Wann geht es wieder nach Hause?

Diese Frage drängte sich im Laufe der Reise bei mir immer mehr in den Vordergrund. Schon bei der Anreise über die Färör-Inseln im April dachte ich an den Rückweg. Bei Kälte, Sturm und Regen kein einfacher Gedanke. Mehr und mehr keimte dann die Idee, einfach hier auf Island zu bleiben, einfach überwintern, um die fantastische Landschaft der Insel im nächsten Sommer weiter zu erkunden. Verschiedene Faktoren sprechen dafür und einige Argumente dagegen. Nun bin ich nicht der Erste, der mit dem seinem Boot dicht am Polarkreis überwintert. Das haben schon einige vor mir getan. Doch was gibt es zu beachten. Eis, Kälte und Sturm?

In welchem Hafen fühle ich mich sicher? Wohin soll die Reise gehen? Ich weiß es nicht. Mit der Entscheidung tu ich mich schwer. In Reykjavik geht´s auf jeden Fall. Nur gibt das die Bordkasse nicht her. In Hafnarfjörður, einem Vorort von Reykjavik, wäre es möglich. Der Tiefgang im Hafen dort bereitet mir jedoch Kopfzerbrechen. Bei jedem Flachwasser zur Springzeit fehlen mindestens 5cm unterm Kiel. Was ist, wenn der Wind mal ordentlich das Wasser raus drückt? Kippt mein Boot dann auf den Steg? Etwas weiter nördlich ist Akranes, der Hafen hat mir sehr gefallen. Tief genug, gute Anbindung zum Flughafen und ein Hafenmeister, der jeden Tag ein Auge auf´s Boot wirft falls ich mal nicht da bin. Weit im Norden beim Paddeln mit dem Kajak, traf ich unterwegs einen isländischen Segler. Wir sprachen auch davon wo es am besten sei zum Überwintern. Er meinte, in Reykjavik und besonders in Akranes weht es im Winter ganz ordentlich. Die Aussage deckte sich auch mit dem Hafenmeister in Akranes, als dieser meinte, dass schon mal ein Schwimmsteg schwimmen ging. Wohin dann? Als Antwort kam Isafjörður im Norden, dicht am Polarkreis. Nie im Leben wäre ich auf Isafjörður gekommen. Also recherchieren. Unsere Reise ging sowieso in den Norden.

Später, bei einem Gespräch mit Gudmundur, dem Hafenmeister von Isafjörður wurden einige meiner Fragen und Bedenken geklärt. „Wenn wir noch Platz haben, ist es hier kein Problem. Eis, nein Eis gibt es hier nicht. Ab und zu etwas Wind, aber immer nur rein oder raus aus dem Fjord. Tolle Aussage, dachte ich mir. Meine Entscheidung stieg von 50:50 auf 80:20, hier zu überwintern. Es ist Anfang August, ich habe noch 4 Wochen „Bedenkzeit“, denn Anfang September kann schon der erste Schnee fallen und dann geht nichts mehr. Wer dann eine Rückreise plant, fährt in der Sturmsaison über den Nordatlantik und die Nordsee. Von dem miesen Wetter hatte ich allerdings schon genug. Also Stichtag 1. September, bis dahin muss die Entscheidung 100:0 oder 0:100 stehen. 

Doch es kam mal wieder ganz anders. Wir waren gerade 3 Wochen autark im nordwestlichen Naturschutzgebiet Hornstrandir unterwegs. Seit Tagen lagen wir in einem traumhaften Fjord mit imposanter Kulisse vor  Anker. Der atemberaubende Fjord lockt zum Paddeln und Wandern ein.

Durch unglückliche Umstände verletzte Antje sich ihr Knie. Was nun? Wir wollten 4 Tage vor Antjes Abreise an Land paddeln und zu einem Gletschersee in den Bergen wandern. Wir haben den Ausflug und das Knie erst einmal auf Eis gelegt und wollten eine Nacht drüber schlafen, denn wer soll hier helfen. Am nächsten Morgen keine Besserung, wir müssen zum Arzt. Es sind 24 Seemeilen bis nach Isafjörður ins Krankenhaus. Trotz der Umstände und Antjes Schmerzen hatten wir noch einen der schönsten Segeltage des ganzen Sommers und als i-Tüpfelchen 2 Orcas direkt am Boot. Ein Orcaweibchen mit ihrem Jungen. Was für ein Anblick, diese Tiere zum Greifen nah zu sehen. Und was für ein Abschluss der dreimonatigen Auszeit von Antje. Im Krankenhaus kam nach dem Röntgen die Empfehlung, das Knie in Deutschland weiter behandeln zu lassen, denn auf den notwendigen MRT Termin mit dem einzigen MRT Gerät Islands in Reykjavik hätten wir sehr lange warten müssen. Für mich war klar, ich fahre mit nach Deutschland und begleite Antje nach Hause. Also die Entscheidung, wo und wie ich überwintere, ist damit gefallen. Das Boot bleibt bis zur meiner Rückkehr erst einmal allein. 

Ein Gedanke zu „Wann geht es wieder nach Hause?“

  1. Hallio,

    heißt das dann, dass du doch im Deutschen Norden bleibst?
    Ich würde mich freuen, mal mit dir und Anje zu quatschen… auch was die Zukunft arbeitstechnisch bringen kann, denn aus Angeln und herumbooten könnte ein gutes Angebot entstehen! Gerne schon ab Frühling. Habt ihr Zeit? Und Lust?

    Liebe Grüße, von Alma

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.