Quarantäne?

Grenzenlose Abenteuer mit Michael Ziese

Ich nehme die aktuelle Situation der Pandemie als Anlass, mich einmal zu isolieren, um zu zeigen, wie es sich anfühlt, ohne Zufuhr von aussen und ohne menschlichen Kontakt autark in einer menschenfeindlichen Umgebung auf einem Boot zu leben.

Der Begriff „Quarantäne“ stammt schon aus dem 12. Jahrhundert. Er bedeutet „40 Tage Isolation“.

Auszug: ndr.de
  • Eine um 1400 aufkommende Reisesperre für seuchenverdächtige Ankömmling in Venedig bezeichnete man in Italien als: “Quaranta giorni“ (40 Tage)
  • Im Bereich der Seefahrt bezeichnet Quarantäne die Wartezeit von Schiffen, bevor Lebewesen, Waren und sonstige Güter eingeführt werden dürfen.

Ich werde mit meinem Boot dieses Projekt im März beginnen. Abseits der Zivilisation geht es von meinem Winterliegeplatz in Ìsafjörður im Norden Islands ins benachbarte Naturschutzgebiet Hornstrandir. 

Ich werde keinerlei Zivilisation vorfinden. Das bedeutet auch ohne Hilfe oder Kontakt zu anderen Seglern oder Fischern. Es gibt keinerlei Anlegemöglichkeiten, keine Möglichkeit Lebensmittel, Treibstoff oder Wasser aufzunehmen. Ich bin auf mich allein gestellt. Auch sind keine Möglichkeiten, Telefon oder Internet zu nutzen und es gibt kein Radio bzw. Fernsehempfang. Mein einziger Draht zur „Aussenwelt“, Familie und Freunden, ist ein kleiner „Garmin inReach mini“. Ein Gerät, mit dem ich grob Wetterdaten abrufen kann und Textnachrichten versenden oder auch empfangen werde. Selbstisolation mal anders.

Ablauf für 40 Tage autarkes Leben:

Von Isafjördur geht es mit ausreichend Lebensmitteln und Treibstoff für den gesamten Zeitraum nach Norden über den Ísfjorð (Eisfjord) in den Nordwestfjorden, der zu dieser Jahreszeit noch mit schwimmendem Eis aufwarten kann.

Bei einem kurzem Stopp in freiem Wasser fange ich noch ein paar Fische, die für eine Ergänzung der normalen Lebensmittel willkommen sind.

Nach nur 30 Seemeilen erreiche ich vielleicht noch bei Tageslicht Hornstrandir und einen der innen liegenden Fjorde. Das Tageslicht zu dieser Jahreszeit ist von 9:00 bis 16:00 schon recht angenehm. Je nach Wetterlage werde ich einen sicheren Ankerplatz aufsuchen, um für jedes Wetter geschützt zu sein. Alle Erlebnisse, Eindrücke, Gedanken und Gefühle werde ich schriftlich dokumentieren und filmen.

Dass es in dieser Region und zu dieser Jahreszeit mit dem Wetter sehr heftig zugehen kann, ist mir wohl bekannt. 

Bei drohendem schlechtem Wetter werde ich meine Position in den Fjorden wechseln und den Begebenheiten anpassen. Das Gebiet ist sehr weitläufig aber auch sehr gefährlich, wenn ein Zwischenfall oder ein Defekt eintritt. Hilfe kann ich dort nicht erwarten. 

Es gilt nur eine Devise: Durchhalten!!!

Auch im Mittelalter konnte keiner die Quarantäne umgehen oder abbrechen, wenn man Heimweh bekommt.

Ich bin selbst gespannt und neugierig auf das Abenteuer der besonderen Art.

Ahoi, und bleibt alle negativ.

12 thoughts on “Quarantäne?

  1. Moin Moin Micha, wünsche Dir gutes Durchhaltevermögen für die Karantäne. Ich selbst hatte schon einmal 31 Tage gesegelt, denke das ich damit (40Tage) kein Problem haben würde. Bis denne und Daumen hoch 👍.

    1. Hallo, vielen Dank. Ich denke 40 Tage segeln fällt mir bedeutend leichter. Ich kann unterwegs mit den Elementen Wind und Strömung besser umgehen und mich darauf einstellen. Die lebensfeindliche Gegend in den Fjorden macht das Risiko aus. Beste Grüsse, Micha.

  2. Hallo Michael
    Das ist ja ein tolles Projekt. Die Einsamkeit in dieser grandiosen isländischen Natur zuerleben, ist eine Wahnsinnserfahrung.
    Ich war oft in Island zu Fuß unterwegs und bin ohne Kommunikation wochenlang im Hochland unterwegs gwesen und völlig auf mich allein gestellt. Bei den extremen Wetterlagen kommt man an seine physischen und vor allen Dingen psychischen Belastungsgrenzen. Ich nehme mal an das ist das was Du auch suchst. Es ist einfach irre. Ich würde es immer wieder machen.
    Viel Glück und bleib gesund Reiner

  3. Hallo Micha, lange nichts gehört auf Deinem Kanal. Das ist ja mal wieder eine schöne Idee. Komme gerade von einem Strandsparziergang mit dem Hund bei Eiseskälte und ordentlich Ostwind. Da dachte ich mir, bei diesem Wetter möchte ich nicht auf See sein. Oder vielleicht doch? Na jedenfalls wünsche ich alles Gute für Dein neues Projekt und möge die Übung gelingen. In diesen Zeiten weiß man ja nie, was einen in den nächsten Tagen an neuen Beschränkungen erwartet.

    1. Ja, hallo. Geht mir manchmal genauso. Kragen hoch, Mütze tiefer ins Gesicht am Wasser entlang, dann kann ich mir manchmal nicht vorstellen zu segeln. Aber wenn ich dann mit Boot unterwegs bin, ist es doch schön mit einem Grinsen im Gesicht. Beste Grüsse.

  4. Hallo Michael, für mich bist Du mittlerweile des Beste Berichtertstatter vom Leben auf dem Segelboot. Auch im Hinblick auf Natur, Naturschutz, autarges Leben usw. Ich bewundere auch Dein Durchhaltevermögen bei der Kälte in Island, oder ist es dort einfach so schön, dass man dies in Kauf nimmt. Noch eine gute und problemlose Quarantänezeit, pass auf Dich auf und ich finde es sehr wichtig: Gott segne und beschütze Dich! Viele Grüße Hannes

    1. Hallo Hannes, vielen lieben Dank für dein Feedback. Hat mich sehr gefreut zu lesen. Ja, in der tat ist es eine faszinierendes Land.
      Natur, Menschen und diese Unbeschwertheit hier zu sein. Frei vom Trubel und medialen Einflüssen. Ich habe mich in das Land verliebt. Sollte es doch nur ein Jahr werden. Jetzt bin ich das 4. Jahr hier oben. Die Witterung ist gewöhnungsbedürftig. Zur Zeit, im Frühjahr, ist es traumhaft.
      Bis dann.
      Herzliche Grüsse aus dem Norden
      Micha

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