Rödlöga, Klappe die 3.

Nein ich will nicht wieder und  zum 3. Mal von meiner Lieblingsinsel erzählen. Vielmehr ein paar Worte und die vielen aufgenommenen Bilder der letzten Wochen nachliefern. Hier auf Rödlöga schließt sich der Kreis. Mein Kreis, meine Ostseerunde ist hiermit komplett. Seit Ende April bin ich unterwegs. Über Rügen nach Bornholm, dann Utklippan, Kalmar, Stockholm und über dieses Rödlöga nach Mariehamn auf den Ålands. Weiter nach Hiiumaa in Estland bis nach Tallinn, der östlichste Punkt meiner Runde. Zurück nach Finnland über Utö mit dem ältesten Leuchtturm Finnlands, Turku und einer 6 Tage Nonstop-Fahrt nach Marianiemi auf Hailuoto. Haparanda besucht, mit dem Fahrrad nach Rovaniemi gefahren.

Über Malören schließlich das Ziel Törehamn erreicht, der nördlichste Punkt der Ostsee. Wo ich auf die dicke Tonne gesprungen bin.

Kurs Süd dann einen Streifzug durch die Höga Kusten und zurück in den Stockholmer Schärengarten, eben zu diesem Rödlöga. Genau 2200 Seemeilen bis hierhin, 500 kommen bestimmt bis Stralsund noch dazu. Bevor ich losgefahren bin, auf der Suche nach dem schönsten Schärengarten, wurde mir erzählt: „Die Schären vor Västervik sind die Schönsten“, weiter hieß es, „Nee, der Stockholmer Schärengarten, dass sind die Besten“. Dann der nächste Tipp: „Åland Inseln, ein Traum, aber besser noch der Schärengarten nordöstlich vor Turku“, abschließend der finale Tipp: „Kannst alles vergessen, Höga Kusten, da musst du hin. Alles andere ist langweilig“.

Puuuhhh, Leute ich habe das so gemacht und alles kontrolliert. Es gibt keinen Favoriten. In jeder Ecke, in jedem Schärengebiet, hatte ich wunderbare Segeltage. Es ist immer eine Kombination aus Wetter und persönlicher Tagesform. Was erlebe ich und was passiert mir. Traumhafte Tage mit meiner Freundin, obwohl es im Juni noch kalt war. Oder, das Treibenlassen bei Flaute auf der Ostsee. Im Norden fehlte es dieses Jahr an Seglern, ich war da fast allein.

Auf Malören steht der nördlichste Leuchtturm der ganzen Ostsee. Ganz nach meinem Aberglauben habe ich ihn gestreichelt und gesagt, dass ich mal wieder komme. Sie Silhouette von Malören, mit Leuchtturm und Kirche, ist einmalig und unverkennbar.

Durch die Landhebung ist der Süd-Hafen mit der hölzernen Brücke für mich viel zu flach und der aufgegebene Nordhafen schiebt sich durch das Packeis jeden Winter ein Stück weiter den Strand hoch.

In Törehamn dann endlich die ersehnte Nordtonne.

Wer will bekommt  auf dem dahinter gelegenen Campingplatz ein Zertifikat, dass er hier war und kann das dann zuhause stolz zeigen. Ganze 3 Tage habe ich neben der gelben Tonne auf günstigen Wind gewartet, um zu den  Höga Kusten zukommen. Da fehlte es an Temperatur und Sonne, aber die großen Fjorde und hohen Berge sind einmalig schön anzuschauen. Der Eispanzer während der Eiszeit vor ein paar Millionen Jahren war hier mit ca. 3000m am dicksten und hat diese tolle Gegend geformt.

Besonders hat mir Norrfällsviken gefallen, wo die Hausnummern mit Koordinaten versehen sind. Die Kirche und das Fischereimuseum muss man gesehen haben.

Hm, da fällt mir wieder der frische Räucherlachs ein, lecker.

Der Stockholmer Schärengarten ist dann wieder ein wunderbares Segelrevier und bis in alle Ecken erschlossen. Bis in alle Ecken findet man auch jede Menge Segler. Wer in der Ferienzeit nicht bis 15 Uhr seinen Anker- oder Felsenplatz besetzt hat, muss sehen was übrig ist oder als Letzter im Ankerkino die Hauptrolle spielen. So wie ich bei Arholma, mitten in der Nacht immer noch mit dem Eisen im Dreck wühlend und alle anderen nicht schlafen lassen.

Wie gesagt, es gibt kein absolut bestes Gebiet. Ich habe meine Lieblingsplätze, die ich gerne auf dem weiteren Weg noch ansteuern werde. Besonders schön ist es, wenn man Freunde trifft, wie Corinna und Alex auf ihrer Runde mit den Schweinswalen.

Dann hatte ich das Glück, einen älteren Segler kennen zu lernen. Thomas ist über 60 und segelt erst seit 3 Jahren. Dieses Jahr ist er mit seinem Hund Jamie in Holland gestartet und hat die Ostsee bis zu den Höga Kusten genossen. Wir haben uns in Öregrund getroffen, als er neben mir in einer Lücke festmachte, die eigentlich gar nicht da war. Für mich der denkbar ungünstigste Liegeplatz des Jahres, denn zum Hafenfest in Öregrund wurden Rennen für Jetskis, Formel 1 Boote und was sonst noch Krach macht, ausgetragen. Und das alles genau neben uns. Hätten wir nicht so nette Gespräche gehabt, wäre ich schon nach 3 Minuten wieder auf der Flucht gewesen. Bei Jamie habe ich mich mit Leckerlies eingekratzt.

 

2 Tage habe ich es bei dem Affentheater im Hafen ausgehalten. Bier und Langos ausgiebig getestet, um dann nachts wie in einer Bassbox zu schlafen, weil neben den Booten die Livemusik noch dröhnte.

 

Thomas hat dann am nächsten Tag, ich zitiere seinen Blog:  Schwäbische Fastenknödel in Eierschaum-Weißweinsoße mit Kokos und Minze garniert, angerichtet. Für mich das Festessen des Jahres, vielen Dank. Auf dem weiteren Weg in den Süden hat mich das Feld der Rennboote begleitet. Plötzlich war ich während des Segelns auf der Kreuz, mitten im Regattafeld. Nur 20 Meter vor und hinter mir donnerten die ohrenbetäubenden Raketen an mir vorbei. Unglaublich, als wenn man bei der Formel 1 im Rennen über den Zebrastreifen schlendert und dabei Blumen pflückt.

Einen Tag später ist dann auch noch die Genua gerissen. Ein 1 m langer Riss, dem Segel war es bestimmt auch zu laut. Jetzt liege ich im Cockpit und  X-Trip baumelt schön an der Kette hin und her. Die nächsten Tage ist starker Südwind mit Regenschauern angesagt. Also keine Eile und abwarten, ich werde dazu noch Tee kochen.  Ahoi!

4 Gedanken zu „Rödlöga, Klappe die 3.“

  1. Hallo Micha,

    Wir haben uns eben in Oskarshamn getroffen und nett am Steg unterhalten. In unserem Häuschen inMalilla / Rosenfors angekommen hab ich sofort deine Seite aufgemacht. Schon der erste Artikel (Rödlöga, Klappe die dritte) animiert mich dazu weiterzu lesen und gespannt auf alles was noch kommt zu warten. Viele Grüße Fiete und Kerstin.
    Ps.: vielleicht schaffe ich es ja mal selbst eine Webseite einzurichten. Für unsere Fotos wäre das längst mal fällig.

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