Kein Zurück

Im letzten Monat habe ich eine Umfrage gestartet, wohin ich im nächsten Jahr segeln werde, und wohin ihr mich schickt. 2 Touren sind klare Favoriten. Nun, es gibt kein Zurück, es geht wahrscheinlich in den Norden.

Noch ist es nicht entschieden. Die Abstimmung läuft noch bis Ende November.

S/Y Orbit
S/Y Orbit

Vor 3 Wochen in Klintholm ist mir ein 30“ Boot aufgefallen. Kein Name am Bug, keine Flagge am Heck. Der Holzofen an Bord bollert und qualmt vor sich hin.

Spuren vom Holzofen an Bord
Spuren vom Holzofen an Bord
wiedererkennungswerter Windgenerator
wiedererkennungswerter Windgenerator
in Warnemünde
in Warnemünde
mit 8 PS ans Mittelmeer
mit 8 PS ans Mittelmeer

Nach 3 Tagen lerne ich die Besitzerin Marika kennen. Eine blonde Schwedin, 51 Jahre alt und allein unterwegs. Sie lag mit einer Erkältung in der Koje. Da um diese Jahreszeit nicht viele Gesprächspartner auf Booten unterwegs sind, lade ich sie zu mir an Bord ein. Es werden unterhaltsame Tage. Ihre Geschichte klingt ein wenig verrückt, aber auch mutig. Vor einem Jahr hat sie ihr Boot für ca. 1000,- € gekauft, ein GFK-Knickspannter aus dem Jahr 1979 und hat es von Stockholm nach Helsingborg an der Westküste Schwedens gesegelt. Dabei hat sie ihre ersten und einzigen Segelerfahrungen gemacht. Seit dem ist sie infiziert vom Segeln und einem Leben auf dem Boot. Wie mir das doch bekannt vorkommt. Seit einem Jahr wohnte Marika nun schon in Helsingborg auf ihrer „Orbit“. Kosten sparen und Geld zusammen halten, so ihre Aussage, für den „großen Törn“. Eines Morgens, gegen 7 Uhr, bricht sie auf, um nach Trelleborg zurück zu fahren. Ihr Sohn und das zweite Kajak sollen auch noch mit. Kurz vor Mittag sehe ich sie noch immer am Horizont von Klintholm dümpeln. Es ist kein Wind und Benzin für ihren 8 PS Außenbordmotor ist auch nicht genug  an Bord. Als ich sie 3 Tage später in Warnemünde wieder treffe, erzählt sie von dem 13 Stunden Törn nach Trelleborg und dem 19 Stunden Trip nach Warnemünde. Im Boot steht das Wasser 10cm hoch. Mit 2 Korken beseitigt ihr Sohn die Leckage.

Marika
Marika

Zusammen wettern wir den Orkan Herwart in der Stadtmarina von Rostock ab. Stege und einige Boote leiden bei den Böen zwischen 50 bis 80 kn. Ein Vorgeschmack auf den Herbst.

Der Plan der mutigen Schwedin:

„Christmas in Marseille“ Sie will in den nächsten Tagen nach Lübeck und dieses Jahr über die Flüsse und Kanäle noch ans Mittelmeer kommen. Ironisch meine ich, es wird wohl eher Weihnachten in Lübeck. Ich helfe mit Infos über die Kanäle und Reparaturen am Boot. Auch finde ich heraus, dass einige der 300 Schleusen auf ihren Weg über Deutschland, Belgien und Frankreich schon Ende November den Dienst einstellen. Und das der Gegenstrom ihrem kleinen Motor zu schaffen machen wird. Nach einer weiteren Woche verabschieden wir uns. Ich bin gespannt, wie die „Orbit“ der blonden Schwedin ihre Bahn zieht und werde ab und an hier weiter berichten, denn in Marseille ist noch nicht Schluss. Im letzten Gespräch fallen die Reiseträume: Sardinien, Türkei und Neuseeland.

„Es gibt kein Zurück nach Schweden“.

Viel Glück, Marika !

 

6 Gedanken zu „Kein Zurück“

  1. Hi Micha, vielleicht erinnerst Du Dich an unser Treffen Ende letzten Sommers in Schweden, Susanne S/Y „Mistral“. Mit großem Intetesse las ich deinen Beitrag über Marika und ihren Törn gen Süden. Ich bin auch dahin unterwegs über die Kanäle. Könntest du mir die Kontaktdaten von Marika schicken, vielleicht können wir ein Stück gemeinsam motoren. Susanne ( radlach@hotmail.com)

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