Post aus Albanien

…………. ist mein Reisebericht über 1000 Seemeilen von Kroatien über Montenegro bis nach Albanien und zurück. Keine Reisebroschüre nur meine Erlebnisse, Eindrücke und Gedanken während eines Einhand-Segeltörns mit Hund im Sommer 2014.

Bilder zur Tour hier entlang…..

  1. Tag

Es ist der 5.Juni 2014, ich bin gerade vom Bäcker zurück und sitze nun in der Sonne und genieße diese leckeren Käsebrotstangen mit diesem leichten Salzgeschmack. Ach, ich bin richtig süchtig danach, auf dem Weg zum Boot breche ich dann immer schon kleine Stücke ab, eben weil die Dinger so lecker sind. Der Plan für heute? Es gibt mal wieder keinen. Ich müsste doch auch mal wieder Segeln gehen. Bin schon wieder 4 Tage auf meinem Boot in der Marina. Es gibt immer etwas zu tun. Hier muss eine Schot ausgewechselt werden, da ist eine Schraube locker, Saubermachen, ja Saubermachen kann man sowieso den ganzen Tag. Bringt aber nichts. Auf der To-do-Liste, die auf dem Kartentisch liegt, sind erst ganz wenig Häkchen. Ich schaue da lieber gar nicht erst rauf. Diese Menge an Kleinigkeiten kann ich doch auch erledigen wenn ich irgendwo vor Anker liege… Also doch einen Plan, Häkchen machen wenn ich unterwegs bin.

Die Marina Punat auf Krk, der nördlichsten Insel in Kroatien, ist schön, wunderschön. Sehr sauber, sehr nettes Personal und unwahrscheinlich gut geschützt vor Wind und Welle. Man kann auch seinen Urlaub hier verbringen, wie eine Art Laubenpieper, nur ohne Vorgarten und das hier die Nachbarn noch dichter sitzen, das Hausbötchen schaukelt und man das Gefühl hat jeder Zeit doch losfahren zu können. Ehe man sich versieht sind 3 Wochen um. Und dann die Gespräche von früher, ja früher da sind wir……..

Ich muss hier weg.

Mittlerweile ist es um 11 Uhr, ich sitze immer noch bei diesen leckeren salzigen Käsebrotstangen. Die 3. ist schon angeknabbert, immerhin sind sie 35-40cm lang. Ich beschließe heute die Leinen los zu machen. Wohin? Ja wohin nur? Ach, da kommt mir schon eine Idee. Erst noch einmal mit Loupi zum Bäcker, denn morgen möchte ich auch diese leckeren…… ach und übermorgen, na da auch.

12 Uhr schmeiße ich den Motor an. Verstaue noch schnell meine frischen Vorräte. Da ruft ein Laubenpieper von schräg gegenüber: „Na willst los? Nur heute oder länger? Soll ich dir helfen mit den Leinen? Wo willst ‘n hin?“ Ich antworte wenn ich alles richtig verstanden habe, denn ich stehe im Niedergang wo man den Motor am deutlichsten hört: „Ja, ne, ja hab 6 Wochen, ne danke, ich fahre südwärts.“ Denn nordwärts kommen nur noch Rijeka und die Kvarner Bucht und dann ist Schluss, wie eine Sackgasse in der inneren Adria. Ich habe vorher noch nie verraten wo ich hin will, ich könnte es ja nicht schaffen und was soll ich dann erzählen. Das habe ich schon in meiner Jugend mit dem Motorrad so gemacht, erst einmal los. „Nein Mutti, ich fahre nicht weit weg, nur hier so rum“ Ach dann doch Post nach Hause: `Mutti, mir geht´s gut, ist nichts passiert. Kannst du mal Geld schicken, ich bin in Tschechien`

Aber zurück auf dem Boot, klar habe kleine Vorstellungen wohin es gehen soll, jedenfalls ungefähr. Weiß ich doch gar nicht wie der Wind weht und wohin er mich treibt. Es geht los.

Hinaus, aus der geschützten Bucht von Punat, geht es erst einmal mit Kurs 180° in Richtung Süden. Der Wind weht mit 10 Knoten aus Ost, meine Lieblingswindstärke, ich kann die große Genua und das Großsegel in voller Größe fahren. Habe ein wenig Schräglage und bei der Landabdeckung von Krk wenig Welle und auch eine akzeptable Geschwindigkeit zwischen 7 und 8 Knoten. Das ist schon fix, ich bin stolz. Nichts gegen die Geschwindigkeit die ich auf einem Surfbrett gewohnt bin. Da sind dann schon mal 30 Knoten drin.

Unter Deck rutschen jetzt doch ein paar Sachen hin und her, wieder nicht ordentlich verstaut denke ich bei mir. Aber sie rutschen eben nur hin und her und gehen nicht kaputt. Loupi guckt schon wieder komisch den Niedergang hoch. Aufgeschreckt durch den Lärm der rutschenden Teller, Flaschen, Schuhe, Ladegeräte und Äpfel. Er ist es noch nicht gewohnt dass die Welt jetzt wieder schräg ist und es turbulent zugeht. Weiß er doch nicht dass es für mich geil ist mit dem Boot auf der „Backe“ zu liegen, die Sonne und den Wind im Gesicht zu spüren. Ich vermittle ihm übertriebene Freude, beruhige ihn und verteile Leckerlis.

15:00 der Wind lässt etwas nach, nur noch 8 Kn, die Richtung bleibt konstant. So kann ich einen schönen Amwind -Kurs segeln. Es sind noch 5 Seemeilen bis zu der Insel Grgur. Die erste und nördlichste der beiden ehemaligen Gefängnisinseln südlich von Krk und zwischen der Insel Rab und dem Velebitkanal gelegen.

5 Seemeilen in den ich entscheide, die nächsten Tage so weiter zu machen. Immer kleine Tagesetappen. Das Wetter ist schön, ein Hochdruckgebiet über Südeuropa soll für einige Tage bestes Segelwetter versprechen. Der Anleger am kleiner Pier ist frei.  Ich kenne den kleinen Anleger schon sehr genau. War ich doch im Frühjahr schon einige Male hier weil ich neugierig auf diese geheimnisvollen Inseln war. Auf dieser Insel ist gleich am Anleger eine Konoba, ein Restaurant. Der Kroate Miha erfüllt sich hier seinen Traum von Selbstständigkeit und führt hier sein eigenes Lokal. Wir kennen uns schon. Auch heute kommt er wieder gleich zu mir. Nimmt mir die Leinen entgegen und freut sich mich zu sehen. Ein Anlegebier geht auf seine Kosten. Albania (130)Zum Abendessen bestelle ich Ćevapčići mit Pommes. Die sind hier besonders lecker. Der erste Tag ist geschafft. Ich bin heute nur 15 Seemeilen weit gekommen. Bin doch aber in einer anderen Welt gelandet. Weit weg von Lärm, Autos und Touristen.

  1. TagAlbania (167)

Die Insel Grgur heißt übersetzt so viel wie: gruselig. Bis vor 25 Jahren wurde dieses Eiland noch als Gefängnis und Straflager genutzt. Hauptsächlich waren hier Frauen untergebracht, Sie mussten hart arbeiten, im Steinbruch, im Straßenbau. Mussten Gebäude und Unterkünfte errichten usw. Flucht von hier? Unmöglich.

„Servus“ begrüßt mich ein älterer Herr vom Anleger. Offensichtlich ein Besatzungsmitglied vom Nachbarboot, einer Bavaria 44, welches gestern noch spät hier angelegt hat. „Guten Morgen“ erwidere ich und trenne mich von dem Blick der spiegelglatten Adria. Ich sitze schon geschlagene 30 min im Cockpit und döse vor mich hin. Beobachte einige Fischer, schau den Vögeln zu wie sie geschickt eintauchen und sich ihr Frühstück holen. Ganz in der Ferne höre ich ein paar Delfine schnauben. Zu weit weg um sie mit der Kamera einzufangen. „Wann farscht´n weidder“ schon wieder diese Stimme von vorhin, bei der ich österreichischer Herkunft vermute. „Wenn Wind kommt, ich hab ein Segelboot“ antworte ich. „Na, hascht ka Motor?“ das Gespräch ist im vollen Gange. Ich antworte nicht. „Wir müssen heut noch nach Mali Losinj unser Boot abgeben, wir hamm ne scheene Tour gmacht, zwei Woch rund Rab und Krk“ ich schaue auf die glatte See. „wie long seits noch unterwegs?“ ich trenne mich ungern von dem schönen Blick der fernen Inseln, Fischern und Vögeln. „Ich fahre jetzt noch 6 Wochen dann kommt meine Freundin für 4 Wochen“ entweder rechnet mein Gegenüber die Zeit aus oder ist überrascht das ich einen Satz mit mehr als 10 Worten gesprochen habe.

Es ist erst halb acht und schon 20 Grad warm, ich springe ins Wasser. Geschätzte Wassertemperatur auch 20 Grad, sehr angenehm. Danach gibt es erst einmal Frühstück. Den Kühlschrank hatte ich über Nacht abgestellt. Ich habe nicht so viel Kapazität um ständig den Luxus von kalten Getränken zu genießen.  Geplant ist, meinen Energiebedarf über größere Solarpaneele zu decken. Doch in der Hinsicht habe ich keinerlei Erfahrung. Ich kann schon berechnen wieviel Leistung vorhanden sein muss. Aber was liefern Solarzellen wirklich, wie groß ist die reelle Abweichung der Herstellerangaben? Gedanken die mich bewegen. Zurzeit habe ich 2 kleine Paneele mit je 21 Watt Leistung. Es sind solche flexiblen Matten. Nicht groß aber handlich und ich kann sie jederzeit ins `rechte Licht` rücken. So lege ich sie nach jedem Segelmanöver wieder an eine andere Stelle im Boot damit immer die Sonne darauf scheint. Laut Berechnung soll jedes Paneel ca. 1,7 Ampere liefern und meine Batterien laden. Doch in Wirklichkeit schafft eine nur maximal 0,8 A also komme ich zusammen auf 1,6 A. Und das ist eben zu wenig für die Sachen des täglichen Bedarfs wie Windanzeiger, Tiefenlot, Autopilot und eben dem besagtem Kühlschrank. Also weiter Gedanken machen. Loupi wacht auf, ich helfe ihm den Niedergang hoch. Zum Glück schafft er es nicht allein, denn sonst müsste ich immer aufpassen das er nicht mal allein hoch kommt und über Bord geht wenn ich zufällig vorn auf dem Bug stehe und die Gegend beobachte oder an den Segeln herum fummle. Wir gehen ein ausgiebiges Stück. Loupi ist nicht verwundert das jeden Morgen ein anderer Horizont aus seiner Sicht zu sehen ist. Er nimmt alles als gelassen und selbstverständlich hin. Hauptsache Herrchen ist da.

Als ich zurück zum kleinen Hafen komme ist die Mannschaft aus Österreich schon weit draußen und motort durch die spiegelglatte See. Und ich wollte noch „Servus und gutes Gelingen“ wünschen. Zum Frühstück gibt es diese leckeren Käsebrotstangen, darauf habe ich mich schon den ganzen Morgen gefreut. Kaffee und Nutella sind noch weitere Anwesende beim Frühstück: Allein auf Grgur.

12:30 da schafft es doch eine Brise diese wunderschöne glatte Wasseroberfläche leicht aufzurauen. Ich packe alles zusammen, sorge dass nichts umher rutschen kann. Laufe mit Loupi noch eine Runde über die Insel bevor ich ablege. Leicht ablandig weht der Südost-Wind, also ziehe ich noch schnell das Großsegel hoch und löse dann die letzte Landverbindung. Die Genua ist schnell ausgerollt und schon bewege ich mich im Zeitlupentempo von dem Anleger weg. Kein Geräusch kein Plätschern nur ein leichtes Knarren am Mast, Mensch da wollte ich doch schon längst einmal schauen woher das kommt. Brauche ich mir nicht zu merken, steht nämlich auf der gewissen To-do-Liste. Hinter der Landabdeckung wird der Wind ein wenig stärker, aber von Stärke kann man da noch nicht reden. Mein Weg führt mich nördlich an der Insel Rab vorbei. Ziel ist die Stadt Rab. Direkt im Stadthafen und nicht in der Marina finde ich einen Platz. Nicht dass ich hier bleiben möchte, ich suche einen Internetzugang, denn ich muss dringend einige Mails beantworten, meine Zahnarztrechnung bezahlen und praktischer Weise gleich mal den aktuellen Wetterbericht mit Windvorhersage einholen. An Bord habe ich zu diesem Zeitpunkt noch kein mobiles I-Net. So finde ich auch gleich ein Kaffee, frage ob ich etwas essen müsse oder was der Zugang zum I-Net kostet. Nein, ist die Antwort, und Internet ist frei. Wie an vielen, vielen anderen Stellen oder in Häfen und Marinas habe ich bei allen Touren rund um die Adria nie etwas bezahlen müssen. Für mich eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit. Es müssen immer Gebühren erhoben werden, da das Internet ja auch so kostspielig ist. Ich glaube im fernöstlichen Laos ist es ähnlich gebührenpflichtig.

Am späten Nachmittag lege ich wieder ab. Motore aus der Hafenbucht, an der vorgelagerten Insel vorbei und setze bei jetzt nordwestlichen Wind den Parasailor. Keine Welle, keine Böen, einfach nur konstante 10 Knoten Wind lassen mich mit 8 Knoten Geschwindigkeit an der Insel Rab und der unbewohnten Felsformation der Insel Otok Dolin den Barbatski Kanal entlang gleiten. Nach Verlassen des Kanals liegt der Velebit-Kanal vor mir. Der Wind bleibt mir treu und ich fahre mit gleichem Kurs in den Velebit-Kanal. Nur zu ungern erinnere ich mich an eine Nacht im letzten Jahr, meine Freundin und ich waren auf der Suche nach einer romantischen Ankerbucht. Laut Hafenhandbuch und mit guter Laune suchten wir unser Ziel, eine Bucht im Velebit-Kanal, die Bucht heißt Vele-Luka. Das Hafenhandbuch und der gelobter Küstenführer versprachen ausgezeichneten Schutz vor Bora, dem gefürchteten kalten Nordost-Wind. Wer sich mit Selbstmordgedanken rumschlägt und oder nur sein Boot ruinieren möchte der sollte auch diese Bucht aufsuchen. Zu unerfahren und ängstlich war ich als nachts ab 1 Uhr die Windhosen mit 10 Beaufort uns bis morgens um 6 Uhr auf Trab hielten. Die Bucht viel zu klein, gleich hinterm Heck die Felswand und die Böen kamen von allen Seiten. Als dann noch der 2. Anker sich löste war ich in Panik. Wir packten alles zusammen und verließen am Morgen den windigen Schauplatz. Draußen, nach wenigen Seemeilen war der Spuck dann vorbei. Selbst gestandene Bootsnachbarn in der Marina und „Auskenner“ der ganzen Welt waren noch nie in dieser Bucht. Wir können aber einen Haken auf der Liste machen und diese Ecke als erledigt ansehen.Albania (193)

Doch Schluss mit dem Seemannsgarn und zurück. Nach der Mündung in den Velebit-Kanal segelte ich noch 15 Seemeilen in südöstlicher Richtung. Es war schon spät. Und ganz nach meinem Vorsatz nur kurze Etappen zu fahren wählte ich als Ziel zum Übernachten den Hafen von Karlobag. Aus der Ferne gesehen, nicht vielversprechend, aber ich will ja hier nicht meinen Wohnsitz gründen. Karlobag hat 2 Anleger, an jedem passen je Seite jeweils 2 Boote. Das war´s. Wobei mein auserwählte erste Steg einen Wulst aus Steinen im Unterwasserbereich zeigte. Ich entschied mich für den zweiten Anleger. Die Nacht war nicht gerade ruhig. Es plätscherte und schaukelte durch die vorherrschende Windrichtung die ganze Nacht. Aber eine atemberaubende Kulisse bei Sonnenunter- und Sonnenaufgang. Der Trost ist, keiner kümmerte sich um mich, keiner fragte wohin, woher und es gab auch keinen Hafenmeister der das Liegegeld kassiert.

Nur ein einheimischer Dorfbewohner kam zum Anleger, ich frage ob er mir vielleicht beim Anlegen behilflich sein kann. Er nahm mir die Leinen ab und befestigte sie an einem Poller. Auf die Frage hin ob ich aus England komme, erklärte ich ihm dass die Flagge am Heck schwarz rot gold sei und ich aus Deutschland komme. Am Anleger gab es weder Strom noch Wasser, damit habe ich auch nicht gerechnet. Bei einer ausgedehnten Gassirunde durch den Ort entdecke ich einen Eisladen, da war eine Idee geboren: Ich werde in jedem Ort in dem ich anlege ein Schokoeis essen. Und hier und heute fange ich damit an. 1 € für Luxus am Tag gibt die Bordkasse noch her. Durch den Ort führt eine aus den Medien bekannte Strasse. Hier fallen immer wieder, regelmäßig bei starken Winden, Lastkraftwagen die Klippen hinunter, der Grund hierfür sind die starken Fallböen verbunden mit der gefährlichen Nordost-Bora im berüchtigten Velebit-Kanal.

  1. Tag

Am nächsten Morgen stehe ich bereits gegen 5:30 auf. Eine Thermik mit warmen Böen aus dem Berg lässt mich nicht schlafen. Ich wecke Loupi und erkunde noch vor Sonnenaufgang den Ort. Verwirrend ist der Turm der Kathedrale mit seiner Uhr die vier verschiedenen Uhrzeiten anzeigt. Je nach Gemütszustand und vielleicht je nach Himmelsrichtung kann sich jeder die ihm passende Zeit aussuchen.

Um 7 Uhr lege ich schon ab. Doch leider hält die Brise nur für 30 Minuten. Ich muss den Motor starten. Nebenbei mache ich mir ein Frühstück mit Kaffee und, na Käsebrotstangen. Der Vorrat schrumpft erheblich. Spiegelglatte See und kein Boot weit und breit.

Ich tucker südwärts mit 1200 U/min den Velebit-Kanal entlang. Die Geschwindigkeit liegt bei 4,5 Knoten. Auf der Backbordseite zum Festland hin zieht die felsige Küste des Velebit Gebirge, ein Ausläufer des verkarsteten Dinarischen Gebirges im Schneckentempo an mir vorbei. Auf der Steuerbordseite die unbewohnbare schroffe Felsenküste der längsten kroatischen Insel Pag.

Über 3 Stunden bleibt der Kurs unverändert. Ich genieße meinen Kaffee, hole ein paar Daten im Logbuch nach, lese etwas und schaue mir die Gegend an. Nach 3 Stunden ist die spektakuläre Brücke Pag in Sicht. Die Brücke die seit Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrtausends das Festland mit dem Süden der Insel Pag verbindet. Sie ist über 300 Meter lang, aber eine Durchfahrtshöhe kann ich in meinem Küstenführer nicht finden. Auf jeden Fall passe ich hindurch.Albania (313)

Nach der Durchfahrt eröffnet sich ein völlig anderes Küstenbild. Flache kleine Inseln. Zum Teil bewohnt und begrünt. Da immer noch kein Lüftchen weht stoppe ich an der nördlichen Seite der Insel Zečevo. Setzte mit dem Schlauchboot über und erkunde das Inselchen. Zu meinem Erstaunen befindet sich eine intakte und nach meinen Anschein genutzte Kirche direkt am westlichen Ufer. Loupi vergnügt sich in der Zeit mit ein paar Schafen. Als Hütehund hat er gute Ideen aber an der Geschwindigkeit müsste er noch etwas tun. Die Schafe sind auf jeden Fall schneller. Loupi kommt zurück zum Schlauchboot und wir rudern zurück zum Boot. Auch der Wind stellt sich ein, so ziehe ich die Segel hoch und wir können nach einer Stunde Inselerkundung entspannt weiter segeln. Der Wind kommt aus Nordwest und nach einigen schönen Kreuzschlägen im Inselgewirr fahre ich an der Insel Vir vorbei, es ist bereits 15:30 Uhr, eigentlich Zeit sich einen Ankerplatz zu suchen. Aber ich nehme die Segel runter und setzte den Parasailor. So geht es 4 Stunden bei 10 kn Wind in Richtung Südost bis zu der kleinen Ankerbucht Kukljica. Der Anker fällt zwischen einigen anderen Seglern und ich staune über mein heutiges Etmal von 55 Seemeilen. Davon allerdings 15 mit Motor. Zur Loupis Freude machen wir noch einen schönen Spaziergang.Albania (349)

  1. und 5. Tag

Nun, ich liebe ja solche ruhigen Ankerplätze. Muss mir keine Sorgen machen dass der Anker nicht hält und Wind und Welle mich sonst wohin treiben lassen. Ein Gefühl welches ich wohl niemals loswerde. Ich schlafe an solchen Plätze einfach besser. So auch diese Nacht. Um 7 Uhr bin ich schon hoch als ein Fischer an mir vorbei fährt und lauthals versucht einige Schlager im Radio aus den 80er Jahren, zu übertönen. Es ist kein Wind, ich schnappe mir Loupi und paddele an Land und wir erkunden die Gegend. Denn Loupi hatte am Tag zuvor noch einige gute Stellen entdeckt.

Um 8 Uhr lichte ich den Anker und beschließe bei der Windstille mein Frühstück während der Fahrt einzunehmen. Beim Verlassen der Bucht ist das Kaffeewasser am Kochen und in der Pfanne brutzelt mein Spezial-Frühstücksei mit ordentlich Zwiebeln, Knoblauch, Speck und Peperoni. Doch es kommt mal wieder anders. Als ob jemand mir mein Ei nicht gönnt wird der Wind angeknipst. Von 0 auf 20 Knoten, das sind 6 Windstärken. Ich gehe gleich ins 2. Reff lasse von der Genua nur die Hälfte raus und denke mir: Frühstück bei Schräglage hat auch was. Doch der Wind schwächelt. Ich entscheide mich für das 1. Reff. Danach ausgerefft. Dann 1. Reff, und wieder das 2. Das klingt nach einem schönen Segeltag, nein es sind keine 15 min vergangen. Bis ich zu meinen wohlverdienten Frühstück komme ist Kaffee verschüttet und das Ei kalt. Der Wind pegelt sich bei 8 Kn ein

Ich rausche an der Insel Pašman vorbei, der Parasailor kommt für ganze 4 Stunden zum Einsatz. Ein tolles Segel. Ich habe noch keine Seemeile den Kauf bereut. Die Anschaffung ist einige Überlegung wert da das Segel nicht für 100 € im Discounter liegt. Der Unterschied zum Spinnaker ist der eingebaute Flügel. Er bläst sich auf wie ein Kiteschirm, hält das gesamte Segel länger gefüllt und sorgt so für entspanntes Fahren

Große Städte wie Zadar, Sukošan oder Biograd na Moru interessieren mich nicht. Ich habe noch nie großes Interesse daran gefunden Städte zu besichtigen oder sich vielleicht berühmte Sehenswürdigkeiten auszusuchen um sie auf einer virtuellen Liste abzuhaken. Das ist nicht mein Ziel. Ich suche Orte auf die mir skurril erscheinen, die romantisch sind oder abenteuerlich, die einen rätselhaften Eindruck auf mich machen. Mit großer Vorliebe klettere ich in Ruinen umher. So auch auf der mittelalterlichen Mauer auf einer Halbinsel in der Nähe von Primosten. Mein heutiges Tagesziel.Albania (415)

  1. Tag

Um 5 Uhr bin ich schon wach. Ich habe draußen im Cockpit geschlafen. Es war eine sehr ruhige Nacht. Und beim Dösen kommt mir doch der Gedanke an Land zu paddeln und den Sonnenaufgang von einem Berg aus zu beobachten. Bis 5:30 Uhr wächst die Idee zu einem festen Plan. Immer wieder faszinierend wie schnell Loupi zu begeistern ist. Wir paddeln an Land und werden zum Bergwanderer. Die Sonne ist schneller oben als wir. Auf einer kleinen Anhöhe verweilen wir, ich genieße den Blick in die Ferne, nach Süd-Dalmatien. Ich finde, Dalmatien ist die wohl schönste Ecke der ganzen Inselwelt von Kroatien. Viele kleine Inseln, alle sind grün bewaldet. Das Wasser hat diese typische Türkis schillernde Färbung. Ja und dann diese kleine Insel Krapanj. Also wenn ich hier irgendwo mich entscheiden müsste zu wohnen dann auf Krapanj. Eine flache Insel unweit des Festlandes, mit einer kleinen Ortschaft gleichen Namens. Die Häuserreihe am Ufer von Krapanj ist in unmittelbarer Nähe des Wassers. Jedes Haus hat seinen eigenen geschützten Anleger. Eine kleine Verkaufsstelle für Lebensmittel, ein Eisladen, eine Kneipe, sonst nichts.0,3 Quadratkilometer groß aber es leben ca. 230 Einwohner dort. Ein schöner Ort. Ich sitze noch eine Weile und träume als ich unmittelbar neben mir einen Sprung Rehe entdecke.

Gegen 8 Uhr lichte ich den Anker und nehme Kurs Süd. An Primosten vorbei, anscheinend ein sehr großer Charter-Stützpunkt für Segelboote, denn es wimmelt nur so von Seglern. Ich finde ein, zwei die in meine Richtung fahren. Trimme meine Segel und bemühe mich als Erster die Insel Drvenik Mali zu erreichen. Es gelingt mir. Ich bin nicht darauf aus immer ein Rennen zu gewinnen, aber es macht Spaß wenn die Segel gut stehen, nicht killen oder gar flattern. Und wenn alles stimmt dann ist man auch zügig unterwegs. Ich segle schon seit meiner Kindheit und muss manchmal über mich selber schmunzeln: „Mensch Michael, streng dich doch mal an. Die Segel sehen aus wie Bettlaken bei Oma in der Wäschekammer“Vele Drvenik

Es geht mit leichtem Wind, ohne Welle und mit Parasailor an Drvenik Mali vorbei bis nach Drvenik Veli. Im Osten der etwas größeren Drvenik Inseln sehe ich ein paar Segelboote in einer fantastisch leuchtenden Lagune Ankern. Die Zeit ist ran für eine Gassirunde mit Loupi. Nehme das Segel runter und lass mich bis in die Türkisfarbene Lagune treiben. Schmeiße den Heckanker über Bord mache das Dinghy klar und fahre mit Loupi an Land. Die Sonne brennt, wir durchsuchen über eine Stunde das Strandgut und entdecken 3 brauchbare Tennisbälle. Zur Loupis Freude, denn Tennisbälle stehen ganz oben auf seiner Spaß-und Spielliste. Beim Zurückpaddeln mit dem Beiboot merke ich das der Weg länger geworden ist und sich das Segelboot einige Meter von seinem Platz bewegt hat. Der zu kurz gebundene Anker hielt nicht. Also war ich keine Sekunde zu früh wieder an Bord.Albania (450)

Es geht weiter. 12 Uhr und der Wind nimmt zu. Wie mir auffällt kommt jeden Tag zur gleichen Zeit der Wind, oder wird stärker. Wenn das so bleibt kann ich morgens länger liegen bleiben. Ausgedehntes Frühstück genießen und Loupi morgens länger schnuppern lassen. Die letzten Tage war auch bis spät Abends immer mit konstanten Wind zu rechnen. Ich werde es beobachten und einfach meinen Fahrtrhythmus umstellen. Ich fahre weiter im 1. Reff, es geht durch eine kleine wunderbare Inselwelt nördlich von Maslinica auf der Insel Solta. Ein Fischerboot holt gerade seine Netze ein. Die wissen wie man Fische fängt. Ich versuche ja hin und wieder mit einer Schleppangel auf der Adria den großen Traum von einem Tunfisch nachzugehen. Aber bislang ohne jeglichen Erfolg, Dabei bin ich doch vorbelastet und vom Erfolg verwöhnt wenn es darum geht zu Hause in Stralsund ein paar Fische zu fangen. Nur klappt es hier nicht. Ja, diese kleinen, die immer um das Boot herum schwirren. Menula, heißen die hier. Da passen 3-4 Stück in die Pfanne und schmecken auch. Aber das macht eine Menge Arbeit diese kleinen Fische zu zubereiten. Ich denke dabei immer: Mensch Michael, musst du jetzt schon Aquariumfische essen……

Der Wind kommt aus Nordwest, es ist wolkenlos, warm und mein Kurs geht nach Südost. Also kommt mal wieder mein Parasailor zum Einsatz. Für 3 Stunden bei 3-4 Windstärken ein Vergnügen der Extraklasse. Bald schon ist die Insel Hvar (das spricht man: ´Quar´) deutlich zu sehen. Ich steuere die Enge zwischen Hvar und der vorgelagerten Inselgruppe Sv. Klement an. Ein reger Boots-Verkehr ist von weitem schon zu sehen. Etliche Marinas, Charterstützpunkte und größere Häfen platzieren sich auf engstem Raum. Plötzlich muss ich seit Tagen zum ersten Mal auf Vorfahrt achten und ausweichen. Bei so einer unerfahrenen Chartercrew mit einer 45er Segelyacht möchte ich auch nicht auf mein Wegerecht pochen. Ich nehme Kurs auf den östlichen Teil der Sv. Klement Inselgruppe.Sv Klement

Mein Anker fällt in einer Bucht die mir abseits des Trubels ruhig erscheint. Ich zitiere überraschend das Küstenhandbuch:

„Ankerplatz auf 5-12 m Wt., überwiegend Seegras, schlecht haltend. Häufig kräftige Strömung. Im Sommer bis in die Abendstunden intensiver Bootsverkehr. Für die Gäste der zwei Restaurants einige Bojen. Strandclub mit Disco bis in den Morgen, deshalb laut.“

Au ja, genau da will ich sein.

  1. Tag

Anders als im Küstenhandbuch „versprochen“, war die Nacht sehr ruhig. Die Partymenschen verließen schon um 20 Uhr die Location. Ich schlafe schon seit Tagen immer draußen im Cockpit. Ein schönes Gefühl, die warme Sommerluft, das Plätschern und die Mücken. Toll. Am nächsten Morgen wache ich schon um halb fünf auf. Komischer Weise habe ich ausgeschlafen. Ich bin neugierig auf den weiteren Weg. Kenne ich doch die Gegend nur von Bildern und Lesen im Küstenhandbuch. Ich kenne auch niemand der mir im Detail etwas über die schöne Inselwelt erzählen kann. Ja, „Kroatien ist schön“ ja aber wo genau? Kroatien ist lang und hat über 100 Inseln. Wo ist es am Schönsten? Dieses Gefühl begleitet mich. Es bleib der Gedanke etwas zu verpassen. Aber was? Ich lege meinen Kurs einfach nach dem Wind. Es ist überall schön. Ich bin zufrieden und glücklich, lasse mich vom Wind treiben. Wenn es passt fahre ich dort hin.

Ich grüble noch ein paar Minuten. Es ist 5 Uhr, ich stehe auf. Wenn Loupi ein Zeitgefühl hätte, würde er jetzt sagen: „Mensch Herrchen, bin doch gerade erst eingeschlafen. Ich muss doch noch gar nicht. Wo willst du mit mir hin? Und immer dieses wacklige kleine Gummiboot.“ Wir setzten über, streifen eine Runde durch das Strandlokal und setzten danach die Segel. Ein fantastischer Morgen. 3 Windstärken, die Sonne geht gerade auf. Über meinem Gesicht zieht sich ein breites Lächeln. Es war eine tolle Idee so früh aufzustehen

Ich mache einen Zwischenstopp vor der Insel Korčula, genauer zwischen Mali und Veli Prznjak. Eine verlockende Lagune mit diesem leuchtenden Türkis. Ich hole zum ersten Mal meine Taucherflossen aus dem Stauraum unter der Bugkabine und gehe baden.

Weiter geht´s. Denn es ist unerträglich schwül. 29° Grad zeigt mein Thermometer. Kein Platz zum Bleiben, es ist erst 16:30 Uhr ich setzte die Segel und schleiche mich davon. Die Entscheidung fällt auf den Ort Prizba auf Korčula. Keine 6 Seemeilen entfernt. Es ist 17:30 Uhr und die Temperatur ist ein paar Grad gefallen. Ich lasse den Anker genau vor dem Stadthafen runter. Wenn man von einer Stadt überhaupt reden kann. Nur ein Ort, eine Kneipe, ein Kiosk und 12 Häuser. Aber Dorfhafen, das habe ich noch nie gehört. Ich setzte über und erkunde mit Loupi die Gegend. Ach, wunderbar, ein Eisladen gleich am Strand. Ich teste das Schokoeis. Auf dem Weg zum Boot mache ich ein schönes Lokal direkt am Anleger aus. Ich frage ob es frischen Fisch zum Abend gibt. Die Antwort ist, ja. Ich bekomme schon mal ein Bier. Das hat mich überzeugt, Der Wirt meint ich könne eine seiner Muringtonnen nutzen, es kostet nichts. Ich bin zu müde um noch einmal mein Boot um 10 Meter zu versetzten. Der Wind hat nachgelassen, ich genieße noch ein weiteres Schokoeis, fahre zum Boot und hole ein paar Notizen im Logbuch nach. Dann paddle ich zurück zum Lokal, der Wirt ist hoch erfreut. Ich bin der einzige Gast. Loupi bekommt eine Schale Wasser und ich die Speisekarte. Auf Empfehlung vom Chef lasse ich mir frischen Snapper zubereiten. Den Fisch kenne ich auch nur von Bildern. Bis der Fisch fertig zubereitet ist, nutze ich den hauseigenen Internetzugang, checke Mails und melde mich bei meiner Liebsten. Der Fisch wird serviert, ein Gedicht, dazu gibt es Bratkartoffeln so wie ich sie mag und Salat. Der Wirt kommt, fragt nach meinem Wohlsein und spendiert Slivovitz. Der Schnaps wird in dieser Region von Kroatien nicht wie anderswo aus Pflaumen gebrannt, sondern aus Feigen. Lecker. Ein toller Abend mit Blick auf mein Boot, mit Sonnenuntergang und Slivovitz, zu später Stunde paddle ich lustig zum Boot zurück und falle im Cockpit in einen geruhsamen Schlaf.

  1. Tag

Securite, Securite, Securite….. dröhnt es aus dem UKW-Funkgerät, eine Sicherheitsmeldung reißt mich aus dem Bett. Ich hatte das Funkgerät über Nacht vergessen auszuschalten. Irgendwo auf der Adria treibt ein Schiff manövrierunfähig umher. Zu weit weg das ich mich melden muss. Die Nacht war sehr ruhig. Ich liege noch eine Weile im Cockpit und gucke mir die Gegend an. Hier hat der Wirt diesen leckeren Snapper vom gestrigen Abend gefangen. Ich denke so bei mir: „Mensch Michael, du wirst doch auch so ein Fischlein an den Haken bekommen“ Nach dem Frühstück mit den leider letzten Käsebrotstangen, die schon etwas pappig wirken, paddle ich noch einmal zum Ufer. Am anderen Ende der Bucht entdecke ich den ersten Sandstrand. Bis jetzt fand ich nur immer Kiesel und Steine am Ufer. Loupi freut sich, wir toben eine Weile. Ich mache noch einen P1190655Besuch beim Eisladen, der schon geöffnet hat und dann geht es zum Boot und wir fahren los. Es ist bereits 11 Uhr, das Thermometer zeigt schon 27° Grad. Ich kann sofort den Parasailor setzten. Der Wind weht konstant aus Nordwest zwischen 8 und 10 Knoten. Mein Kurs: Ostsüdost zur 25 Seemeilen entfernte Insel Mljet. Die südlichste und letzte große Insel Kroatien.

Bei diesem schönen Wetter gibt es viel Zeit zum Grübeln. Den Gedanken freien Lauf lassen. Ich koche mir unterwegs einen Tee, esse ein paar Kekse und stelle fest das ich bis hier hin nur sehr wenig Zeit gebraucht habe ohne mich jeden Tag anzustrengen oder mit dem Boot gegen an zu knüppeln. Ich schaue in die Seekarten, krame einen Übersegler hervor und messe die Strecken die zeitlich möglich sind. Und staune, nach Albanien ist es nun auch nicht mehr weit. Aus einer verrückten Idee wird ein Plan:

Ich schicke meinen Liebsten zu Hause: Post aus Albanien

Meine Mission ist geboren. Endlich nicht mehr ziellos umher irren. Ich habe eine Mission.

Gegen 15 Uhr steuere ich schon die Bucht Lokva im Nationalpark im Norden der Insel Mljet an. Eine große geschützte Bucht. Ich bin nicht der Einzige, mit mir ankern noch 10 weitere Segelboote aus verschiedenen Ländern. Ich suche einen Platz in der Nähe des Ufers. Die Fahrt zur Gassirunde wird leider etwas aufwendiger als erwartet, es gibt kaum eine Landungsmöglichkeit für uns. Ich montiere zu ersten Mal den Außenbordmotor an das Dinghy. Und los geht es zur Erkundungstour. Eine Touristenhochburg mit jeder Menge Souvenirläden, Restaurants und Eisläden. Ich teste das Schokoeis.

  1. Tag

Am Morgen bin ich schon früh hoch, ich habe ja eine Mission. Nehme mir die Seekarten und das Küstenhandbucht zur Hand und frühstücke dabei. Auf einer Gassirunde, wieder mit Außenborder, entdecken wir eine Herde Ziegen, Ziegen und Loupi stehen sich gegenüber, alle sind überrascht, sowie einen Müllplatz mit allerlei Unrat, auf dem unter anderen eine Handvoll Fender herum liegen. Ich suche mir einen gut aussehenden Kugelfender aus und fahre als stolzer Besitzer einen Kugelfender zurück zu Boot. Auf einem benachbarten Segelboot versucht die Besatzung seit 30 Minuten ihren Außenbordmotor zu starten. Er sei wohl am Tag zuvor mit dem Schlauchboot gekentert. Ich spendiere eine Dose Bremsenreinigerspray, der hilft manchmal Wunder und verdrängt die Feuchtigkeit.

Ein schöner Segeltag, wechselnde Winde begleiten mich auf dem Weg in den Süden. Ich lasse Dubrovnik links liegen und nehme Kurs auf Cavtat. Die südlichste Stadt um aus Kroatien auszuklarieren. In der geschützten Bucht von Cavtat steuere ich direkt auf die Pier mit dem Eurozeichen zu. Ein Uniformierter nimmt mir die Leinen ab und ist mir behilflich beim Anlegen. Gibt mir noch ein Tipp wo ich die Polizei und den Hafenmeister finde. Dafür hält er die Hand auf und kassiert 40 Kuna, das sind knappe 6,- Euro. Ich denke: Ein toller Job. Ich laufe zum Hafenmeister der hier eine hübsche Meisterin ist, lasse Crewliste, auf der nur mein Name steht, in dreifache Ausführung kopieren. Zeige Bootspapiere, Bootsversicherung und Jahresvignette für Kroatien. Dann geht es die Promenade entlang zum Zoll-Büro im Polizeigebäude, zeige Kopien der Crewliste und meinen Pass, Bootspapiere, Funklizenz, Bootversicherung und Jahresvignette für Kroatien. Nach 60 min bin ich stolz und habe einen Stempel im Pass mit dem ich aus Kroatien ausreisen darf. Nach der Prozedur muss ich den Platz mit dem Eurozeichen wieder verlassen, also scheint mir der Platz nur für die Ein- und Ausreise vorgesehen zu sein. Ich fahre nur 10 Meter weiter, wieder kommt jemand, nimmt mir die Festmacher ab und hält die Hand auf ganze 200,- Kuna (28,- €)

„Do you need electricity?” Strom? Ja wäre toll, “which costs 250, – Kuna” Wie bitte? Danke, ich brauche keinen Strom. Ein toller Liegeplatz, allerdings ohne Strom. Ich fühle mich wie auf dem Rummel oder auf einem Bazar. Liege mit dem Heck direkt unter Palmen an der Hafenpromenade. Auf der Suche nach einem Supermarkt entdecke ich wieder einen Eisladen. Ich teste das Schokoeis. Am Abend startet dann die Party, es läuft in allen Lokalen das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Kroatien gegen Brasilien. Ich sitze im Cockpit bei Eis und Bier und freue mich mit den Kroaten beim ersten Tor. Leider nach 90 Minuten mit einem Sieg für Brasilien.

  1. Tag

Es ist ein schönes Gefühl, genau an der Promenade zu übernachten. Man lernt eine Menge Leute kennen, hört jedes Wort, versteht aber nichts und bekommt kein Auge zu. Und beim Frühstück schauen eine Menge Leute auf dem Teller. Freue mich schon wieder auf einsame Ankerbuchten. Also nichts wie los. Die Gassirunde führt mich zum Supermarkt und zum Gemüsemarkt. Ich decke mich mit einer großen Menge Obst und Gemüse für die nächsten Tage ein. Der Weg zurück führt unweigerlich am Eisladen vorbei. Ich probiere noch einmal das Schokoeis.

Der Wind lässt heute auf sich warten. Ich fahre ein gutes Stück von der Küste weg. Versuche in Richtung Süden zukommen. Weit draußen auf der offenen Adria beobachte ich eine Ketsch, einen Zweimastsegler, der mir mit allerlei seltsamen Manövern auffällt. Es ist Wind zum Segeln, doch bei ihm läuft die Maschine und er hat die Segel oben aber sie flattern im Wind. Dann dreht er einen Kreis. Ich grüße eindeutig mit einer Hand, mein Gruß wird nicht erwidert. Kann leider auch keinen Bootsnamen und keine Nationalflagge erkennen. Ich wundere mich, denke nicht weiter darüber nach. Mir fällt auf das der Bootsführer unbekleidet im Cockpit sitzt.

Nach 2 langen Schlägen weit hinaus auf die Adria steuere ich die Bucht von Kotor an. Zelenika ist mein Ziel. Ein Pflicht-Anlaufpunkt wenn man von Kroatien kommt. Ich muss einklarieren. Am Pier mit dem Polizeigebäude mache ich fest, zeige alle Papiere die ich bis dato schon in Cavtat zum Ausklarieren vorgelegt habe, doch möchte der Herr im klimatisieren Container nur Impfausweis für meinen Hund sehen. Auch den habe ich dabei. Loupi bekommt keinen Stempel. Danach geht es zum Hafenmeister. Eine willkommene Gassirunde, mein Boot ist sicher im Polizeibereich. Der Hafenmeister ist sehr freundlich, spricht leider wenig Englisch und ich kein Russisch. Doch das ich eine Vignette für Montenegro brauche wird verständlich. Ich bezahle und gehe. Mit An- und Ablegen für den Papierkram sind 3 Stunden vergangen, die beste Segelzeit des Tages.

Mamula ist eine kleine, kreisförmige montenegrinische Insel, mit gerade einmal 200 Metern Durchmesser. Das darauf erbaute Fort wurde während der österreich-ungarischen Herrschaft im mittleren 19. Jahrhundert errichtet. Mamula liegt strategisch vor der Bucht von Kotor, einer Fjordlandschaft ähnlich Norwegens. Erst beim 2. Versuch hält mein Anker auf schwierigen Felsgrund bei 15 Meter Wassertiefe. Ich setzte mit Loupi über und erkunde das frei zugängliche Fort Mamula.

Von Mamula aus ging es abends noch bis Bigova. Einen kleinen Fischerort in einer schönen Bucht die Schutz vor der offenen Adria bietet. Einige Segler auf Langfahrt und Einheimische liegen an kostenlosen Bojen.

  1. Tag

9:30 Uhr nach einer Gassirunde und Frühstück mit Müsli, ziehe ich die Segel auf und verlasse meinen Muringplatz. Kurs Süd, zu der großen Marina Bar. Ein sehr konstanter Wind bei leichten Gegenstrom lässt mir Zeit zum Lesen, Logbuch schreiben und etwas Aufräumen im Boot. 16:30 Uhr halte ich an der Tankstelle in der Marina Bar. Es passen nur 26 Liter Diesel zu 1,08 € in den Tank, das freut mich und ich kann in der heimischen Währung bezahlen. Zum Liegeplatz sind es nur 100 Meter. Ich geselle mich zwischen einem Amerikaner und einen Finnen ein. Preis für den Luxus einer Marina 60,- €. Aber meine Batterien werden es mir danken denn sie müssen geladen werden. Auch freies Internet ist verfügbar. Ich mache eine Erkundungstour in die Stadt, gleich neben der Marina.

Am gleichen Steg lerne ich ein junges, norwegisches Seglerpärchen kennen. Sie haben sich für 2 Jahre eine Auszeit genommen und sind mit ihren abenteuerlichen Holzboot quer durch Europa um Mittelmeer und Adria kennen zu lernen. Albania (679)Von Bar aus wollen sie nur noch über Kroatien nach Slowenien um das Boot per LKW nach Lübeck zu transportieren, sie meinten die Zeit ist knapp geworden und das Boot älter. Ich gebe ihnen Tipps über gute, ruhige Ankerbuchten und kostenfreie Muringplätze.

  1. Tag

Um 8 Uhr sehe ich die Marina der letzten Nacht nur noch am Horizont. Ich bin früh los, denn ab Mittag soll sich viel Wind einstellen. Ich fahre jetzt schon im 3. Reff einer ziemlich hohen Kreuzsee gegen an. Das ist der erste Tag an dem ich mir sage: „Mensch Michael, du bist nicht auf der Flucht.“ Aber noch einen Tag warten und die Marina mit ihren 5 Sterne-Preisen bezahlen? Ich knüpple so hoch es geht am Wind. Komme kaum voran. Gegen Mittag zieht ein Gewitter über mich hinweg. Blitz und Donner in unmittelbarer Nähe. Ich zähle zwischen Blitz und Donner immer die Sekunden, für mich eine Faustregel wie weit weg sich das Gewitter noch befindet. Oder ob es kommt oder geht. Ich schaffe es nicht bis 2 zu zählen, wir sind mitten drin. Es knallt in ohrenbetäubender Lautstärke, ich drehe ab und suche eine Bucht unter Land. Werde auch schnell fündig. Bis 15 Uhr gibt es Mittag mit Nudeln und Kaffee. Eine gute Entscheidung, denn das Unwetter zieht ab und ich kann mit vollen Segeln und der Nachmittagssonne weiter in den Süden fahren.

Um 18:45 Uhr passiere ich die imaginäre Grenze nach Albanien, ein Albania (718)kleiner Freudenschrei rutsch mir heraus. Bis hier hin habe ich es geschafft. Der Wind lässt etwas nach, ich habe die Abendsonne im Rücken. Das Wasser ist glatt und es sind noch 10 Seemeilen bis Shengjin. Das klingt chinesisch. Anders als gewohnt ist es schon 21 Uhr dunkel, ich bin so weit östlich das die Sonne sich früher verabschiedet. Ganz vorsichtig taste ich mich an die Hafeneinfahrt von Shengjin. Eine Mole die nicht in der Seekarte eingezeichnet ist und eine Sandbank mit 1,40m in der Karte nicht im Bereich der Einfahrt zu finden ist. Eine rote Laterne als Ansteuerungstonne, Albania (711)dahinter die hell beleuchtete Stadt. Shengjin wir werden keine Freunde. Ich brauche 2,10 Meter als Wassertiefe, ganz langsam rutsche ich in den Schlick. Fahre wieder zurück und mache mir auf der elektronischen Seekarte alle Augenblicke eine Markierung. Wie Hänsel und Gretel mit ihrer Brotkrümel-Navigation. „Michael, jetzt kommst du vom Thema ab.“ Ich schaffe es ins Hafenbecken um das Wrack herum um an einem großen Frachter fest zu machen. 5 Polizisten schauen schon auf mich herab. „Nix gut hier, kommen mit, Dokument, Polizia“ ach du Schreck, jetzt bin ich dran. 5 Uniformierte und ein Zivilist zotteln mich in verschiedene Richtungen. Ich folge den (hoffentlich) Gesetzeshütern. Der Zivilist stellt sich als Agent heraus. Ich kläre alle Formalitäten mit dem Zoll und der Polizei. Nach einer Stunde steht fest, ich kann bleiben. Trage ab sofort den Titel: „Kapitan“ und bin stolz mit einem Stempel im Pass zurück am Boot. Jetzt noch mit Loupi die Bordwand des Frachters entern und eine kleine Runde auf dem Gelände drehen. Ich falle erschöpft in meine Koje. Ich bin in Albanien.Albania (743)

  1. Tag

Gleich am Morgen machen wir uns auf zur Gassirunde und Stadtbesichtigung. Wieder muss ich mit Loupi die hohe Bordwand des Frachters erklimmen. Es gibt nicht einen einzigen freien Liegeplatz für mich. Da kommt auch wieder dieser Typ in Zivil vom gestrigen Abend, der Agent. Er spricht englisch und verlang 50,- € für alle Formalitäten die er für mich erledigt hat. Sonst wird mein Boot konfisziert. Ich denke so bei mir: Da ist hoffentlich mein Rabatt als `Kapitan` schon mit eingerechnet. Bezahl mal schnell, denn ich bin eine Weile in der Stadt unterwegs. Ab dem 24. Juni 2014 wird Albanien offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union. Heute ist der 16. Juni. Da gibt es noch eine Menge zu tun. Auf dem Hafengelände stehen jede Menge alte und defekte Fahrzeuge herum. Es scheint wie ein riesiger Schrotplatz. Viele der Fahrzeuge kenne ich, es sind LKW W50 und Bagger T174 aus der ehemaligen DDR. Alles steht hier herum und verrottet.

Die Stadt Shëngjin, 3700 Einwohner, ist nicht groß, eine Hauptstraße, ein paar Nebenstraßen, eine Tankstelle, einen Friseur und 500 kleine Geschäfte in denen jeder Albaner seinen Traum der Selbständigkeit nachgehen kann. Ich finde einen Supermarkt, meine Frage bevor ich einkaufe, ob ich in Euro bezahlen könne. Nein, oder ich wurde nicht verstanden. Sprachkenntnisse wie Englisch oder Deutsch gleich Fehlanzeige. Französisch oder Italienisch geht aber da muss ich leider passen. Ich komme an einem Bäcker vorbei, suche vergebens nach meinen Käsebrotstangen. Shëngjin hätte jetzt punkten können. Ich wähle ein halbes Brot und ein paar lecker aussehende Gebäckvariationen, dann winke ich mit einem 5 Euroschein. Kein Problem, ich bekomme einen Menge Geldstücke und ein paar zerknitterte Scheine. Lek oder Leke nennt sich hier die Währung, na dann. Mit dem nun getauschten Geld versuche ich mein Glück wieder in einem Lebensmittelladen. Es geht in den Keller, ich soll Loupi mitnehmen wird mir erlaubt. Oje, so überlebt keiner von uns falls etwas passiert. Im Keller ist kein Licht, wie soll ich hier einkaufen? „Mensch Michael, mach das du hier raus kommst“ Keine 100 Meter weiter ein größeres Lebensmittelgeschäft, mit Licht. Meine Suche nach frischer Milch bleibt ohne Erfolg. Das Geschäft besitzt keine Kühlmöglichkeit. Komisch, kostet vielleicht zu viel. Vielleicht ist des Rätsels Lösung die marode Energieversorgung. Albania (733)Noch ein paar weitere Geschäfte aber alle ohne frische Milch. Was mir auffällt ist der eigenartige Baustil. Keine flachen Gebäude, nur immer 5 bis 6 geschossige Würfelblocks. Vieles steht leer, vielleicht kann jeder Einwohner solch einen Block allein beziehen. Gegen Mittag trete ich den Rückweg an. Mache das Boot klar und löse die Leinen vom Frachter neben mir. Auf dem Weg zur Hafenausfahrt schneide ich den deutlich sichtbaren Öl- oder Dieselteppich auf dem Wasser in zwei Teile. Mein Boot ist auf beiden Seiten mit einem schwarzen Wasserpass versehen. Na toll.

Ich weiß nicht wie oft ich heute die Segel hoch und runter gezogen habe oder wie oft ich gerefft habe. Zwischen 0 und 8 Windstärken und Böen mit 10 ist alles dabei. Zudem noch aus allen Richtungen. Die Sturmböen drücken das Boot immer wieder quer. Beim Kap Rodoni kommt noch eine ordentliche Kreuzsee hinzu. Als wenn die Nudeln mal wieder überkochen. Was eine blöde Fahrt. Was kann ich tun? Aufgeben und umdrehen, Abwettern oder sonst irgendetwas. Links und rechts schlagen die Blitze in die Adria ein, Schauerböen bringen viel Regen mit sich. Ein mulmiges Gefühl. Das Kappelwasser ist jetzt 2 bis 3 Meter hoch. Ich bin ratlos, so macht es keinen Spaß. Insgesamt sind es 44 Seemeilen bis zur nächsten Hafen, die Hälfte habe ich geschafft. Es wird ein langer Tag es sind 2 Knoten Gegenstrom und Vertrauen in die Seekarten dieser Region habe ich seit der gestrigen Anfahrt von Shëngjin auch nicht mehr. Am späten Abend laufe ich in den großen Hafen von Durres ein. Ein Frachthafen, keine Marina. 3 Segelyachten, 3 Motorboote und eine freie Stelle für mich hinter einem großen Frachter. Das kenne ich ja schon.Albania (768)

Ich muss mit dem Heck zur Pier anlegen. 8 Meter Wassertiefe. Ich lasse den Anker 30-35 Meter vor der Pier runter und fahre rückwärts. Einmal ist keinmal, der Anker hält nicht. 2. Versuch, ich lasse den Anker ca. 50 Meter vor dem rettenden Ufer wieder runter und es klappt. Das Kappelwasser im Hafenbecken geht einen Meter hoch und runter. Auf dem benachbarten Segelboot, eine deutsche 45er Bavaria, sitzen 2 Leute und bewegen ihren Arsch nicht um mir die Leinen anzunehmen. Die Pier ist 3 Meter hoch. Es kostet schon meine ganze Kraft eine Leine am Pier fest zu bekommen. Die dicke Trosse vom Frachter geht quer über mein Cockpit, sie bricht meinen Flaggenstock durch und reißt den Außenbordmotor von seiner Halterung an der Reling. Ich bin bedient. Als ich das Boot aufgeklart habe steht ein Agent an der Pier .Dokument, Passport!“ Na das kommt mir bekannt vor. Hurra ich bin in Durres der größten Hafenstadt Albaniens.

  1. Und 15. Tag

Am nächsten Tag lacht wieder die Sonne. Die Fahrt von gestern ist längst vergessen. Ich trockne meine Sachen räume auf und genieße mit Loupi den Tag. Ein Hafenarbeiter gesellt sich zu mir und freut sich seine Deutschkenntnisse anwenden zu können. Ich spendiere ihm ein Bier und erzähle das Loupi „The holy dog from Scotland“ ist. Eine Stunde später stehen eine Handvoll Hafenarbeiter an der Pier und wollen Loupi streicheln.

Mit meinen getauschten Fünf-Euroschein ziehe ich in die nahe Stadt und stürze mich in den Trubel. Ich kaufe 5 Postkarten nebst Briefmarken, teste das Schokoeis, schaue ein Spiel der Fußball-WM und gönne mir 2 Bier. Habe immer noch ein paar Taler von diesem Leke der nicht alle werden will. Auf der anderen Seite verlangt der sogenannte Agent 70,- € für die Nacht, er rechnet gestern und heute also 2 Tage. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Diskussion ist ausgeschlossen. Kein Strom, kein Wasser und dann dieser Schwell. Er sagt: „Im nächsten Jahr gibt es hier eine richtige Marina für Sportboote“ Na dann komme ich im nächsten Jahr wieder und bezahle. Anders als in Shëngjin bekomme ich hier eine Quittung, sein Vorschlag: „Bleiben sie doch einen weiteren Tag, dann relativiert sich der Preis auf 35,- € pro Tag “ Ok, meine kleinen Solarzellen speisen im Ruhezustand die Batterien. Und ich kann eine Pause gebrauchen. Ich bleibe eine weitere Nacht.

  1. Tag

Der Wetterbericht verspricht für heute zur Abfahrt Südwind. Ich verlasse um 9 Uhr den Hafen von Durres. Setzte die Segel und rausche mit 8 Knoten wieder in den Norden. Der südlichste Punkt meiner Reise ist erreicht. Ich muss wieder am Kap Rodoni vorbei, dieses Mal sind die Wellen 3 Meter hoch, ich rausche die Wellenberge hinunter. Wieder zieht ein Gewitter auf ich gehe ins 2. Reff um den Druck aus den Segeln zu nehmen. Sichere das Großsegel mit Bullenstander. Es fängt wie aus Kübeln an zu regnen. Der Regen geht wenig später in Hagel über und das immer von hinten. Ich schalte den Autopilot ein, montiere eine Kamera am Heck mit Blick nach vorn, stelle eine Verbindung zum iPad her und verkrieche mich unter Deck. Ein komisches Gefühl nur noch als Passagier mitzufahren. Trotzdem gehe ich alle 20 min einen Kontrollgang machen, trimme die Segel und verschwinde wieder unter Deck.

Fünf Seemeilen vor der Marina Bar wird es mir unter Deck zu bunt. Die Wellen haben mittlerweile 3-4 Meter Höhe. Der Wind bläst mit 20-22 Kn von hinten ich rausche mit 14 Knoten Geschwindigkeit meinem Ziel, der Marina Bar entgegen. Ein Husarenritt, das Boot brummt, lässt sich aber alles kontrollieren. Doch kurz vorm Segelbergen springt der Motor nicht an, nur noch 2 Seemeilen bis zur Marina und bei mir ist Wasser im Tank. Nehme das Großsegel runter und wechsle den Dieselfilter, entlüfte das Treibstoff- System. Dabei wird mir, mit dem Kopf im Motorraum, im wahrsten Sinne des Wortes kotzübel. Viel Wind auch beim Anlegen. Bin froh als ich die Leinen am Steg festmachen kann. 56 Seemeilen in 6 Stunden!!!

Auch hier bleibe ich 2 Tage, das Wetter ist zu schlecht. Die Nacht kostet 60,- €, ich verhandle und gebe dem Wärter für meinen Platz nur 80,- €, es gibt keine Quittung.

  1. Tag

Heute hatte ich Großes vor und um es auch vorweg zu nehmen, auch geschafft. 58 Seemeilen möchte ich schaffen, denn ich habe in der Marina Bar schon ausklariert und darf theoretisch und auch praktisch nicht mehr in Montenegro an Land. Es regnet über Nacht. So ein Mist, ich verbinde im Kopf Montenegro ab heute immer mit Gewitter, Sturm und Regen. Morgens ist allerdings heute noch kein Wind. Ich fahre nicht gern mit Maschine, lege darum erst gegen 9 Uhr ab, da ich am Horizont die ersten Schaumkämme entdecke. Der Wind kommt aus Süd und zeigt sich erst draußen auf der offenen Adria. Auch wechselt sich der bewölkte Himmel mit der Sonne ab. Also doch zum Abschiednehmen von Montenegro noch ein paar Pluspunkte auf der Habenseite. Ziel ist auf Nordwestkurs der erste Einklarierungsort in Kroatien, Cavtat. Da ich die Prozedur mit der Festmacherhilfe und der offenen Hand schon kenne, ziele ich nicht auf das Schild mit dem Eurozeichen, sondern lege mich gleich mit Heck voran an einen freien Liegeplatz vor einem Lokal der Promenade. Dann der nötige Schreibkram, Polizei, Hafenmeister und Platzwart. Der Preis für den Liegeplatz ist geblieben, Strom könne ich mir nehmen wenn ich eine lange Verlängerung dabei habe. Nanu denke ich: Wollte mich vor knapp 10 Tagen jemand über das Ohr hauen? Strom gibt es heute umsonst. Toll, ich bin wieder in Kroatien und fühle mich richtig zu Hause.

  1. Tag

Am Morgen in Cavtat ist Traumwetter, laufe mit Loupi durch den Ort und um die Halbinsel mit dem Kloster herum. Finde einen Supermarkt und suche danach den Gemüsemarkt den ich schon von dem Weg nach Albanien her kannte. Kaufe mir noch ein Schokoeis und teste ob sich der Geschmack verändert hat. Auf meinen Weg in den Norden komme ich an Dubrovnik vorbei. Keine Lust auf Häfen oder Marinas. Ich ankere direkt vor der Stadtmauer Dubrovniks, setzte mit Loupi über und erkunde „Die Perle der Adria“ wie die Stadt im Küstenhandbuch beschrieben wird. Kein Wunder das die Stadt in dem Kroatenkrieg 1991-1995 von den serbisch- montenegrinischen Streitkräften nicht eingenommen werden konnte. Die ganze Stadt ist eine Festung. Loupi dient mehrmals als Fotomodel. Da kommt mir der Gedanke damit Geld zu verdienen oder vielleicht brennt mir die Sonne heute besonders heiß auf den Kopf dass ich auf solche Gedanken komme. Ich schleiche mich bei einer Reisegruppe unter und lausche den Erläuterungen des Reiseführers. Bei all diesen Informationen schnappe ich einen Satz aus der Zeit des Osmanischen Reiches auf: „Für all das Gold dieser Welt werden wir unsere Freiheit nicht verkaufen.“

Freiheit ist das Stichwort, wir machen uns wieder auf die Socken. Auf dem Weg zum Boot geht es noch einmal an einem Eisstand vorbei. Das Schokoeis kostet hier 30% mehr als gewohnt. „Mensch Michael, die wollen all dein Gold“

Der Wind stellt sich ein und ich fahre im 1. Reff. Die neue, kleinere Genua hatte ich schon seit Montenegro aufgezogen. Eine wirklich tolle Kombination. der Wind ist zwischen 15-18 Knoten sehr konstant. Segle hart am Wind für 3 Stunden auf ein und demselben Bug. Es ist ein wirklich fantastischer Segeltag.

Mein Ziel für heute ist wieder die Insel Mljet. Dieses Mal aber nicht die Bucht im Norden, sondern es geht nach Polače. An der Einfahrt zu der schönen Bucht fahre ich an einer Reihe Restaurants vorbei. Die Inhaber und Kellner winken mit den Festmacherleinen. Ich winke zurück, suche mir aber ein ruhiges Plätzchen im hinteren Teil der Bucht. Es gibt Bratkartoffeln, Zwiebeln, Knobi, Schinken, Käse und Ei.

  1. und 20. Tag

In Polace wohnen vielleicht 100 Menschen, gibt es einen Supermarkt, 10 Restaurants, ein Souvenirgeschäft und eine Auto- und Fahrradvermietung. In den 2 Monaten der Hauptsaison steppt hier wohl der Bär. Jetzt ist es Ende Juni und noch nicht viel los. Ich laufe mit Loupi ein Stück die einzige Straße aus dem Ort den Berg hinauf, bin leicht aus der Puste, bin ja Segler und nicht Bergsteiger. Erst am Nachmittag gehe ich Anker auf. Ein leichter Wind lässt mich das 20 Seemeilen entfernte Korčula ansteuern. Kurz vor der gleichnamigen Insel durchfahre ich eine aufregende Inselwelt. Wieder türkisfarbenes Wasser. Helle Steine säumen die vielen kleinen Inselchen ein. Ich mache ein paar schöne Aufnahmen. Der Anker fällt in der Bucht von Vrbovica kurz hinter der Stadt Korčula.

  1. Tag

Der Wind hat von Nordwest auf Südost gedreht. Wie schon auf meiner Tour in den Süden hatte ich an vielen Tagen Wind von achtern. Auch jetzt weht der Wind wieder von hinten. Von der Insel Korčula, der Bucht von Vrbovica, setze ich den Parasailor und segle mit leichter Brise in Richtung Hvar und dem davor gelagerten Archipel Sv. Klement. Nach 20 Seemeilen knipst jemand den Wind aus. Mit einem Schlag wird die Adria spiegelglatt. Die Sonne brennt gnadenlos auf mich herab. Nach einem Blick in die Karte, entscheide ich mich für die Insel Šćedro, 10 Seemeilen vor meinem eigentlichen Plan. Aber Pläne werden gemacht um sie zu ändern. Der Plan ist: keinen Plan zu haben. Ich starte den Motor und fahre 30 Minuten in eine einladende Bucht auf Šćedro. Eine gute Wahl, es sind kostenlose Muringbojen vorhanden. Mich begrüßt ein Jugendlicher im kleinen Boot und fragt was ich am nächsten Morgen zum Frühstück möchte. Neben Brot und Brötchen bestelle ich eine Melone und Pfannkuchen.

Nun sind Muringtonnen im genau berechneten Abstand gelegt worden. Die Bucht ist ausreichend groß, aber ein österreichisches Pärchen mit einer 32er Bavaria lässt den Anker, keine 5 Meter von mir entfernt, fallen. Ich schaue mir die 3 Ankerversuche aus dem Cockpit gemütlich an. Und meine dann: „Wenn der Wind noch ein wenig dreht können wir unsere Gläser anstoßen“ Am späten Abend dreht der Wind und unsere Boot stoßen tatsächlich zusammen. Mein Bootsnachbar sucht sich im Dunkeln einen neuen Platz….

Am nächsten Morgen erkunde ich mit Loupi die kleine Insel. Neben vielen zerfallenen Gebäuden finden wir auch ein altes eingestürztes Kloster. Überall in den Büschen stehen alte PKW und sogar ein ausgemusterter Bagger herum und warten auf ihren Zerfall.

  1. Tag

Das Brötchenbötchen steht mit meiner Bestellung um 8 Uhr neben mir. Ich lag gestern Abend noch lange wach, habe diese einmalige Stille unter einem faszinierenden Sternenhimmel genossen, und mal wieder im Cockpit geschlafen. Also gibt es Frühstück ans Bett. Hätte ich mal auch Kaffee bestellt, dann würde ich gar nicht mehr aufstehen wollen. Der österreichische Ankerfreund ist schon auf und davon, war wohl auch für ihn eine peinliche Situation gestern Abend. Nach Pfannkuchen und einer Gassirunde zur anderen Seite der Insel setze ich erst Großsegel, löse mich dann von der Muringtonne und verschwinde von diesem schönen Fleckchen Erde.

Der Wind weht mit 4-7 Knoten aus Ost also wieder von hinten. Ich nehme das Großsegel auf die andere Seite und baume die Genua aus. Fahre somit Schmetterling. Für den Parasailor habe ich mir ein Limit von 5 Knoten gesetzt. Bei halben Wind sind 5 Knoten Wind kein Problem, aber von achtern steht der Parasailor nicht richtig konstant und das artet immer in Arbeit aus. Komme mit 3-5 Knoten Fahrt auch gut voran. Die Wellen auf der offenen Adria sind selbst heute einen halben Meter hoch, das Boot rollt ein wenig. Nach 12 Seemeilen passiere ich dann das gestrige Ziel, Sv.Klement, es ist zu früh um zu halten. Außerdem nimmt der Wind ein wenig zu, Ich freue mich auf Raumschotsegeln mit dem Parasailor. Auch lassen die Wellen in der Durchfahrt zwischen Sv. Klement und Hvar nach. Ich berge das Groß und die Genua und ziehe die schwarze Blase aus dem Sack, von mir hat der Parasailor den Spitznamen Paranuss bekommen. Es sieht, wenn man auf dem eingebauten Kite schaut auch so aus und namentlich ist Paranuss auch nicht weit entfernt. Ich merke dass das Alleinsein Spuren hinterlässt. Von Hvar geht es nordwestlich auf Kurs, Richtung Male- und Veli Drvenik. Die Bucht in der mein Anker nicht hielt. Bei der Überfahrt von Hvar nach Drvenik weht der Südost jetzt schon mit 15-19 Knoten, das ist viel für meine Paranuss. Aber das Segel lässt sich gut trimmen und das Boot läuft zwischen 11 und 14 Knoten wahnsinnig schnell aber trotzdem angenehm geradeaus. Ich habe dabei einen riesen Spaß andere Segler zu überholen. Ich nehme Kurs unter Volldampf auf die kleine Inselgruppe vor Maslinica auf der Insel Šolta. Aus der Bucht von Maslinica kommt ein Motorboot direkt auf mich zu. In dem Boot ein Jugendlicher mit einigen Flyern in der Hand. Seine Aufgabe: Vorbeifahrende Gäste in die Restaurant im Hafen zu locken. Nun sind seine 8 oder 10 PS am Boot nichts gegen meine im Moment gefühlten 1000 Segelstärken. Der Jugendliche fährt in meinem Kielwasser und ruft: „Stop your boat, stop your boat“ Der Kleine tut mir leid, ich habe keinen Hunger und rausche davon.

Seit dem rutschenden Anker hier auf Veli Drvenik sind 2 Wochen vergangen und man merkt dass die Segelsaison im vollen Gange ist. War ich beim Start vor 3 Wochen noch ziemlich allein unterwegs, sind einige Buchten und schöne Ankerplätze nun schon gut gefüllt. So auch Veli Drvenik, mein heutiges Tagesziel. Ich ankere, paddle mit Loupi an Land und finde tatsächlich wieder einen Tennisball, das ist schon der vierte Ball an diesem Ufer. Deshalb vergebe ich den Namen: Tennisinsel. Zum Abendessen gibt es bei mir lecker Gulasch aus der Dose, Rotkohl und Kartoffeln. Die Essenszubereitung nimmt immer eine Menge Zeit in Anspruch, macht aber Spaß und Zeit habe ich genug.

  1. Tag

Gegen 21 Uhr wird es mir zu bunt, noch mehr rutschende Ankerlieger und ein auf Ost drehender zunehmender Wind lässt alle Boote tanzen wie eine Nudelsuppe kurz vor dem Überkochen. Ich entscheide mich für die Weiterfahrt. Denn an Schlaf ist bei dem Wellengang nicht zu denken. Mittlerweile ist es dunkel und 22 Uhr als mein Anker oben ist. Ich nehme Kurs auf die Durchfahrt zwischen Drvenik und dem Festland. Segle bei achterlichem Wind im 1. Reff, es ist schon dunkel und außerdem schnell gefahren bin ich heute ebenfalls. Immer wieder kontrolliere ich die Position in der Karte, mache Notizen und vergleiche mit GPS und Position sowie Kurs auf dem Kartenplotter. Alles stimmt, alles geht reibungslos. Bin immer wieder begeistert wie genau die Richtfeuer ihren Winkel ausleuchten und man genau navigieren kann. Unheimlich ist mir trotzdem gegen 1 Uhr in der Frühe überkommt mich die Müdigkeit. Ich lege mich mit einem Timer der auf 15 min eingestellt ist, ins Cockpit und schlafe sofort ein. So schlafe ich im Viertelstunden Modus, das habe ich noch nie gemacht. Und ich fühle mich wie auf einer Großen Weltumseglung. Denn geschlafen habe ich als Einhandsegler noch nie während der Fahrt. Mein Ziel ist die Insel Zirje. Die Entscheidung fällt auf Grund des mittlerweile starken Windes auf die Bucht Mikavica auf Zirje. 34 Seemeilen im Dunkeln es ist 5 Uhr morgens, ich hab es getan und bin glücklich hier zu sein. Ich falle in einen tiefen Schlaf.

Über die Kornaten könnte ich allein schon Bücher schreiben oder seitenweise mit Bilden füllen. Eine einmalige Landschaftsformation. Und so wie ich gelesen habe das beste Segelrevier weltweit. Na das muss ich mir unbedingt anschauen. Die Inselgruppe erstreckt sich entlang der kroatischen Küste und besteht aus ca.150 Inseln. Einige Siedlungen mit kleinen Restaurants sind unterwegs zu finden. Die ganze Inselwelt ist Bestandteil des Nationalpark ´Kornati` Laut Küstenhandbuch ist eine heftige Gebühr fällig wenn man den Nationalpark besucht und übernachtet. Ich segle mit achterlichem Wind gemütlich im zick zack durch die tolle Landschaft. Auch finde ich amüsant das andere Segler die auf anderen Kursen unterwegs sind, hinter Insel verschwinden und gar nicht oder an anderer Stelle wieder zu Vorscheinen kommen. Spektakulär ist die Ausfahrt aus dem Nationalpark, die Kanalfahrt bei Male Proversa. Eine vierzig Meter breite sprudelnde Wasserstraße. Mit 5 Knoten Gegenstrom.

Es geht heute noch auf der inneren Adria weiter bis in den Hafen von Zaglav auf der Insel Dugi Otok. Ein kleiner gemütlicher Hafen mit einer sehr langen Mole die genügend Schutz bietet. Ich lasse den Anker etwas abseits fallen und befestige noch eine feste Leine am Land, so liegt das Boot ruhiger und ich muss nicht so weit paddeln. Leider hat sich Loupi irgendwo in seiner rechten Vorderpfote etwas eingetreten, vermutlich auf Veli Drvenik der Tennisballinsel. Ich habe vergebens versucht einen Fremdkörper zu entfernen. Durch den Verband den ich ihm angelegt habe, humpelt Loupi nun auf 3 Beinen. Die somit schwierigen Gassirunden fallen kürzer aus, Loupi tut mir leid. Er nimmt es aber tapfer, denn ich bin ja bei ihm.

  1. Tag

Am Morgen gibt es erst Frühstück für uns beide und dann die Gassirunde. Diese fällt wieder sehr kurz aus, auf dem Rückweg muss ich Loupi tragen er hat Schmerzen in seiner verletzten Pfote. Eine leichte Brise aus Süd erfreut wieder meinen Parasailor, er darf aus dem Sack an die frische Luft. Die Brise stabilisiert sich bei 5 Knoten ein, die Geschwindigkeit liegt bei 3,5 Kn. Das Wetter ist seit Tagen auf meiner Seite. Immer ein guter Wind und ein wolkenfreier Himmel. Ich nehme mir mein Buch von Werner Glinde `Für 1000 Dollar um die Welt` der Autor erzähl über einen jungen Mann der sein Leben auf verschiedenen Schiffen um die Welt kommt. Und wie beschwerlich das Leben auf See im19. Jahrhundert war. Mein Gedanke: Mensch Michael was mag das heute kosten?

Ganz in das Buch vertieft, bin ich einem Segler Stück für Stück dichter gekommen. Er versucht mit Schmetterlingsegeln den gleichen Kurs zu nehmen. Nur noch 3 Schiffslängen trennen uns, ich setze zum Überholvorgang an. Bin dabei ganz cool, hole mir einen Kaffee, lege die Füße hoch und lese in meinem Buch. Während auf dem anderen Boot 3 Leute irgendetwas an den Segeln zuppeln. Der Überholvorgang dauert 30 Minuten in derzeit habe ich mich nicht bewegt, das nenne ich entspanntes Segeln.

Ich habe den Tag zu früh gelobt, der ohnehin schon schwache Wind schläft gänzlich ein. Berge den zusammen gefallenen Parasailor und starte den Motor. Er springt auch an aber bleibt es auch. Leider kann ich kein Gas geben da der Bowdenzug gebrochen ist. So ein Mist, aber zum Glück nicht in einer anderen brisanten Situation. Während ich im Standgas dahin dümple, öffne ich den Seitendeckel des Motorraumes. Befestige am Gashebel ein Stück Schnur welches ich durch das Fenster in der Steuerbordkabine zu mir ins Cockpit führe. Es funktioniert prima. Für eine Stunde, denn auf Grund des mangelnden Windes habe ich mir eine Bucht auf Otok Morat ausgesucht. Der Anker fällt in der Bucht L Jazi. Trotzdem sind es 35 Seemeilen am heutigen Tag geworden. Nach einer Gassirunde repariere ich den defekten Bowdenzug. Und Provisorien halten bekanntlich sehr, sehr lange.

  1. Tag

Heute fahre ich nur noch bis zu der Insel Olib. Das hätte ich am Tag zuvor bei gutem Wind auch noch geschafft. 15 Seemeilen sind es bis Olib. Die ganze Strecke passt der Parasailor perfekt. Der Aufwand des Segelsetzens ist immer einen schweißtreibende Angelegenheit aber der Spaß auf der anderen Seite lässt die Anstrengung sofort wieder vergessen. In der Bucht von Slatinica vor Olib liegen Muringtonnen aus. Leider ohne Brötchenbötchen am Morgen. Vor einen Jahr entdeckten wir auf der Insel einen Supermarkt mit einem umfangreichen Angebot. Loupi geht es wieder besser und wir setzten über, laufen 20min über die autofreie Insel und finden auch in dem Gewirr von Oliven-und Feigenbäumen das kleine Geschäft. Was ich mir nicht gemerkt habe vom letzten Jahr, sind die Öffnungszeiten. Also von 8:00- 12:00 und am Nachmittag von 17:00 – 21:00 Uhr finde ich eine entspannte Arbeitszeit. Es ist jetzt 14 Uhr. Soll ich warten? Kein Wind und die Sonne brennt auf uns herunter. Was soll ich tun. An einem Brunnen stillen wir unseren Durst. Loupi ist erschöpft, mir geht es nicht anders. Nach einer Stunde kommt wie durch einen Zufall der Inhaber vorbei um etwas abzustellen. Ich erkläre ihn den schwierigen Weg, sowie die Verletzung von meinem Hund und frage ihn höflich ob es nicht irgendwie möglich wäre ein paar Sachen zubekommen. Er öffnet sein Geschäft und ich kann allein nach Herzenslust meinen Korb füllen. Auf dem Weg zurück zum Strand verlaufen wir uns und ich zaubere aus 20 Minuten Fußweg auf dem Hinweg eine ganze Stunde Rückweg. Dabei trinke ich schon einen Teil des Eingekauften aus und zerdrücke eine Packung Eier auf dem Weg. Loupi freut sich über die leckeren Reste. „Mensch Michael, da navigierst du bis Albanien und zurück und verläufst dich hier in den Olivenhainen.“

Der Abend ist wieder sehr mild. Zum Abendessen gibt es Lachsfilet aus der Dose, denn mit meinem Fischfang bin ich immer noch nicht glücklich. In der Ferne beobachte ich einige Gewitter.

  1. Tag

Kräftig wärmt die Sonne schon am Morgen, ich liege noch im Cockpit und träume von der großen, weiten Welt. Nun bin ich nur noch 40 Seemeilen von meinem Heimathafen Punat auf der Insel Krk entfernt und ich merke das mir auch eine Last von den Schultern fällt. Nicht die Belastung der Reise, das täglich fast 10 Stunden Segeln, nein der Termindruck ist weg. Ich habe noch gut eine Woche um bis nach Punat zu kommen, erst dann fahre ich wieder nach Deutschland zurück um meinen Schatz Antje abzuholen und mit ihr zusammen wieder hierher zu fahren. Darauf freue ich mich ganz besonders. Auf dem Nachbarboot ist schon um 7 Uhr Kinderalarm. Irgendwie sind die Kleinen, ca. 3 und 5 Jahre alt, nicht mit ihrer Welt zu frieden. Ihr Vater setzt beide ins Beiboot und dreht für 20 Minuten ein paar Runden. Scheinbar funktioniert die Idee. Die Kleinen sind ruhig. Ich beobachte 20 Minuten den Motorlärm in der sonst ruhigen Bucht. 10 Minuten später kommt der Besitzer der Muringtonnen. Er möchte gern 220,- Kuna haben (ca. 30,- €). Ich fragte: Wofür? Die Antwort ist simpel: Für Muringtonnen und der schönen Bucht hier. Das habe ich schon einmal besser gesehen und dann noch mit Brötchenservice. Auf jeden Fall nimmt er meinen Müll mit der sich die letzten Tage dramatisch angesammelt hat. Ankern an gleicher Stelle wäre kostenlos gewesen aber allerdings dann ohne Abfallarche. Beim nächsten Mal bin ich schlauer.

Ich genieße den Morgen mit langen Frühstück und Träumerei, wenn da nicht der Vater mit dem Dinghy wäre und zur zweiten Runde seine Kinder ausfährt. Loupi humpelt noch ein wenig, wir setzten über und gehen ein kleines Stück am Ufer entlang. Eine Küste mit extrem viel Unrat. Hauptsächlich Plastikflaschen, Glasflaschen, Fischkisten, Fässer, Kühlschränke, Schuhe, aber immer nur Einzelexemplare, da frage ich mich, wann und wo fliegt sein Zwilling über Bord. Eine kleine Brise aus Nord stellt sich ein. Während das Gummiboot vom Nachbar zur dritten Runde raus fährt, setzte ich meine Segel und löse mich von der 5 Sterne-Muringtonne. Mit konstanten 10 Knoten Wind cruise ich zu meiner Lieblingsbucht Meli auf der Insel Cres. Die Bucht heißt eigentlich Galboka. Aber das Seezeichen auf der Karte zur Ansteuerung zur Bucht trägt den Namen Meli. Ich war hier im Frühjahr bestimmt schon fünf Mal vor Anker. Einmal dabei während eines Sturmes. Und die Bucht bietet ausreichend Schutz. Da der Wind aus der Richtung kommt in die ich möchte, kreuze ich zur anderen Seite Richtung der Insel Pag. Aus den 20 Seemeilen Luftlinie werden am Tagesende 46 Seemeilen. Aber ein sehr schöner Segeltag. Den Strand von Meli kennt auch Loupi schon. Nicht nur einmal hat er Spaß mit Ziegen und Schafen gehabt. Während Schafe in der Regel immer die Flucht ergreifen und sehr schnell sind, schneller als Loupi, stehen die Ziegen einfach nur da und gucken den bellenden Hund komisch an. Meli hat für mich immer etwas beruhigendes, ein kleiner Sandstrand am Ufer, der Einzige übrigens auf der ganzen Tour und diese Abgeschiedenheit ist genau was ich immer suche. Im Küstenhandbuch wird die Bucht mit zu wenig Schutz vor der starken Bora, dem gefürchteten starken Nordostwind, beschrieben. Es finden sich keine anderen Segler hier ein. Ich bin durch Zufall hier gelandet und habe diese Bucht mit dem Prädikat sehr gut beurteilt. Auch der Grund ist sandig und damit hält mein Anker auch bei sehr starkem Wind. Das Wasser hat wieder dieses türkise Leuchten. Ich fühle mich hier sehr wohl und bleibe ganze 3 Tage. Und sogar mein Windsurfmaterial findet Verwendung. Ich gehe an 2 Tagen mit 5 Windstärken windsurfen. Wobei das Aufbauen des Materials auf dem Segelboot sich als sehr schwierig heraus stellt.

  1. bis 29. Tag

Lange Weile kommt bei mir nie auf. Die Zeit vergeht an Bord immer sehr schnell. Wenn ich mehrere Tage vor Anker liege schaffe ich endlich ein paar Sachen zu erledigen die schon ewig auf einer Liste stehen. Es kommt täglich etwas hinzu. Zum Beispiel kann ich durch das Versetzen einer Trennwand im Heck meines Bootes die Schlafkabine vergrößern. Die andere Kabine dient eh nur als Ersatzteillager, Werkstatt und Loupi´s Reich. Die Arbeiten dauern einen ganzen Tag. Dann ist da noch der Einbau einer Musikanlage die schon sehr viele Seemeilen eingepackt im Vorschiff mitfährt. Viel Zeit auch für Loupi, der sich wieder erholt hat und schon wieder längere Gassirunden läuft. Öfters am Tag gehe ich baden, tauchen, Unterwasseraufnahmen machen. Dann finde ich viel Zeit zum Lesen, Basteln und, ja und Zeit zum Träumen.

  1. bis 34.Tag

Das Warten auf Wind hat sich gelohnt, ein schöner Nordwest weht seit gestern Abend. Traumwindrichtung um noch einmal zu der Gefängnisinsel Grgur zu Segeln wo vor knapp 5 Wochen mein Törn begann. Laufe noch einmal mit Loupi zu den Ziegen um uns zu verabschieden. Esse Frühstück und setzte die Segel. Nur 15 Meilen sind es von Meli bis Grgur, in guten zwei Stunden bin ich schon da. Das ist mir zu früh, es ist gerade mal 14 Uhr. Ich ändere die Richtung und nehme Kurs auf die Nachbarinsel Goli. Ebenfalls eine ehemalige Gefängnisinsel bis 1989. Es gibt sogar ein geschütztes Hafenbecken. Der Anker bleibt heute trocken und ich lege mich an die Kaimauer des ehemaligen Verladehafens der Insel Goli. Ein Mitbringsel von der letzten Bucht ist mein neuer Korbstuhl.

Goli ist eine Steinwüste, etliche Ruinen der Gefangenenunterkünfte und noch intakte Gebäude die seit Jahren dem Zerfall überlassen worden. Seit 25 Jahren dient diese Insel als beliebtes Ausflugsziel der benachbarten Inseln Rab, Krk, Cres und den kleinen Orte am nahen Festland. Täglich landen viele Boote und Fähren am zentralen Anleger, nur 15 Minuten Fußweg von mir entfernt und bringen Touristen auf diese Insel. Ich bin im Verladehafen ein Stück abseits des Trubels. Das Liegen am festen Anleger hat den Vorteil, dass ich mit Loupi auch öfters mal spazieren gehen kann. An einem Tag unternehmen wir eine größere Radtour quer über die Insel um auch andere interessante Schauplätze der Vergangenheit aufzusuchen. Loupi schläft sonst den ganzen Tag außerhalb des Bootes auf dem Steg entfernt sich aber nicht vom Boot. Ich bleibe wieder ganze 4 Tage. Am zweiten Tag kommt ein Pärchen aus Kroatien mit einem Charterboot an meinem Steg und am 3 Tag legt ein Segler aus Tschechien mit einem Slowenen an Bord an. Der Tscheche spricht ein wenig deutsch kein englisch, der Slowene unterhält sich mit dem kroatischen Pärchen auf kroatisch, ich rede mit dem Pärchen auf englisch und mit dem Tschechen auf deutsch. Ich liebe solche Abende, wir verstehen uns alle sehr gut. Der Tscheche zeigt mir dass man hier vom Steg aus auch ganz einfach Hornfische fangen kann. Nicht die Großen die ich von zu Hause kenne aber ganz einfach mit Haken und Schnur. Und ich musste erst 1000 Seemeilen fahren um zu wissen wie es geht.

  1. Tag

Der Weg zurück in den Heimathafen ist emotional immer ein schwerer Weg. Der Törn soll eigentlich nicht zu Ende gehen. Ich habe 6 Knoten Wind aus Südwest und fahre zum letzten Mal meinen Parasailor. Der Wind kommt genau mit 90° von der Seite für einen Spinnaker Segel eigentlich unmöglich den Wind von der Seite einzufangen. Der Parasailor steht und ich teste wie weit ich den Bogen noch spannen kann. Nach und nach ändere ich den Kurs und lande bei 70° am Wind. Ein fantastisches Segel mit einem riesigen Einsatzbereich. Ich lasse meine Musik über die neue Musikanlage etwas lauter laufen gehe zum Bug und genieße die Fahrt zurück in den Heimathafen, die Marina Punat. Es geht vorbei an der Insel Grgur und an der Westküste von Krk. Doch heute fällt mir der Weg besonders schwer. Warum? Das kann man nicht erklären. Fahre ich doch bald wieder hier entlang aber das Gefühl, dass ein Törn zu Ende geht, ist unerklärlich. Nach genau 1000 Seemeilen und 5 Wochen Segeln auf der Adria bin ich zurück. Was noch vor 5 Wochen ein Traum war, ist jetzt Wirklichkeit geworden. Ich bin überaus glücklich die Strecke ohne Pannen und Zwischenfällen gefahren zu sein, 1000 Seemeilen allein unterwegs. Allein? Ich hatte Loupi dabei.

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