Überraschung auf Gotland

Um segelnder Weise nach Gotland zu kommen, ist es leichter, von der Nachbarinsel Öland zu starten, beispielsweise von dem nördlichen Hafen Byxelkrok auf Öland.

Flagge von Gotland

Dann ist die Strecke mit gut 45sm bis Visby nicht all zu lang. Die im Sommer meist vorherrschende Windrichtung weht dazu günstig aus Südwest. Der Wind wehte auch bei mir aus Südwest, allerdings bin ich 80 Seemeilen aus dem Norden gekommen, aus der Nähe von Nynäshamn. Ich hatte berichtet. Lange sieht man am Horizont nichts von der größten Insel Schwedens. Bis dann irgendwann weiße Wolken am Horizont erscheinen und den baldigen Landfall ankündigen. So stelle ich mir die Überquerung eines Ozeans vor, wenn man nach Wochen auf See endlich die ersehnten Wolken von Neuseeland entdeckt. Mein geplanter Landfall soll in Visby sein, dem Hauptort der Insel und Anlaufpunkt vieler Fähren vom Festland. Ich liege in der gut gefüllten Marina direkt an der Hafenpromenade. Seit Monaten habe ich nicht so viele deutsche Segelboote gesehen oder erwartet. An 11 Booten von den 14 Liegeplätzen am zweiten Steg weht Schwarz-Rot-Gold am Heck. Ich spüre schon die Nähe zur Heimat.

Direkt im Marinabüro bezahle ich für ein paar Tage meinen Liegeplatz. Mit ungefähr 30,- € am Tag nicht gerade günstig. Um mobil die Insel zu erkunden, miete ich mir einen flotten Scooter. Meine Erkundungstour geht in den Norden. Bei etwas Rückenwind saust mein neues Reisegefährt mit 100km/h die schöne Küstenstraße dahin. 100 km/h, das sind über 50 Knooooten! Viel zu schnell für mich, da ich sonst doch selten im zweistelligen Geschwindigkeitsbereich unterwegs bin.

Erster Stopp ist der kleine Hafen von Lickershamn, etwas nördlich von Visby. Einen niedlichen Hafen und eigenartige Steinformationen finde ich hier vor. An der Steilküste, etwas nördlich des Hafens, steht die Jungfrun-Rauke, ein 12m hoher Kalksteinfelsen auf einer 26m hohen Klippe. Laut einer Übermittlung aus dem 11. Jahrhundert soll ein tapferer Wikinger seine Geliebte von der Spitze des Felsens holen. Beide endeten tragisch in den Wellen der Ostsee. Bei meinem Besuch fand ich keine Jungfrau vor, zum Glück. Im niedlichen Hafen von Lickershamn verproviantiere ich mich mit frisch geräuchertem Fisch.  Auf der Suche nach weiteren Wikingerspuren entdecke ich Elinghems Ödekyrka, eine Kirchenruine aus dem 13. Jahrhundert.

Nur 300 Jahre wurde sie genutzt, denn im 16. Jahrhundert wurde das Gebäude aufgegeben. Im Inneren steht sogar noch der Altar.

Weiter über die einspurige Küstenstraße am Digerhuvud-Raukfield vorbei geht’s zum Strand von Langhammars. Hier steht das größte Raukenfeld von Gotland. Über 50 dieser faszinierenden Gebilde aus Kalkstein finde ich am Strand vor. Bis zu 10 m hoch sind sie Touristenmagnet und ein beliebtes Ausflugsziel Gotlands. Mein nächster Törn geht weiter in den Norden. Mit der kostenlosen Fährverbindung setzte ich zur vorgelagerten Insel Fårö über. Auch auf Fårö steht ein Leuchturm, den ich natürlich aufsuche. Ganz nach meinem Aberglauben berühre ich diesen Turm, um irgendwann einmal wieder zu kommen. Das 35m hohe Leuchtfeuer – Fårö fyr  ist schon seit 1847 in Betrieb. Ich nutze das herrliche Sommerwetter und erkunde die kleine Insel. Zurück auf Gotland führt mein Weg an der Ostküste entlang.

Ich entdecke das Fischerdorf Lergrav. Im kleinen Café gibt´s einen leckeren  Imbiss mit einem wunderbaren Blick auf die Steinformationen von Lergrav. Abends zurück in Visby lasse ich die vielen Eindrücke der letzten Tage Revue passieren. Jeden Tag nehme ich mir auch einen Teil der Innenstadt vor. Abends schließe ich die Rundgänge im Pub „Black Sheep Arms“, wo das lokale Bier ausgeschenkt wird. Mit Kamera und Reiseführer ausgerüstet mische ich mich die nächsten Tage unter die zahlreichen Touristen. Die Gruppen sind am erhöhten Blick auf die hohen Gebäude gut zu erkennen. Allein für die Besichtigung der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer von Visby reicht ein ganzer Tag nicht aus. Die Stadtmauer, ein Bollwerk aus dem 13. Jahrhundert, wurde zum Schutz vor der Landbevölkerung errichtet, denn Visby war schon vor dem Mittelalter eine wohlhabende Handelsstadt. Allerdings nicht immer in schwedischer Hand. Von 1361 bis 1645 erklärten die Dänen Gotland zu ihrem Königreich. 6 Tage und unzählige Erlebnisse auf Gotland sind mal wieder viel zu schnell zu Ende. Der Abstecher hat sich gelohnt, weitere Informationen schicke ich gern auf Anfrage zu.

Der günstige Wind zieht mich nun mit Boot noch einmal nach Lickershamn und dann zurück Richtung Festland, genauer gesagt, wieder nach Oskarshamn. Meine Freunde Anna und Rasmus betreiben dort die Stadtmarina. Sie freuen sich und laden mich ein, für eine Woche Gast in ihrer Marina zu sein. Prima, das kommt auch meiner Reisekasse nach den Tagen auf Gotland sehr entgegen.

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