Reise zum Mittelpunkt der Schäre

Der Titel passt ganz gut, wie ich finde. Seit Västervik ist meine Freundin mit an Bord. Auf dem weiteren Weg in den Norden waren weitere Ankerpunkte Kupaklint, Arkö und Soviken. Während wir auf Kupaklint schon sommerliche Temperaturen in der Hängematte genießen konnten, glänzt der Sommer seit einer Woche irgendwie mit Abwesenheit.

Das Thermometer bemüht sich, nicht ständig einstellige Werte anzuzeigen.

 

Am Ankerplatz Soviken waren wir dann trotzdem das erste Mal in diesem Jahr hier oben im Norden baden. Die von Felswänden umschlossene Bucht gegenüber von Krokskär bietet, außer bei südlichen Winden, jede Menge Schutz.

Als uns der Platz dennoch zu unruhig wurde, ging es gut 20 Seemeilen bis nach Rånö in den wunderschönen Naturhafen Rånöhamn. Von der letzten Tour war mir der kleine Kiosk, genannt Minilivs, auf der Insel noch in Erinnerung .

Der klitzekleine Supermarkt auf Rånö übertrifft nach 2,5 km Waldweg all unsere Erwartungen und versorgt uns mit frischem Obst und Gemüse. Die Öffnungszeiten von 11-13 Uhr passen glücklicherweise zufällig in unseren Tagesplan. Die bereitgestellten Mülltonnen kommen uns entgegen, da wir keine Häfen anlaufen wollen. Auf Rånö hatten wir uns mit Guido Dwersteg auf seiner „Carpe Diem“ verabredet, nur leider passte unsere gelassene Reisegeschwindigkeit nicht in sein Zeitmanagement.

Nach 2 Tagen auf Rånö mit abendlichen Biberbesuchen ging es weiter Kurs Aussenschären.

Unser Ziel war Finnskär, da das Wetter in der Nähe vom Festland nicht so vielversprechend aussah. Hier konnten wir ein Tief mit ordentlich Wind und viel Regen im Schutz der Schäreninsel abwettern. Finnskär, das ist ganz weit draußen, ganz weit weg vom Festland im Stockholmer Schärengarten.

Wir fühlen uns sicher, denn das Inselarchipel bietet Schutz bei allen Winden. Pfingsten hatten wir das schöne Eiland erreicht und noch mit ein paar schwedischen Seglern geteilt. Nun sind wir schon 5 Tage hier allein und wollen nicht mehr weg. Ein Paradies für Ornithologen, Angler, Segler und Naturliebhaber. Die Frage kam gerade per Mail: Was macht ihr die ganze Zeit dort?

Nun, in diesem Jahr sind neben meinem Fahrrad auch ein SUP-Board und mein Kajak mit dabei. Das Fahrrad konnte ich schon ausgiebig auf Rügen nutzen, als ich 10 Tage keinen günstigen Wind hatte. Auch auf Bornholm habe ich eine große Tour unternommen und mein Radius beschränkte sich nicht nur auf den Hafen.

Antje und ich unternehmen jeden Tag ein paar Ausflüge paddelnder Weise. Das Archipel Finnskär und Biskopsön ist in der Nordost-Südwest Ausdehnung gut 3 Seemeilen lang. Und so entdecken wir täglich neue Buchten und Felsen, die sich bei unterschiedlichem Tageslicht ständig neu präsentieren. Natur im Überfluss und Zeit zum Entspannen. Gestern haben wir den Anker für einen Tagesausflug gelichtet. Zu der nur 5 Seemeilen weiter nördlich gelegene Aussenschäre Söderö haben wir fast 2 Stunden gebraucht, sind dann vor Ort für 4 Stunden Paddeln und Klettern gegangen und gegen 22 Uhr bei herrlichem Sonnenuntergang wieder zurück nach Finnskär gesegelt.

Zum Glück wird es nicht mehr richtig dunkel, denn im unbefeuerten Schärenfahrwasser lauern jede Menge Untiefen. Wie beeindruckend ist es, die Welt vom Kajak aus zu betrachten. Schroffe Felswände, Wiesen mit Damwild, Steinfelder ähnlich einem künstlich angelegten Findlingspark und überall nistende Seeschwalben und Möwen. Ein Nest mit brütenden Schwänen hat es uns besonders angetan. Darin lagen 3 piepsende Schwaneneier mit angepickter Schale. Ich habe eine Kamera in einiger Entfernung aufgestellt und den ersten Lebenstag der 3 kleinen Schwäne dokumentiert. Aus 8 Stunden Filmaterial ist ein 5 min Clip entstanden. So ein lustiges Gezwitscher hätte ich auch gern als Klingelton.

Wir bleiben noch ein paar Tage, um vielleicht auch die ersten Schwimmversuche der 3 Kleinen zu beobachten. Das alles zu der Frage: „Was macht ihr den ganzen Tag?“

Ahoi und viel Spaß mit den Bildern

8 Gedanken zu „Reise zum Mittelpunkt der Schäre“

  1. Mir sind die Bilder etwas zu gestelzt in Euren bunten Markenoutdoorklamotten, dem Equipment und den Posen dazu… Trotzdem: Genießt die Zeit… Loupi ist noch da???

  2. „Was macht ihr den ganzen Tag?“, ist eine – hmm – blöde Frage, jedenfalls wenn sie mit der Intention gestellt ist, sich gar nicht vorstellen zu können, was man auf und in den Schären den ganzen Tag machen kann. Dann sollte man es einfach selber ausprobieren, ob es etwas für einen selbst ist.

    Mich würde als noch Schären-Unerfahrener vor allem die Sicherheit des Bootes interessieren. Habt ihr schon einmal direkt an einer Schäre festgemacht? Mit Landleinen, Heckanker und so – oder mit dem Heck zuerst? Findet man immer sicheren Ankergrund zwischen den Schären? Wie geht ihr da vor? Das wäre doch einmal ein Thema für ein Technik-Video, oder?

    Eine gute Zeit weiterhin!

    P.S. Was mich auch noch brennend als Thema für ein Video interessieren würde, ist der Parasailor, also wie Du ihn einhand setzt, trimmst und birgst.

    1. Hi, danke für die interessante Nachfrage. Ich werde darauf speziell noch einmal eingehen und auch ein paar Aufnahmen vom Parasailor machen.
      Bis dahin, Gruß Micha.

  3. Dann nehmt euch mal in acht , wir kommen am Donnerstag und Sonnabend mit der Faehre nach b.z.w.aus Riga in der Naehe vorbei.Ein toller Hafen ist auch bei Kastelholm auf Aland.

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