Segeltörn zum Geburtstag

Nun gibt es eine ganze Menge Wünsche, die auf meiner Liste stehen. Aber einer steht ganz oben, ein Segeltörn zu meinem Geburtstag.

Wir waren gerade vom zweiwöchigen Snowboardurlaub in Österreich zurück, da überraschte mich eine kurze Erkältung. Vielleicht war das auch der Auslöser, endlich mal wieder Segeln zu gehen, denn immerzu unter Deck sitzen und warten bis die Erkältung verschwindet, ist nicht mein Fall. Seit Tagen ist das Wetter bescheiden, Nieselregen und Nebel bei 0° Celsius.

Festmacher on the rocks

Der Hafen ist mit dünnem Eis zugefroren. Ich löse die Festmacher und sie bleiben auf dem Eis liegen. Nicht schlecht, dann werden sie wenigstens nicht nass.

Aber auch das Boot rührt sich trotz Seitenwind nicht von der Stelle. Hm, eingefroren. Während man sich an der Nordseeküste, dem Englischen Kanal oder der Biskaya nach dem Tidenstand richtet um auszulaufen, habe ich es jetzt in Stralsund mit dem Eis zu tun. Also Festmacher wieder an die Poller und die Maschine mit eingelegten Gang auf 2000 U/min. Ganze 2 Stunden dauert es, bis ich das halbe Hafenbecken mit der Schraubendrehung in Bewegung habe. Zu spät, um heute noch auf Tour zu gehen.

Am nächsten Morgen sieht es schon besser aus. Der Westwind schiebt das Eis aus dem Hafen und am späten Vormittag ist es dann soweit. Ich lege ab. Noch im Hafen kann ich das Großsegel setzen und am Molenkopf rollt sich die Genua aus. Toll, mit Herzklopfen und einem Grinsen im Gesicht nehme ich Kurs Nord. Die Sicht ist hier im Sund noch ganz gut, ich kann zwischen Stralsund und Altefähr auf der Rügenseite noch das Ufer erkennen.

Nebel zieht auf

Doch nach einer Stunde ist auch das nicht mehr möglich. Nebel zieht auf und macht die Fahrt ins Ungewisse etwas ungemütlich. Ich fühle mich ganz schön allein bei der Sicht und muss die ganze Zeit am Ruder stehen. Mal wieder anders als die Vorhersage dreht der Wind auf Nordwest und legt zu. Bis 15 Knoten eisiger Wind von vorn, ich reduziere meine Segelgröße und binde das 1. Reff ein. Immer noch ein Grinsen im Gesicht, aber jetzt weniger vor Freude, mehr vom eisigen Gegenwind. Ich entscheide mich, nach Vitte auf Hiddensee zu fahren. Tonne 48, Tonne 46 ziehen an Steuerbord vorbei, oh man, das ist noch nicht einmal die Hälfte der Strecke. Die Tonnen sind schwer auszumachen bei der schlechten Sicht. Ich rausche zwischen 6,5 und 7,5 kn durch das enge Fahrwasser. Denke noch: `Wenn ich hier vom Weg abkomme, wer soll da helfen?`

Auf dem AIS-Bildschirm dann ein Signal. Gegenverkehr, juhu, also bin ich nicht allein. Alles geht gut und ein Schlepper passiert mich an einer breiten Stelle. Dann taucht noch ein Polizeiboot aus dem Nebel auf, ich bekomme kaum die Hände hoch zum Grüßen, so kalt ist mir. Im Funkgerät ertönen dann einige Stimmen, meinen die mich? Ich habe das Schott nach unten geschlossen und verstehe kein Wort, da gehe ich jetzt nicht ran. Dann endlich der Knotenpunkt, rechts geht es nach Wiek oder auf die Ostsee und links nach Hiddensee. Meine Wahl fällt auf Vitte, denn weiter bei den widrigen Bedingungen möchte ich nicht. Bei der Anfahrt auf den Hafen nehme ich die Segel runter. Ach herrje, die Tonnen sind weg. Wer kennt nicht die enge Einfahrt zum Sportboothafen Langeort in Vitte.

Tonnen an Land

Die selbst gefertigten rot-grünen Tonnen, die das sehr enge Fahrwasser zur Marina kennzeichnen, werden im Winter wegen Eisgang immer aus dem Wasser genommen. Was nun? Ich drossele die Drehzahl auf 800 U/min und starre auf den Kartenplotter. Zum Glück ist dort eine Linie vom Frühjahr aufgezeichnet. Genau auf dem Strich navigiere ich langsam durch den engen Kanal. Ein Auge auf dem Tiefenmesser, ein Auge auf dem Plotter. 2.50, 2.40 und sogar 2.20 leuchtet die Zahl auf dem Display. Man, nur nicht Festfahren hier im Niemandsland und im Nebel so kurz vor dem Ziel. Alles geht gut, ich nehme gleich den ersten Steg.

Reservierung nicht notwendig

Da höre ich eine Stimme: „Das habe ich ja noch nicht erlebt, seit 25 Jahren war hier noch nie ein Segelboot im Januar !“ begrüßt mich begeistert und überrascht der Hafenmeister. „Wie lange willst du bleiben?“ Freudig aufgeregt werden wir uns schnell über die Liegekosten für ein paar Tage einig. Ich bin froh, hier zu sein, es geschafft zu haben  und glücklich, losgefahren zu sein, auch wenn es nur 16 Seemeilen waren. Die nächsten Tage soll schönes Wetter werden und dann ist die eisige Fahrt auch schnell wieder vergessen. Herzlichen Glückwunsch und Ahoi!

6 Gedanken zu „Segeltörn zum Geburtstag“

      1. Hi…., hier ist Manfred. Weißt Du noch wer ich bin? Der Bruder von Siegfried, war mit ihm und Ingrid auf dem Boot, am 2.3.. hat mir sehr gut gefallen. Also immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel ! Alles gute , Schott u. Mastbruch.

  1. Alles gute Micha. Hatte mich schon gewundert, wo x-trip abgeblieben ist…. Ich hab das schöne Wetter auch genutzt zum segeln. Wir sehen uns. Gruß an Lupi

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