Sassnitz bis Kalmar

Hallo Micha, Michael, Haaaaaallooo…..Irgendwie höre ich meinen Namen ganz leise. Kann doch nicht sein, ich bin unter Deck im Hafen von Kalmar. Ich wage einen Blick nach draußen, tatsächlich steht dort jemand. Halb verdeckt von meinen Solarpanels, “ … ich bin’s Remo. Wir kennen uns aus Kchager.“ Nun ist es mit meiner Personenerkennung nicht so doll. Ich frage: „Woher kennen wir uns, aus Kchager, wo ist das denn?“ Ohne den schweizer Dialekt genau hier schreiben zu können. „Aus Kchager im letzten Jahr, wir lagen neben dir, als du bei dem Sturm angekommen bist“ Ah, Sturm und Schweizer, das muss in Gager gewesen sein.

Schweizer in Schweden

Genau, jetzt klingelt es. Die nette Männercrew aus der Schweiz ist dieses Jahr nach Stockholm unterwegs. Grüße von hier an Thomas, der leider nicht mit dabei ist.
Nach ganzen 10 Tagen in Sassnitz gab es ein kleines Wetterfenster Richtung Bornholm.

Also los. Am 2. Steg lerne ich noch Corinna und Alex kennen, die mit ihrer SY Vacuna auf Ostseemission unterwegs sind.

Corinna und Alex mit ihrer Vacuna

Im Auftrag für das Ozeaneum in Stralsund wollen sie Schweinswale entdecken und die Ergebnisse dokumentieren. Nachzulesen unter: www.Ozeaneum.de/blog-Expedition-ostseetiere
Zusammen brechen wir auf in Richtung dänische Insel. Was für ein Glück, daß man dieses Eiland inmitten der Ostsee ansteuern kann. Ohne diese Zwischenpause wäre die Überfahrt nach Schweden bei unsicheren Wetterverhältnissen sehr lang. Auch wir müssen für 2 Stunden die Maschine laufen lassen, denn genau wo der neue Windpark gebaut wird, ist ein Windloch. Aber der Wind kommt zurück, dreht und trägt mich bis Allinge auf der Nordostseite Bornholms. Geschafft. Erst ab hier fällt die ganze Anstrengung der Vorbereitungszeit einer solchen Reise von mir ab. „Hyggelig“ ist der kleine Ort, allerdings um 21 Uhr hat kein Pub mehr offen, um mir ein Anlegebier zu verkaufen. Morgens strammer Ostwind, keine Möglichkeit, weiter zu kommen. Zum Glück habe ich dieses Jahr mein Fahrrad dabei. Zum Fyr, dem alten Leuchturm bei Hammer Odde, ist es nicht weit.

Arbeitsplatz Leuchtturm

Das Leuchtfeuer ist schon lange außer Betrieb, da man bald nach der Errichtung festgestellt hat, daß der 82m hohe Berg öfters im Nebel gehüllt ist. Weiter nördlich und nicht so hoch steht dafür das bekannte „Bornholm Feuer Nord“, das den Seefahrern den Weg weist.

Weiter geht es mit dem Mountainbike zur Burgruine Hammer-Hus. Während ich mit Handschuhen unterwegs bin, stürzen sich ein paar Jugendliche von einer Klippe am Hammersee per Drahtseil ins kalte Nass. Ich komme bei diese Temperaturen nicht so richtig in Badelaune. Nach einem Imbiss im schönen Hammerhaven geht es am späten Nachmittag über Sandvig nach Allinge zurück. Wäre ich doch bloß noch ein paar Tage geblieben, die Überfahrt nach Utklippen, der ersten Aussenschäre Schwedens und einstiger militärischen Aussenposten will schwer erkämpft werden. 20-22 kn aus Südost und eine richtig große alte Welle aus Süd. Da habe ich jetzt meinen Badespass. Auf der 53sm langen Strecke bin ich mehr unter als über Wasser. Wellen stellenweise über 2m, mir ist schlecht. Ständig geht die See über mein Boot. Bis ins gereffte Grossegel schlagen die Wellen. 27 AIS-Signale von Frachtschiffen finde ich auf meinen Kurs und bei 8 Grad Außentemperatur denke ich an die harten Seemänner der Vergangenheit. Ich krabble unter Deck, mache die Heizung an und denke: ‚Was bin ich für ein Weichei.‘
Utklippan, die Sonne kommt raus. Wieder mal geschafft, zum Glück hat die Überfahrt nur 7 Std. gedauert. Zusammen mit einem polnischen Segler feiern wir mit einem Bier die Eroberung von Utklippan.

Ich nehme mir vier Tage Zeit auf der kleinen Insel. Warte auf günstigen Wind und genieße die Einsamkeit. Die Tage vergehen schnell mit Beobachtung der brütenden Seevögel und Kajakfahrten zu den Kegelrobben auf den vorgelagerten Felsen vor Utklippan.

Auf den 55sm bis Kalmar habe ich wieder Spaß am Segeln. Vor der Kalmarsundbrücke findet gerade eine Montagsregatta statt. Spontan ändere ich meinen Kurs und mische mich mit meinem vollgepackten Boot ins Regattafeld.
Kalmar, es sind 8 Monate vergangen, aber es ist, als wäre ich gar nicht weg gewesen….

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