Zwischenziel: Die Bretagne

Ich bin in der Bretagne angekommen, die größte Halbinsel Frankreichs . Sie ist zusammen mit der Iberischen Halbinsel der westlichste Ausläufer des europäischen Festlandes. Das Land wurde von den Galiern Aremorica genannt, das „Land am Meer“. Die heutigen Bewohner nennen sich nicht mehr Asterix und Obelix sondern sind die Bretonen. Für mich ist hier die Biskaya zu Ende.

Ein 4 Wochen langes und beschwerliches Stück Segelabenteuer liegt hinter mir. Ich verleihe mir den Orden „Biskaya getestet“ in Silber . Stationen wie Belle Ile und Port Haliguen an der Westküste Frankreichs verlasse ich immer schon nach 2 Tagen. Bretagne (24)Zu viel Tourismus oder unruhige Ankerplätze. Auch viel Zeit und Geduld bedarf es, um an die leckeren Gaufres, diese traditionellen Waffeln zu kommen. ….ich habe die Zeit.

Die Marinas hierzulande sind alle pickepacke voll und wenn ich einenBretagne (14) Liegeplatz als Vierter im Päckchen erkämpfe, ist er nicht für ein Taschengeld zu haben. Oftmals fehlen auch noch Strom und Wasser, vom Internet ganz zu schweigen. Bretagne (35)Mit dem Ankerplatz auf der Insel Ile d´Ouessant vor der Küste der Bretagne habe ich einen weiteren Höhepunkt meiner Reise erreicht. Die Insel ist der Treffpunkt des Atlantik, der Biskaya und dem Englischen Kanal. Und alle Gewässer reißen sich um diese kleine Insel. Ich nehme mir ein paar Tage Zeit auf Ile d´Ouessant. Denn die Anreise zu dieser nur ca. 6 km langen Insel ist schwierig. Beim ersten Versuch, die Südseite zu erreichen, gebe ich bei 7-8 Knoten Gegenstrom und Strudeln, so groß das ein Schlauchboot darin verschwindet, auf. Ich nehme Kurs auf die Ankerbucht Baie du Stiff an der Nordostseite. Bretagne (2)Auf dem Weg dorthin begleiten mich für 2 Stunden Delfine, die sich lustig um mein Boot tummeln. Mir gelingen fantastische Unterwasseraufnahmen, die ich für einen kurzen Film verwenden kann. Die Delfine sind heute unwahrscheinlich verspielt und neugierig. Am nächsten Morgen noch vor Anker liegend, begrüßt mich ein großer Delfin beim Baden, auf nur 7 Meter Wassertiefe kommt er in Greifnähe neben mir an die Badeleiter. Auf dem Weg zur Baie de Lampaul, eine Bucht auf der Südwestseite, kämpfe ich wieder mit Strudeln, die mein knapp 7 Tonnen-Boot drehen wie ein Streichholz im Wasser.

Foto: Joelle Le Guern
Foto: Joelle Le Guern

Naturgewalten pur, heute laufe ich mit dem Strom. 10-11 Knoten über Grund ist beachtlich, zumal heute kein Lüftchen weht. Die Wellen kommen aus allen Richtungen und erreichen ein bis zwei Meter. Nach einer Seemeile ist der Schreck vorbei. Ich übergebe meine Kamera an einen französischen Segler, seiner Frau Joelle gelingen ein paar Aufnahmen von mir am Leuchtturm vor der Insel. Ich umfahre den wohl meist fotografierten Leuchtturm der Welt. Den „La Jument“ An windigen Tagen schlägt hier die Gischt schon mal 30 Meter!!! hoch. Heute ist es ruhig und ich halte an einer kostenfreie Muringtonne in der Baie de Lampaul. Bretagne (38)Auf der Insel drängen sich tagsüber zahlreiche Touristen zu den ausgewiesenen Sehenswürdigkeiten der kleinen Insel. Für jeden Gast steht ein Fahrrad bereit. Ich packe Rucksack mit Picknick und Wanderschuhen und suche wieder einmal abseits der ausgetretenen Pfade meine Fotomotive. Bretagne (39)Links und rechts säumen Brombeersträucher die Wege, ich komme nur langsam voran und wundere mich nicht, als am Abend beim Bier im örtlichen Pub der Kellner über meine brombeer -gefärbten Hände und Lippen schmunzeln muss. Übermorgen geht es weiter durch den englischen Kanal Richtung Normandie an der französischen Nordküste.

3 Gedanken zu „Zwischenziel: Die Bretagne“

  1. Hallo Micha, wir freuen uns immer wieder über über Deinen Bericht und die oft tollen Aufnahmen. Danke auch für die Grüße per Post. Ingrid und Siegfried

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