Logbuch nach Venedig

Tour nach VenedigTour nach Venedig

Bilder zur Tour hier entlang…..

1. Tag: Los geht´s                                                        

Der Plan war früh Aufstehen heute. 7:50 Uhr sind die Augen auch schon auf. Gassirunde, schönes Frühstück bei herrlichem Wetter. Na ich fahre einfach mal los…… sonst gibt es doch noch einen Marinacoller. 11 Uhr mache ich die Leinen los, dieses Mal ohne irgendein Ziel vor Augen. Wir haben September, das ganze Jahr schon entspricht das Wetter nicht der Vorhersage, mal schauen. Bei böigem Südwind gleich ins 2. Reff, das fängt ja gut an. Genua bleibt in voller Größe.

Bucht von Plomin
Bucht von Plomin

Hinter der Insel Plavnik wieder mal drehende Winde, Süd-bis Nordwestwind und zwischen 8 und 18 Knoten ist alles dabei. Am Wind und über 7 Knoten Geschwindigkeit überholt mich eine alte Bavaria 44. Hier stimmt etwas nicht, der Tag fängt ja ganz blöd an. An der Nordspitze von Cres Kurs West. der Wind dreht mit und kommt wieder von vorn, nicht schlimm, aber ne fiese Welle spült den Staub der letzten Hafentage vom Deck. Jetzt fahre ich auch die Genua gerefft. Als Tagesziel scheint mir die Bucht von Plomin im Osten von Istrien geeignet zu sein. Heute ist mir ein bisschen übel, habe wohl noch keine richtigen Seebeine. Am Ende der schmalen Bucht steht ein Kohlekraftwerk, ich bringe noch eine Leine zum Land aus damit nicht die Zufahrt zum Fischereihafen durch mich blockiert wird.
Position: N 45°07`57.2 E 014°10`54.5 Etmal: 28sm

  • 2. Tag: Refftag

Man war das eine unruhige Nacht. Mit dem Festmacher zum Land steht das Boot quer und schaukelt das ich kaum Schlaf finden konnte. Der Ankerplatz war toll, aber mit dem rollenden Boot, sch……. Wieder spät los, die Sonne lacht um 10:30 Uhr, wie die Zeit vergeht. Aus der Bucht Plomin mit Motor. Draußen läuft eine ordentliche Welle, sonst nichts. Kein Wind, erst einmal. 30min später schon im 1.Reff, 15min 2. Reff. 20min 1.Reff, 30min 2.Reff usw. ich werd verrückt. Mittwoch wird umbenannt in Refftag. Ich nehme mir als Tagesziel die Bucht von Krnica vor,

alles verboten
alles verboten

geschützter kleiner Fischerort die Küste entlang im Südosten von Istrien. 23sm gerefft ist dann auch genug. Anker fällt zwischen einigen einheimischen Booten. Auf dem Schild ist so ziemlich alles verboten. Ich weiß gar nicht ob man hier etwas essen darf…….
Position: N 44°57`06.6 E 014°01`58.4 Etmal: 23sm

  • 3. Tag: Pula

    Pula
    Pula

Wieder ein langer Tag? Nee, zu spät los. Die Bucht Krnica ist wiederrum nur mit Landfeste zu ertragen.. In der Bucht kaum Wind, draußen 1 – 1,5m Welle und 20 – 25kn Wind. Dieses Mal aus Nordost. Nur mit der Genua in voller Größe geht es mit rauschender Geschwindigkeit die Küste entlang. Vor dem Wind fühlt sich alles gut an. Es macht riesigen Spaß, kein Druck auf dem Ruder. Als der Kurs sich ändert fängt das Boot bei gut 2 m Welle an zu rollen. Ich mag den Kurs nicht. 13:40 Uhr N44°46`019 E013°57`660 Südspitze Istrien. Lustige Turbulenzen im Wasser, das Boot dreht und windet sich wie im Strudel. 14:30 der Wind dreht von NO auf NW, es geht gegenan, Kurs Pula. Ein kleine Schule Delfine begleitet mich. Nach einem Zwischenstopp zur Gassirunde im trüben Wasser von der Bucht Paltana, geht es weiter Richtung Pula. Es gibt einige Anlegemöglichkeiten an den alten verlassenen Militäranlagen. Ich entscheide mich 19:30 Uhr für eine freie Muringtonne direkt vor Pula`s Stadtkern. Die abentliche Gassirunde geht heute noch bis zum Kolosseum von Pula, unterwegs eine Pizza und ein Anlegebier.
Position: N 44°52`55.8 E 013°50`48.8 Etmal: 32sm

  • 4. Tag: Pula

Früh Aufstehen ist etwas anderes, 8 Uhr, die Sonne brennt. Kein Wind. Stadtbesichtigung steht auf dem Plan. Loupi freut sich. Am Abend verhole ich mich an einen Militärpier nahe der Stadt. Ein alter Aufklärer wartet hier auf seine letzten Tage.
Position: N 44°52`31.1 E 013°47`57.2 Etmal: 2sm

schwimmendes Wrack
schwimmendes Wrack
  • 5. Tag (ich hasse Wespen)

Endlich mal früh auf gestanden. ;-) es ist 8 Uhr bis ich in den Tritt komme. Der alte Kan neben mir macht noch keinen ausgeplünderten Eindruck. Aber gruselig neben einen ausgemusterten Militärdampfer ist es schon. Auf dem Gelände jede Menge leerstehende Hallen. 12 Uhr kommt ein wenig Wind aus NO, abgelegt und mit langen Kreuzschlägen immer Zielkurs Nord angelegt. Als Einhandsegler hat man alle Hände voll zu tun, so hat eine fiese Wespe Zeit mir bei einer Wende in den Rücken zu stechen. Umag, letzter Ausklarierungshafen in Kroatien, steht auf dem Plan. Doch mal wieder schläft der Wind nach 20 Seemeilen ein und ich nehme Kurs auf Rovinj. Finde wieder eine Muringtonne in einer Bucht vor einer Reaklinik. Toller Sonnenuntergang mit Musik am Strand. Morgen stehe ich früh auf!

Position: N 45°05`79.1 E 013°38`18.0 Etmal: 25sm

  • 6. Tag: ……immer noch in Rovinjimage

Geschichten die Nacht´s passieren können erst am nächsten Tag aufgeschrieben werden. 24 Uhr, es klappert an Bord. Metallisch, komisch, ring ring klingt es an der Reling. Könnte ja liegen bleiben, aber ich hample ja gern in der Nacht umher. Kaum oben trifft mich bald der Schlag: Quer über meinem Cockpit ragt ein drei Meter langer Klüverbaum eines Traditionssegler. Das metallische Geräusch ist eine Kette die quer über meinem Boot an der Reling schrammt. Ich habe Alarm geschlagen. Auf dem alten Traditionssegler passierte nix. Er trieb durch die Ankerbucht und verfing sich ausgerechnet in meinem Sonnenverdeck. Treiben lassen, wegschubsen? Nein, schön an meiner Seite fest getütert und geentert. Huch, doch jemand an Bord. Der Skipper kam unbekleidet, verschlafen an Deck. Erster Gedanke: Ich sei ein Pirat! Nach Überwindung der Sprachbarriere und kurzen Wortwechsel mit der Frau des Skippers, auch unbekleidet, konnte das Missverständnis geklärt werden. Sein Anker hielt nicht und deswegen trieb sein Schiff quer durch die Bucht. Das hätte auch auf den Klippen enden können. Flasche Wein und ein Dankeschön verblieben bei mir an Bord.

Slowenischer Traditionssegler
Slowenischer Traditionssegler

Der Wind glänzte heute leider mit Abwesenheit. Also einen Ruhetag mit einer Flasche Wein ;-)

Position: N 45°05`79.1 E 013°38`18.0 Etmal: 0,0 sm

  • 7. Tag: Umag

Es weht der Wind aus Osten, lass den Haken rosten….Das gilt vielleicht beim Angeln. Ich löse schon um 8 Uhr die Leine von der Muringtonne. Ein schöner warmer Ostwind mit 5-7 Knoten weht ablandig. So fahre ich entspannt mit halben Wind die Westküste von Istrien entlang. Ein schöner Tag. 13 Uhr schon an der Hafeneinfahrt von Umag der nordwestlichsten Ortschaft zum Ausklarieren nach Italien. In der Marina von Umag auf dem Nachbarboot lerne ich ein sehr nettes Seglerpärrchen aus England kennen. Sie sind von einem langen Trip auf dem Schwarzen Meer zurück. Es gibt gemeinsam vieles zu Erzählen. Dazu gibt´s den Nachmittag über Kuchen und Gin Tonic. Außer einem guten Supermarkt, Deutsche die mit Händen und Füßen erzählen und eine viel zu teure Marina gibt es nicht viel zu sehen.

Position: N 45°26`18.5 E 013°31`01.9 Etmal: 25 sm

  • 8. Tag: Caorle Porto Pizza

Um 8 Uhr stehe ich schon vor dem Büro des Hafenmeisters. Gleich nebenan das Büro der Polizei. Toller Service, nach nur 10 min bin ich aus Kroatien ausklariert und kann ablegen. Ein leichter Nordost trägt mich schnurgerade nach Nordwesten. Zielven (34) ist die Marina in Caorle mit dem leckeren Namen: “Porto Sant Margerita” Gegen 15 Uhr mache ich die Leinen in der Supermarina Sant Margerita fest. Ein junger Hafenmeister begleitet mich zu seiner Vorgesetzten ins Marinaoffice. Nach einem netten Gespräch einigen wir uns auf 40,- € ich habe einen Platz mit allem Drum und Dran. Auf der Gassirunde verlockt mich ein Gemüsemarkt einige Euros zu investieren. Meine Vorräte an Obst und Gemüse waren nach einer Woche Segeln fast erschöpft. Danach gibt es lecker Abendbrot und Surfen im Internet.

Position: N 45°35`22.9 E 012°51`1.2 Etmal: 29 sm

  • 9. Tag: Endlich in Venedig

Eines der lautesten Gewitter die ich je erlebt habe ließ Loupi und mir kein Auge zu machen. Immer wieder schlugen die Blitze in unmittelbarer Nähe ein. Sekundenlanges helles Leuchten der Blitze machte mir Angst. Ich schaffte es nicht einmal zum Bug um meine Festmacher zu kontrollieren. Mich schoss Blitz und Donner direkt zurück in die Koje. Beim Nachbar riss sich Sonnenverdeck und Beiboot los und flog durch die Marina. Eine tolle Nacht mit fliegenden Booten.

WiFi
WiFi

Es regnet den ganzen Vormittag, So ein Wetter wie letzte Nacht möchte ich nie draußen an der Kette erleben. 10:30 Trotz Regen die Leinen los. Auf der offenen Adria dann 3 Std. raumer südwestlicher Kurs und schon ist die Anfahrt von Venedig ist in Sicht. 1 Std. mit Maschine den Kanal vor Venedig und ich mache die Leinen in der kleinen Marina Sant Elena auf Sant Elena direkt in Venedig fest. Keine Touristen und keine fetten Charterboote mit lauten Gästen, nur einheimische Boote links und rechts, ich fühle mich wie zu Hause. Es folgt ein ausgiebige Runde mit Loupi in den Gassen von Venedig, daher kommt der Begriff: Gassirunde. ven (39)

Position: N 45°25`46.0 E 012°21`55.5 Etmal: 29 sm

10. Tag: Venedigven (47)

Nach nun ca. 200 Seemeilen gönne ich mir eine Pause in der turbulenten Stadt. Meinen Liebsten zu Hause gedenke ich mit einer Postkarte. Da es am Vormittag ein wenig regnet, finde ich die Zeit das Boot Aufzuklarieren und einige Punkte von der ToDo-Liste abzuarbeiten. W-Lan gibt es nur im Marinagebäude und reicht nicht bis zu meinem Liegeplatz. Loupi testet mit einem Ausrutscher vom Steg die Wassertemperatur. Ich ziehe ihm am Fell wieder aus dem Wasser. Dann lässt der Regen nach und wir machen uns auf in die Stadt. Am Abend gebe ich endlich meinen Wunsch “Pizza in Venedig” nach und suche mir ein Lokal am Canal Grande. Ergebnis: Erholung mit toller Aussicht bei Bier und riesen Pizza, denn Loupi´s und meine Pfoten glühen. Erschöpft fallen wir jeder in seine Koje.            Position: N 45°25`46.0 E 012°21`55.5 Etmal: 0,0 sm

2 Gedanken zu „Logbuch nach Venedig“

  1. Servus,
    kann ich mir in Venedig fast nicht vorstellen:
    „Erholung mit toller Aussicht bei Bier und riesen Pizza“.
    Wo soll das am Canale sein?

    1. Moin, wo Canale ist weiß ich nicht. Aber hast recht, im September gibt´s auch noch viele Touristen. Das Lokal ist neben San Marco und die Pizzen sind wirklich nicht sehr groß. Übrigens heißt es richtig Canal Grande. Gruß Micha

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