Boulogne sur Mer

Ich rase durch die Normandie. Von der britischen Insel Guernsey ging es  nach Cherbourg. Dort bin ich mal wieder eingeweht. Die knapp 40´000 Einwohner zählenden Stadt in der Normandie ist schnell erforscht. Ich treffe wieder ein Pärchen, die eine Auszeit auf dem Boot verbringen.

TamTam (5)Birte und Nico auf ihrer SY TamTam sind seit 3 Monaten unterwegs und fahren Richtung Süden. Einen Plan, wohin es geht und wie lange, gibt es nicht. Ich gebe ihnen Tipps für gute Ankerplätze mit auf den Weg. TamTam (2)Und sie schenken mir den Routenatlas für die Staande Mastroute von Holland. Ein Inlandweg durch die Kanäle in Holland, auf dem man nicht den Mast legen muss. Ich bin ein bisschen neidisch, weil es für mich in den kalten Norden geht. Ihre Erlebnisse und Abendteuer veröffentlicht das nette Pärchen auf ihrem Blog: www.TamTam-Sailing.de
Um nicht einfach die Zeit verstreichen zu lassen, nutze ich sie sinnvoll und macheNormandie (1) einen Termin für den Travellift, um X-Trip nach 16 Monaten einmal aus dem Wasser zu holen. Denn mittlerweile sind der Bewuchs Normandie (5)und die Pocken so groß, daß an meinem Boot ein Hawaii-Blumenring an der Wasserlinie entstanden ist. Also ab zum Kran und dann eine Firma beauftragt, die mit dem Hochdruckstrahler das Gröbste beseitigt. Die ganze Prozedur dauert 3 Stunden und mein Boot schwimmt wieder in seinem Element. Sieht doch gleich alles viel besser aus. Normandie (9)Am Sonntag war es dann so weit, ein Wetterfenster war schon seit Tagen in Sicht. Der Wind sollte gegen 15 Uhr auf Südwest drehen und abnehmen. Das tat er dann auch und dazu kam der große Regen. „Land unter“ sagen wir dazu an der Küste. Keine Chance loszufahren, ohne schon gleich an der Hafenausfahrt  klatsch nass zu sein. Ich warte wieder. Gegen Abend klart es auf und ich beschließe, kurz nach Mitternacht die Leinen zu lösen. Der Wind weht günstig und ich komme mit Raumschotkurs gut voran. Der Strom ist noch bis 3 Uhr am Morgen gegen mich, ab 4 Uhr werde ich geschoben und bei 25 bis 30 Knoten Wind fahre ich 9-11 kn durchs Wasser und sogar bis über 13 kn über Grund. Das schafft natürlich und so beschließe ich, bis nach Dieppe durchzufahren.Normandie (16)
Dieppe ist der bis hierhin schönste Ort in der Normandie. Ein echter Geheimtipp, um mal Urlaub zu machen. Die Marina liegt genau an der Stadtpromenade in der Altstadt von Dieppe. Bars, Pubs, Restaurants und unzählige Einkauftsmöglichkeiten rund herum. Die vielen Häuserfassaden und Gassen der Innenstadt erinnern mich an den französischen Film: „Willkommen bei den Sch`tis“ ein wirklich lustiger Streifen, der in dieser Gegend spielt. Normandie (20)Der gewaltige Tidenhub beträgt hier schon beachtliche 8-9 Meter. So kommt es, daß man bei Hochwasser vom Normandie (29)Boot auf die Promenade schauen kann, aber bei Niedrigwasser in einem tiefen Loch versinkt und auf muschelbewachsene Spundwände guckt. Ich bleibe 3 Tage. Es gefällt mir hier. Es gibt wieder Gaufres satt, diese leckeren Waffeln mit Schoko oder Caramel und ohne Anstehen zu ergattern. Dann teste ich noch die einschlägigen Pubs, mein Favorit ist die „Cactus Bar“Normandie (15) mit leckeren Tapas und sehr praktisch gleich gegenüber der Marina.
Samstagfrüh 5:30 klingelt schon wieder der Wecker. Die Tapas vom Vorabend noch gar nicht richtig verdaut, quäle ich mich aus meiner Koje. Es ist kalt, es ist feucht draußen, wir haben schon Ende August. Doch heute will ich mit der Strömung, die gegen 6:30 Richtung Norden geht, mit dabei sein. Windvorhersage: Südost 6-8 kn, das passt. Und so bin ich 6:30 an der Hafenausfahrt, setze die Segel und fahre in einen wunderbaren Sonnenaufgang hinein. Daß der Autopilot mal wieder nicht funktioniert, stört mich heute kein bisschen. Zu schön ist der Anblick der aufgehenden Sonne. Keine Wellen und auch kein Schwell. Ich gleite die gut 50 Seemeilen bis Boulogne sur Mer in nur 7 Stunden. Das bedeutet, heute ist früh Feierabend. Keine Sonderschicht und kein 17 Stundentörn wie noch vor 4 Tagen. 14:30 laufe ich schon in die kleine Marina, versteckt hinter einem Industriehafen, ein. Normandie (44)Der Hafenmeister weist mir freundlich einen Platz zu und bei schönsten Sommerwetter mache ich meine Leinen neben Boulogne (3)Freunden, den Sailing Conductors fest. Zwei Leichtmatrosen, Ben und Hannes aus Berlin und Rostock, die auf ihrem Segelboot Marianne seit gut 5 Jahren um die halbe Welt gesegelt sind, um mit

Bärte im Vergleich
Bärte im Vergleich

verschiedenen Musikern Songs auf verschiedenen Kontinenten aufzunehmen. Ihre unglaubliche Geschichte und viel Musik findet man auf www.sailingconduktors.de

Normandie (45)
Auch ich habe schon ihre Musik in einem kurzem Clip über Segeln in Tunesien eingebaut. Die Rechte dafür klären wir heute beim Abend beim Tee. Auch bekomme ich ihr gerade erschienenes Buch handsigniert geschenkt. Danke, ihr Leichtmatrosen.

Hier noch ein paar Impressionen aus Cherbourg

4 Gedanken zu „Boulogne sur Mer“

  1. Hallo Micha, schon wieder eine Karte im Kasten von Dir. Danke! Sie ist aus Guernsey Toll Deine Reiseberichte. Wir lesen sie mit großem Vergnügen, immer wieder. Weiterhin gute Fahrt. Ingrid und Siegfried

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