in Klintholm. Ich hatte berichtet. Sie heizt ihr Boot mit einem Holzofen. Gemütliche Wärme, trockene Luft und die Backbordseite voller Holzscheite. „Den Ofen habe ich für 40,- € bei eBay bekommen.“ Sagte sie mir freudestrahlend „ … und Holz gibt es überall“ Das gefiel mir schon besser. Aber will ich meinen eingeschränkten Platz auf dem Boot mit dem Borkenkäfer teilen? Nein. Dieses Jahr führt meine Route über Shetland und die Farören nach Island. Während es auf den Shetlandinseln noch Bäume gibt, sieht es auf dem weiteren Weg bis Island eher schlecht aus, mit dem Rohstoff Holz. Ich entscheide mich für Diesel.

Auch die Standheizung im Boot funktioniert mit Diesel und ist ausreichend für unterwegs.

Das gefällt mir, komprimierte Energie in flüssiger Form und überall zu haben. Kurzum, meine Wahl fällt auf den Newport von Dickinson, einen Dieselofen mit bewährter Zuverlässigkeit.  Auf der Suche nach einem Händler und dem Studieren des umfangreichen Zubehörs wurde meine Euphorie gebremst. `Unbezahlbar`so mein Kommentar. Doch es gibt ein Sprichwort: Wer lange sucht wird fündig. In den USA gibt es einige Händler, die Dickinson günstig im Programm haben. Sollte auch sein, denn Dickinson kommt aus dem Nachbarland Kanada. Also Bestellschein ausgefüllt und freudig gewartet.

Die Auftragsbestätigung kam promt, aber es dauerte bald 6 Wochen, bis ich Post vom Hauptzollamt in Rostock bekam, um meine unzähligen Pakete abzuholen. Es sind nochmal Einfuhr- und Mehrwertsteuer fällig. Ja, die zahle ich dann auch gern, um es Weihnachten gemütlich und warm zu haben. Die ersten frostigen Nächte im Dezember stellten sich ein. Trotz der Steuern und hohen Frachtkosten über den Ozean habe ich unterm Strich einen 4 stelligen Betrag! gegenüber dem Generalimporteur in Deutschland gespart. Freude auf meiner Seite.

Auch konnte der Generalimporteur, der so ähnlich klingt wie Topfleuchte, nicht die erforderlichen Anschlüsse liefern.

Es heißt nur: „Sie müssen einen passenden 3/8 und 5/8 Zoll Anschluss nehmen.“  Nun, so etwas hat wahrscheinlich jeder an Bord. Ich jedenfalls nicht, und die Baumärkte nicht, die Heizungsinstallateure nicht, die Werkzeuglieferanten nicht usw. usw.  

Bei der Firma Lippold in Rostock fand ich  Hilfe. „Klar haben wir die konischen Anschlüsse. Die sind aus der Drucklufttechnik“ Mit weiteren 10,- € incl. Trinkgeld hatte ich Set di connessione & Codolo di tenuta in 3/8 und 5/8 Zoll in der Tasche. Endlich geht es an den Einbau.

Die umfangreichen Voraussetzungen, wie eine neue Dieselleitung mit externer Pumpe, neue Filter, ein 10cm Loch zur Bugkabine

und ein 12cm Loch nach draußen sind nötig. Es dauert noch eine ganze Woche.

Ein unangenehmes Gefühl, sein Boot so zu bearbeiten.

Um die enorme Hitzeentwicklung des neuen Dieselofens von den Wänden fern zu halten, bekomme ich in der Schlosserei Hartmut Reimer in Stralsund noch passende  Metallplatten zugeschnitten.

Vielen Dank dafür.

 

Am 3. Advent ist es endlich so weit, Vorfreude auf Weihnachten und erstes Anheizen meines neuen Dickinson.

Hyggelig, kann ich da nur sagen.

Es ist kein Problem, bei Außentemperaturen um 0° mit einer einzigen kleinen sauberen Flamme innen auf 25° zu heizen und die Luftfeuchtigkeit unter 40% zu bekommen.

Beim umfangreich bestellten Zubehör war auch ein externer Lüfter dabei, ein Headex.

Dabei wird warme Abluft vom Schornstein mittels Gebläse in die Bugkabine gesaugt. Auch hier halte ich mich ab sofort nur noch kurzärmlig auf.

Mein Tipp: Ein weiteres Zubehör sollte man gleich mitliefern lassen, den Radex. Das ist ein Lüfter, angeschlossen an einen Wasserkreislauf, der im Inneren des Dieselofens erwärmt wird. Auch ein Warmwasserboiler kann in diesen Kreislauf integriert werden. Ich bin mit dem Newport Dickinson-Ofen super zufrieden.

Der Praxistest und den Langzeittest aus dem kalten Norden sowie genaue Verbrauchswerte liefere ich auf diesen Seiten noch nach. Falls ihr Fragen zum Einbau oder der Funktionsweise habt, schreibt mir im Kontaktformular ein paar Zeilen. 

In 40 Tagen ist Frühlingsanfang!

17 Gedanken zu „Heizen an Bord“

  1. Hallo Michael,
    Das Ganze macht einen robusten Eindruck.
    Wie hast du die Frischluftzufuhr gesichert? Hast du da einen Schornsteinfeger hinzugezogen?
    Gruß
    Kurt

    1. Hi Kurt, ich habe einen Freund der Schornsteinfeger ist und selbst segelt. Das Boot ist nie ganz geschlossen, es kommt genug Luft rein. Wichtig wäre noch ein Kohlenmonoxid-Warner zu installieren. Viele Grüße

    1. Hi, was ist normal? Ein Standheizung mit 4KW habe ich ebenfalls. Selbst bei guter Batteriebank, ist der Energiebedarf zu hoch und man muss nach gewisser Zeit wieder an den Landstrom. Dann hat eine Standheizung zu viele mechanische Verschleißteile, die nach gewisser Laufzeit erneuert werden müssen.

  2. Hallo Micha,

    ja ich finde auch das du dir einen Warner unbedingt einbauen solltest! Übrigens sind die meisten Bilder leider im Querformat und auch nicht zum vergrößern!

  3. hi, danke fuer den Bericht. ich liebaeugle auch mit einer heizung wie diese. alternativ die petroleumheizung von taylor. koche auch mit nem taylor. wie stark idt die hitzeentwicklung auf der rueckseite. reicht da eine einfache metallplatte?
    gruss andreas

    1. Hi Andreas, die Platte (5mm Aluminium) ist mit Distanzstücken von 25mm befestigt. Dahinter dann noch eine Isoschicht, wie auf dem Bild mit dem Loch gut zu sehen ist.
      Die Platte ist im Bereich des Ofens relativ kalt. Oberhalb des Ofen heiss. Hinter der Platte ist es wieder kalt. Das größte Problem ist an der Decke, denn die Temperatur steigt nach oben und lässt das GFK schmelzen. Also hier musst du besonders gut isolieren wenn der Schnee auf dem Deck liegen bleiben soll.
      Viele Grüße

  4. Hallo Micha,
    schöne Sache so ein Dieselofen. Ich habe auf meinem Schiff einen Refleksofen, leider sehe ich bei diesem nicht die Flammen….was nochmals gemütlicher ist. Eine Sorge habe ich: das Styropor hinter Deinem ALu-Hitzeschild ist entflammbar, auf jedenfall kann es schmelzen und ausgasen. Kannst Du das gegen Mineralwolle (Rockwool gekapselt) tauschen? Oder ganz weglassen? Auf die Schottwand eine Reflexsilberfolie geklebt und ansonsten freie Luft strömen lassen! (Was ist der wichtigste Baustoff ? : LUFT !) So habe ich es bei mir an der Decke gemacht.

    Andere Frage: Du bist im Winter ím Wasser und segelst auch…Wie hast Du den Motor frostsicher gemacht?
    LG Lars

    1. Hi Lars, danke für deine Tipps. Wenn das Boot im Winter im Wasser bleibt, habe ich eine Umwälzpumpe unterm Kiel. Damit kommt Wasser vom Grund an das Unterwasserschiff, ich habe nie Frost in der Bilge.
      Viele Grüße Micha.

    1. Hi, das ist Geschmacksache. Die Qualität von Dickinson ist 1A. Der Preis spielt auch ne große Rolle, den Dickinson gab‘s günstiger. Außerdem ist es gemütlicher wenn man die Flamme sieht, eben wie ein Kamin.
      Viele Grüße

  5. hab mich gerade für ne Taylor entschieden. hab ich gebraucht sehr günstig bekommen. brauche mal nen paar infos zum durchbruch des schornsteines. wie bekommt man das gfk geschutzt?
    lg andreas

    1. Hi Andreas, Dickinson empfiehlt ein 12cm Loch und das soll dann genug sein. Ich habe es etwas größer gemacht damit ich ruhig schlafen kann. Bei mir ist noch Balsaholz in der Zwischendecke, das sollte wohl in Ordnung gehen. Innen habe ich Alu-Platten als Reflektor angebracht. Die Hitze ist enorm.
      Beste Grüße Micha.

  6. Hi Micha,
    GRATULATION zum Ofen. ich habe auf meiner Quicki PH 755 den Dickinson Feststoffofen ebenfalls mit dem Abluftheater für die Koje und plane auch den Dieselofen fürs Cockpit zu installieren. Was Du da wegen den Anschlüssen schreibst ist ja Mist, dachte mir schon sowas weil im Katalog von „T….“ nichts zum Tank steht den man dann wohl eher von Reflex nehmen wird.
    Ich habe als Dachisolierung Auspuffkrümmerband, gibts bei Amazon genommen und 2 Computerlüfter zur Kühlung und Wärmeverteilung an der Decke mit Temperaturfühler.
    Die Idee habe ich von :
    https://www.amumot.de/kleiner-mini-holzofen-beste-heizung-im-wohnmobil/

    Hast ja eine enorme Resonanz auf diesen Thread, vielleicht hilft der Hinweis dem Ein oder Anderen.
    Na dann, wünsche Dir stets eine warme Hütte unter Deck. Die Heizer sind ja als Dauerläufer ausgelegt 24/7, also
    alles Gute und eine schöne Zeit mit Deinem Ofen.
    Vielleicht gibts mal ein kurzes Video wenn der in Betrieb ist….o)
    Gruß Ingo
    PS: Hast mal was von Marika gehört?
    Ich schreib mich ab und an mit Susanne, sie macht sich ja langsam fertig für den Sprung nach Spanien rüber.

  7. Wir hatten auf unserem Segelboot einen Taylors 079D eingebaut. Aktuell sind wir in Italien, doch auch hier ist Winter. Der Taylors hält uns trocken und warm. Wir haben ihn zu
    http://www.taylorsheatersandcookers.co.uk/ geschickt und TipTop zurückbekommen. Er wurde, bevor wir dad Boot gekauft haben 30 Jahre nicht zerlegt und gereinigt. War überfällig und hat sich gelohnt. Die ganze Story auf unserem Blog.
    Falls jemand Ersatzteile oder ein Service braucht, kann ich John wärmstens empfehlen, er hat echt tolle Arbeit geliefert!

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